Bader: „Die klassische Lebensversicherung wird wahrscheinlich immer weiter vom Markt verschwinden“

Guido Bader. Quelle: Stuttgarter

Garantien und hohe Zinsen gehören in der Lebensversicherung praktisch der Vergangenheit an. Nun kommt auch noch Corona dazu: „Mittel- bis langfristig dürfte die Corona-Krise die Niedrigzinsphase um Jahre, wenn nicht Jahrzehnte verlängern, sodass die Zinsen vorerst auf dem heutigen Niveau verharren dürften“, glaubt Guido Bader, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV).

Dies bringe „die deutschen Lebensversicherer mit einem hohen Bestand an Klassik-Policen weiter in die Bredouille. Das zeigt sich beispielsweise an ihren Zuführungen zur Zinszusatzreserve, die in diesem Jahr wieder deutlich über dem Vorjahreswert liegen wird. Darin wird deutlich: Die Garantien aus den vergangenen Jahren lasten immer schwerer auf den Zukunftsaussichten dieser Lebensversicherer. Entsprechend setzen immer mehr Anbieter auf kapitalmarktorientierte Produkte“, betont der Aktuar im Interview mit dem Finanzmagazin Das Investment.

Zudem rechnet Bader damit, „dass viele Unternehmen ihre Garantien schon bald weiter senken werden. Das passiert jetzt wohl unabhängig davon, wann und in welcher Höhe das Bundesministerium der Finanzen den Höchstrechnungszinssatz festsetzt. In diesem Jahr ist man dort unserer Empfehlung von 0,5 Prozent noch nicht gefolgt, weil die Politik die Fragen rund um den Höchstrechnungszins, Riester-Garantien und Riester-Produkte vermutlich gesamthaft lösen will“.

Außerdem rechnet der DAV-Chef mit heterogeneren Produkten in der Lebensversicherung: „Die klassische Lebensversicherung wird wahrscheinlich immer weiter vom Markt verschwinden, denn die Überschussbeteiligung dürfte branchenweit mittelfristig weiter sinken. Doch Kapitalgarantien zu Rentenbeginn machen bei Produkten der privaten und betrieblichen Altersvorsorge immer noch Sinn“, so Bader.

Autor: VW-Redaktion

Ein Kommentar

  • Ich würde diese Aussagen nicht in Gänze unterschreiben. Denn viele der modernen Produkte sind im Grund immer noch klassische Lebensversicherungen und haben einfach niedrigere Garantien. Damit bleiben die Produkte dann auch darstellbar und bieten zusätzliche Chancen für die Kunden. Die Idee kollektiv mit Ausgleichsmechanismen langfristig zu sparen ist weiterhin dem individuellen Sparen strukturell überlegen! An viele Assetklassen im klassischen Portfolio einer LV kommt kein Privatanleger (in vernünftiger Stückelung also z.B. mit 100 EUR monatlich) ran

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