Gothaer fährt Investments in Öl und Gas runter

Bildquelle: drpepperscott230/ Pixabay

Der Asset-Manager des Kölner Versicherers reduziert die Zusammenarbeit mit Unternehmen, die in der Öl- und Gasförderung aktiv sind. Um nicht aus der Kapitalanlage ausgeschlossen zu werden, dürfen Unternehmen maximal fünf Prozent ihres Umsatzes mit arktischem Öl und Gas sowie Ölsanden und Schieferöl erwirtschaften.

Die Vorgabe gilt seit Januar 2024 und betrifft alle Neuinvestitionen, wie eine Gothaer-Sprecherin gegenüber VWheute erklärte. Zugleich räumt die Gothaer AM eine Art Übergangsfrist für bestehende „unsaubere Titel“ ein. Diese sollen bis Ende Oktober 2024 aus dem Portfolio getilgt werden.

Der drohende Rauswurf betrifft laut Gothaer auch Unternehmen in OECD-Ländern, die neue Öl- und Gasfelder erschließen wollen, sofern sie sich nicht zu Netto-Null-Zielen bis 2050 verpflichtet haben. Die Netto-Null-Ziele des Pariser Klimaabkommens zielen darauf ab, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren und bis 2050 eine Klimaneutralität zu erreichen.

Darüber hinaus hat sich die Gothaer Asset Management zum Ziel gesetzt, bis 2027 nur noch Öl- und Gasunternehmen im Portfolio zu haben, die nachweislich Netto-Null-Ziele verfolgen. Dies werde „vermutlich die stärkste Auswirkung auf unser Anlage-Universum haben, da derzeit nur sehr wenige Öl- und Gas-Konzerne valide Transitionspläne haben“, wie die Sprecherin gegenüber VWheute sagte. Hier gebe es einen entsprechend großen Hebel, eine genaue Beurteilung erfordere aber noch sehr umfangreiche Analysen, so die Sprecherin weiter.

Im Bereich Infrastruktur werden den weiteren Plänen zufolge keine Projekte finanziert, die die Erschließung neuer Öl- und Gasfelder, den Bau neuer Öl- und Gaskraftwerke oder von Transportnetzen oder entsprechender dedizierter Infrastruktur zum Ziel haben. Ausgenommen seien Projekte, die nachweislich mit dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens vereinbar seien. Eine Kohleausstiegsstrategie hatte die Gothaer bereits 2021 verabschiedet. Im Jahr darauf folgten die ersten mittelfristigen Treibhausgas-Reduktionsziele für Aktien, Unternehmensanleihen und Immobilien.

Wie aber will die Gothaer AM die neuen Maßgaben bei den Unternehmen nachprüfen? „Die Schwellenwerte und Daten für unkonventionelle Öl- und Gas-Förderungen erhalten wir von unserem Datenprovider MSCI ESG Research“, heißt es auf Nachfrage aus Köln. Das Gleiche betreffe das Vorhandensein von Net-Zero-Zielen. Daten für die Expansionspläne bekommt die Gothaer wiederum von der NGO „urgewald e.V.“ zugeliefert.

Die Messung des 1,5-Grad-Alignment werde „nicht einfach sein“, räumte die Sprecherin ein. Hierfür analysiere und vergleiche man derzeit diverse Datenquellen und Indikatoren. Bis Ende des Jahres wolle das Unternehmen die am besten geeigneten Parameter und Datenquellen festlegen.

Im Rahmen ihrer ESG-Unternehmensanalysen achte die Gothaer ohnehin schon seit einigen Jahren darauf, ob Unternehmen entsprechende Expansionspläne hegen und meide entsprechende Investitionen. „Die beschlossenen Kriterien schaffen aber zusätzliche Transparenz und reduzieren unser Investitionsuniversum sehr verbindlich“, so die Sprecherin abschließend.

Autor: VW-Redaktion

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