Baloise-Chef: „Wir wollen aus dem Kerngeschäft ausbrechen“

Die Baloise will ihre Kundenzahl bis 2021 um eine Million steigern. CEO Gert De Winter will das vor allem durch neue Beteiligungen an Firmen schaffen, die auf den ersten Blick nichts mit Versicherungen zu tun haben. Eine Umzugsberatung, eine Wäscherei oder eine Handwerkervermittlung. Warum? „Im reinen Versicherungsgeschäft haben wir nur punktuell Kontakt mit unseren Kunden. Daher wollen wir Dienstleistungen rund um das Kerngeschäft herum aufbauen und die Kundeninteraktionsfrequenz erhöhen.“

„Natürlich ist schwer zu sagen, was in zehn Jahren sein wird“, gibt Gert De Winter im Interview mit dem Magazin Schweizer Versicherung zu. „Aber es gibt Trends wie jenen, dass immer mehr Leute kein eigenes Auto besitzen und stattdessen auf Teil- oder Mietlösungen setzen.“ Auf solche Szenarien will sich Baloise vorbereiten und anpassen. Gert De Winter will daher „aus dem Kerngeschäft ausbrechen“. Ob das alles auch funktionieren wird? „Nein. Aber man muss es versuchen“, lautet seine Vorgabe.

Baloise hat eine Vielzahl an Apps und Plattformen. Ob Gert De Winter da noch durchblickt? Wäre ein einzige App wie bei einer Bank nicht sinnvoller? „Eine App macht dann Sinn, wenn man eine hohe Transaktionsfrequenz hat. Bei Banken ist dies der Fall, bei Versicherungen eher weniger. Aber: Auch wir arbeiten kontinuierlich an unseren Kunden-Touchpoints. Viele Innovationen testen wir dabei abseits unserer bestehenden Systeme, weil diese schlicht zu langsam dafür wären.“

Expansionspläne für Friday sind durchaus denkbar

In Deutschland hat Baloise die Online-Versicherung Friday, in Belgien eine Pay-as-you-Drive-Version, in der Schweiz die Versicherung Youngo für junge Erwachsene.  Ein europaweites Online-Angebot für Skalenerträge ist jedoch nicht geplant. „Es ist leichter, moderne Online-Angebote in andere Länder zu übertragen als das traditionelle Geschäft. Aber vergessen Sie nicht, wie unterschiedlich die Märkte sind. Die Automobilversicherung in Deutschland funktioniert ganz anders als in der Schweiz. Bei Haftplicht oder Hausrat klappt das Skalieren schon eher, und das werden wir auch versuchen“, sagt Gert de Winter. Er schließt auch nicht aus, dass man mit Friday in andere Länder gehen könnte.

Autor: VW-Redaktion