Axel Kleinlein: „Die Riester-Rente ist schon seit vielen Jahren ein müffelnder Ladenhüter“

Axel Kleinlein. Quelle: BdV

Die Riester-Rente sieht sich – wieder einmal – einem Großangriff der Verbraucherschützer ausgesetzt. BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein und Finanzwende-Mitinitiator Gerhard Schick sehen bei einer Reform der Altersvorsorge vor allem den Staat in der Pflicht – und singen eine Lobeshymne auf die gesetzliche Rente.

„Erstmal hat die Deutsche Rentenversicherung mit der gesetzlichen Rente schon ein echtes Erfolgsmodell aufgesetzt, das den Angeboten der Versicherer klar überlegen ist. Neben Altersrenten leistet die DRV ja auch noch Erwerbsminderungsrenten, Beitragszuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung und noch mehr. Zeigen Sie mir ein privates Versicherungsprodukt mit vergleichbaren Leistungen“, konstatiert Kleinlein in einem Doppelinterview mit dem Manager-Magazin. Zudem müsse für ein neues Vorsorgeangebot „die Deutsche Rentenversicherung aber auch gar nicht Produktgeber oder gar Fondsmanager sein. Öffentlich organisiert heißt ja, dass jemand diese Vorsorge organisiert, der den Sparerinnen und Sparern gegenüber verantwortlich ist – und nicht gegenüber Aktionären.“

„Die gesetzliche Rente ist gegenüber Riester und Rürup ein Renditeturbo.“

Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten (BdV)

Zudem sei auch überraschend, „dass die Versicherer jetzt plötzlich Produkte anbieten wollen, die sie 20 Jahre lang nicht angeboten haben. Wo war denn das Know-how der Branche? Am Ende können wir gerne eine Ausschreibung darum machen, wer den Kapitalbestand verwaltet. In jedem Fall müssen da Profis ran. Das Beispiel Schweden zeigt, dass es geht. Zentral ist aber, dass den Menschen ihr Geld im Alter auch zugutekommt und nicht – wie bisher – erkleckliche Teile davon als Gebühren in den Taschen der Anbieter und der Vermittler landen“, ergänzt Schick.

Außerdem sei nach Ansicht des ehemaligen Grünen-Politikers für die Altersvorsorge entscheidend, „was für die Rentner am Ende da ist, und das hängt auch davon ab, wer dazwischen alles die Hand aufhält. Deshalb soll der Staat aus unserer Sicht im Bereich der privaten Altersvorsorge für ein günstiges Standardprodukt sorgen. Das ist er den Menschen schuldig, wenn er erst Lücken in die gesetzliche Rente schlägt und dann immer wieder zur privaten Vorsorge auffordert. Er soll das kostengünstig aufsetzen, aber nicht unbedingt selbst managen und keinen Zugriff auf das Geld haben. Kurzum: Der Staat soll einen Rahmen schaffen.“

„Wirklich überraschend ist doch, dass die Versicherer jetzt plötzlich Produkte anbieten wollen, die sie 20 Jahre lang nicht angeboten haben. Wo war denn das Know-how der Branche? Am Ende können wir gerne eine Ausschreibung darum machen, wer den Kapitalbestand verwaltet. In jedem Fall müssen da Profis ran. Das Beispiel Schweden zeigt, dass es geht.“

Gerhard Schick, Mitbegründer der Finanzwende

Dessen Forderungen an die Politik sind klar: „Die Riester-Rente ist nicht reformierbar. Alle Versuche sind gescheitert, die vielfach hohen Kosten blieben. Tatsächlich enttäuscht bin ich vom Schaun-wir-mal der Ampel-Koalition. Der Befund ist doch klar: Wir schlagen uns nun seit 20 Jahren mit der Riester-Rente rum. Das sind 20 Jahre mit vielen ineffizienten und teuren Produkten. In so einer Situation muss es politisch doch möglich sein, einen Schlussstrich zu ziehen. Und dann kommt die Ampel-Regierung daher und will erst mal „prüfen“. Mir ist wirklich nicht klar, was man da jetzt noch prüfen will.“

Wenig verwunderlich, dass Kleinlein dabei nicht ohne Seitenhieb auf die Versicherungsbranche auskommt: „Auch Versicherungen sind nicht sicher! Jedes Investment in einen Vertrag bei einem Lebensversicherer ist hochgradig riskant, besonders, weil diese Verträge so unflexibel sind und viele Menschen keine Ahnung haben, wer auf Dauer ihr Versicherungspartner sein wird und mit der Überschussbeteiligung über Wohl und Wehe des Vertrags entscheidet.“

„Wir brauchen endlich Altersvorsorge ohne die Versicherungsindustrie!“

Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten (BdV)

Zudem sei es der „Normalfall, dass die Rente von einem anderen Unternehmen ausgezahlt werde als jenes, bei dem Sie ursprünglich den Vertrag unterschrieben haben. Vertragstreue nehmen die Unternehmen nicht mehr sehr ernst, die verkaufen gerne mal ihre Kunden an andere Unternehmen, zum Beispiel an Abwicklungsplattformen. Diese wollen dann nur Geld aus den Verträgen pressen. Das Wohl der Versicherten liegt solchen Abwicklern nicht am Herzen. Anders als etwa bei der Deutschen Rentenversicherung, da gibt es keine Aktionäre.“

Autor: VW-Redaktion

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