Allianz X-Chef Cetin liebäugelt trotz schwieriger Marktlage mit weiteren Investments

Allianz-X-Chef Nazim Cetin. Quelle: Allianz X

Nazim Cetin sieht sein Unternehmen Allianz X auf ein vielversprechendes Geschäftsjahr zusteuern. Etwas kryptisch erklärte er im Interview mit Bloomberg, dass die Allianz-Tochter Ende 2023 die „Früchte ihrer Anstrengungen ernten“ werde. Vermutlich geht es um potenzielle Veräußerungen von Beteiligungen oder Börsengänge.

Dass der IPO-Markt zuerst in den USA wieder an Fahrt gewinnen werde, glaubt Cetin. Dort sei der Kapitalmarkt tiefer und größer, was bessere Möglichkeiten für einen Börsengang biete. „Ein Initial Public Offering sollte aus Sicht der Gründer immer die bevorzugte Option sein. Besonders dann, wenn die Menschen eine positive Bindung zum Unternehmen und dessen Produkten haben“, sagt der Manager.

2023 ist die IPO-Aktivität an den internationalen Kapitalmärkten insgesamt dürftig ausgefallen. Laut Angaben von Ernst & Young sank das weltweite Emissionsvolumen im letzten Jahr um rund ein Drittel auf 123 Milliarden Dollar. In Deutschland erreichte es knapp zwei Milliarden Euro.

In den letzten beiden Jahren wurde das Umfeld für technologiegetriebene Start-ups anspruchsvoller. Viele mussten aufgrund restriktiverer Investitionen aufgrund höherer Zinsen Mitarbeiter entlassen, was zu deutlichen Bewertungsrückgängen führte. Cetin räumt gegenüber Bloomberg ein, dass in Zeiten niedriger Zinsen möglicherweise zu hoch bewertet wurde. Für die Allianz X treffe das nicht zu. „Für Investoren ist es neben dem Wachstum jetzt wichtiger geworden, dass die Unternehmen zeigen, wie sie Profitabilität erreichen können“, erklärt der Allianz X-Chef.

Derzeit hält Allianz X Minderheitsbeteiligungen an 26 Unternehmen und verwaltet ein Vermögen von 1,6 Milliarden Euro. Zum Börsengang brachten es aus dem Unternehmensportfolio der US-Telemedizin-Dienstleister American Well sowie der ebenso aus den Vereinigten Staaten kommende Pannendienstspezialist Urgent.ly. Aktive Beteiligungen aus dem Versicherungsumfeld umfassen das Frankfurter Start-up Clark, Assekuradeur Coalition, Innovation Group, Next Insurance, Pie Insurance sowie die Digitalplattform SDA SE. Den Exit hat Allianz X bei Simplesurance, Stripe, Lemonade, Goto, Finanzen.de und dem Mikroversicherer Bima vollzogen.

Für das größte Aufsehen hierzulande sorgte vermutlich der Ausstieg aus der Finanzen Group, die in den digitalen Versicherungsmakler Clark eingebracht wurde. Im Gegenzug erhielt Allianz X Barmittel und Anteile an den Frankfurtern. 2013 wurde die Allianz-Tochter ursprünglich als „Company Builder“ ins Leben gerufen, mit dem Ziel die Digitalisierung der Mutter voranzubringen. Seit einem Strategiewechsel im Jahr 2017 investiert „X“ ausschließlich in sogenannte Late-Stage-Firmen mit Nähe zum Kerngeschäft, also Akteure aus den Bereichen Versicherung und Vermögensverwaltung.

Cetin signalisierte die Bereitschaft seines Unternehmens, auch in der aktuellen Marktsituation neue Deals einzugehen, betont aber die langfristige Ausrichtung bei Beteiligungen. „Wenn sich gute Möglichkeiten für die Allianz in relevanten Bereichen ergeben, sind wir grundsätzlich zu weiteren Investments bereit.”

Mit der zuletzt kommunizierten Eröffnung des New Yorker Büros hat Allianz X seine Präsenz in den USA verbessert und ist näher aus den aus ihrer Sicht wichtigen Markt herangerückt. 2022 hat das Unternehmen in den Staaten mit Pie Insurance (315 Mio. US-Dollar Gesamtrunde) und Coalition (250 Mio. US-Dollar Gesamtrunde) die größte und zweitgrößte Insurtech-Finanzierungsrunde des Jahres mit angeführt. Gegenüber VWheute erklärte Allianz X im Mai letzten Jahres, dass man geografisch breit aufgestellt sei, sich Portfolio aber vor allem auf Europa und Nordamerika konzentriere und man diese Märkte in den Vordergrund stellen, wenn es um den Einsatz von Kapital gehe.

Heißer Anwärter auf den nächsten Börsengang könnte der Cyberversicherungsspezialist Coalition sein, in dessen Verwaltungsrat u.a. auch Allianz-Chef Oliver Bäte einen Sitz hat. Bereits 2023 war über einen IPO spekuliert worden. Aufgrund der beschriebenen schwierigen Marktbedingungen wagte das Start-up mit Versicherungslizenz den Sprung aufs Parkett nicht. Man habe keinen Druck, heißt es aus Insiderkreisen. Coalition könne sich weiterhin zusätzliches Kapital beschaffen, wenn es seine „risikobehafteten“ Aktivitäten weiter ausbauen möchte. Aber auch hierzu bestehe kein Zwang.

Autor: VW-Redaktion