Klaus Wiener: Wird Corona nicht eingedämmt, wird es „größere Auswirkungen“ auf Versicherer haben

Klaus Wiener, Chefsvolkswirt des GDV. Quelle: GDV

Mit dem Auftreten des Coronavirus haben die Konjunkturrisiken zu Jahresbeginn wieder zugenommen. Die Auswirkungen sind dabei nicht auf China beschränkt, warnt Klaus Wiener, Chefsvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Aufgrund der „dramatisch gestie­genen“ Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft wird das Virus aller Voraussicht nach auch in anderen Teilen der Welt wachstumsdämp­fend wirken, so auch hierzulande, erklärt der Volkswirt. Damit besteht das Risiko, dass die gesamtwirtschaftliche Produktion in Deutschland zu Jahresbeginn schrumpfe, nach einer Stagnation im Schlussquartal des Jahres 2019.

Lässt sich das Virus eindämmen?

Die Auswirkungen auf die Versicherungswirtschaft seien zum jetzigen Zeitpunkt gering. Pandemiedeckungen sind auf dem deutschen Markt sehr selten und nur mit geringen Deckungssummen verfügbar. Eine Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten besteht „allenfalls in geringem Maße“.

Am stärksten sind die vergleichsweise kleinen Sparten der Transport- und Luftfahrtversicherung sowie die Kreditversicherung betroffen, da sie in größerem Maße von der Weltkonjunktur bzw. dem Welthandel abhängig sind, erklärt Wiener. Die Einschränkungen im Reise- und Warenverkehr könnten sich auf die Nachfrage in beiden Bereichen mittelfristig auswirken. Bei der Kreditversicherung könnte zudem eine Steigerung des Insolvenzrisikos als Folge der konjunkturellen Rückwirkungen zu vermehrten Schadensregulierungen führen.

Daneben wirke sich eine schwächere Konjunkturentwicklung aber auch „insgesamt auf das Versicherungsgeschäft“ aus. Spürbar größere Auswirkungen für die deutschen Versicherer sind für den Fall zu erwarten, dass sich das Virus nicht – „wie derzeit vermutet“ – eindämmen lässt.

Ob sich das Virus noch begrenzen lässt, ist derzeit umstritten. „Es sieht für mich so aus, als ob dieses Virus wirklich aus China entwichen ist und sich nun recht weit verbreitet“, sagt der britische Epidemiologe Christopher Dye kürzlich.

In Italien hat die Generali einen Notfallplan in Kraft gesetzt, nachdem das Virus sich in Italien ausbreitet und vom Staat erhebliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden mussten.