„Die Bilanzposition ‚Forderungen aus Lieferung und Leistung‘ unversichert zu lassen, ist betriebswirtschaftlich nicht mehr zeitgemäß“

Dual-Manager Pit Weber (l.) und Frederik Weiss (Bildquelle: Dual Deutschland)

Bei dem zu Howden gehörenden Assekuradeur Dual Deutschland entfällt immer mehr Umsatz auf das Cybergeschäft. Auch dank der Anfang 2025 gegründeten Einheit CPR (Cyber Prevention and Response). Trotz KI-gestützter Angriffe wie Phishing, Ransomware-as-a-Service oder Deepfakes ist der Head of Operations bei CPR, Pit Weber, überzeugt: „Die Versicherbarkeit bleibt auch bei dieser dynamischen Bedrohungslage gegeben.“ Hilfreich sei, dass durch NIS2 die IT-Sicherheit zur Chefsache werde. Wie bei Cyber ist die Risikolandschaft auch im Warenkreditgeschäft komplex. „Klassische Einversicherer-Strategien reichen oft nicht mehr aus“, beobachtet Frederik Weiss, Head of Trade Credit Germany.

Dass das Thema Cybersicherheit in Unternehmen aus der IT-Ecke herausgeholt und auf die Managementebene verlagert wurde, hat man laut Pit Weber NIS2 zu verdanken. Sie sorge für klare Verantwortungszuordnung. „Die Richtlinie macht IT-Sicherheit zur Chefsache“, sagte er in einem hausinternen Interview anlässlich des 20-jährigen Jubiläums von Dual Deutschland. „Damit wird Cybersicherheit nicht mehr als rein technisches Thema betrachtet, sondern als strategischer Bestandteil der Unternehmensführung und Risikosteuerung.“

Die Cyberversicherung selbst sieht er jedoch nicht automatisch als einen Teil des NIS2-Compliance-Nachweises. „Unser Ziel ist es, Unternehmen für ihre Anstrengungen und ihre Verantwortungsübernahme zu belohnen. Wer seine Compliance nachweislich erfüllt, soll künftig von deutlich vereinfachten Prozessen profitieren – weniger als zusätzliche Auflage, sondern vielmehr als eine Art Fast-Track.“

Pit Weber ist Head of Operations bei der Anfang 2025 gegründeten Dual-Einheit CPR (Cyber Prevention and Response). Sie bietet Präventions- und Abwehrservices an und unterstützt Kunden auch bei der Erfüllung der NIS2-Anforderungen. Wenn ein Kunde die Präventions- und Abwehrservices nutzt und gleichzeitig eine Cyberpolice abschließt, so erhält er von Dual auch bessere Konditionen, etwa höhere Deckungssummen oder reduzierte Selbstbehalte. „Sicherheit beginnt nicht erst bei der Prävention, sondern bereits bei der Vorbereitung, also dem Schaffen von Rahmenbedingungen und einem wirksamen Risikomanagement. Die Cyberversicherung deckt dabei Restrisiken ab, die trotz aller Maßnahmen bestehen bleiben“, argumentiert Weber. Wie CPR genau vorgeht, erläuterte Weber ausführlich bei einem Vortrag vor sechs Monaten, VWheute berichtete.

Pit Weber, Head of Cyber Prevention and Response Operations, auf der Dual-Fachtagung (Bildquelle: Aaron Ka)

Die Risikolandschaft ist nicht im Cybergeschäft komplex, ebenso im Segment der Warenkreditversicherung. „Geopolitische Spannungen, die Zinswende und Konsumzurückhaltung treffen auf immer komplexere Lieferketten. Wir sehen eine klare Zunahme struktureller Risiken“, sagt Frederik Weiss, Head of Trade Credit Germany. Gleichzeitig kurbelt das gleichzeitig das Geschäft an. „Die Nachfrage ist deutlich gestiegen, insbesondere im Top-up-Bereich. Klassische Einversicherer-Strategien reichen oft nicht mehr aus, um komplexe Risiken zu adressieren.“ Ohnehin ist es für Weiss betriebswirtschaftlich nicht mehr zeitgemäß, die Bilanzposition „Forderungen aus Lieferung und Leistung“ – häufig der größte Vermögenswert in der Bilanz eines Unternehmens – unversichert zu lassen.

Die hohe Nachfrage bringt nicht nur mehr Geschäft, sondern mithilfe von KI laufen diese bei Dual auch effizienter. Man nutze das für Bonitätsanalysen, Prognosen von Ausfallrisiken und zur risikoadäquaten Limitsteuerung. „Das erhöht die Präzision und Geschwindigkeit unserer Entscheidungen“, so Weiss. Als Assekuradeur könne Dual flexibler und schneller agieren als manch Versicherer, dazu gehört etwa eine Policierung innerhalb von 24 Stunden. „Unsere Top-up-Limite sind nicht zeitlich begrenzt und können auch deutlich größere Limite als 5 Mio. Euro abdecken“, verrät Weiss.

Neues Jahr, neue Sparte

Der zur Howden gehörende Assekuradeur Dual Europe ist 2024 stark gewachsen, VWheute berichtete. In diesem Jahr feiert der Kölner Assekuradeur sein 20-jähriges Bestehen. Personell ist man von drei Mitarbeitenden im Gründungsjahr auf heute 114 angewachsen.

Bei der Gründung 2025 hat man sich noch auf die Financial Lines-Sparten (D&O, E&O, VSH, VSV) konzentriert. Von sehr individuellen Marktgegebenheiten abgesehen sollen alle Produkte, die Dual Europe anbietet, auch in andere Länder skaliert werden. So ist man hierzulande auch in den Bereichen Cyber, M&A, Engineering & Construction, Marine (Hull & Cargo), Accident & Health und Trade Credit unterwegs. Dual Deutschland ist eine Underwriting-Boutique, kein Wholesaler, wie einst Deutschlandchef Frank Huy gegenüber VWheute betonte. 2024 und 2025 hat der Assekuradeur vier neue Produktlinien ins Leben gerufen. Für das zweite Halbjahr dieses Jahres wurde der Einstieg in die Kreditversicherung angekündigt, später dann auch der Start mit der Warentransportversicherung. 

In den nächsten drei bis fünf Jahren will das Unternehmen vor allem im Maklersegment wachsen und die Markenbekanntheit ausbauen. Der Mutterkonzern Howden dürfte mit seiner Marke durchaus dazu stark beitragen, denn in den vergangenen Monaten verdichteten sich die Gerüchte, dass der britische Makler seine Börsenpläne bald verwirklicht.

Autor: David Gorr

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