Onpier rechnet fest mit weiteren Versicherern im neuen Jahr

Onpier-Geschäftsführer Alexander Hund; Daniel Thomas, Vorstand für die Bereiche Betriebsorganisation, IT und Digitale Services bei der Huk-Coburg; Marcus Loskant, Vorstand LVM für die Bereiche IT, Datenschutz, Risikoüberwachung und Compliance, Allgemeine Verwaltung und Konzernkrisenstabsleiter

Versicherungsfremdes Geschäft in Form von Mehrwertservices anzubieten, kann für Versicherer sehr teuer werden. Es sei denn, man schließt sich zusammen. Das ist die Idee hinter der onpier-Plattform. Daran beteiligt sind die Huk-Coburg und die LVM Versicherung und sie mussten erst das Vertrauen anderer Player gewinnen. In den ersten beiden Quartalen 2024 werden weitere Versicherer verkündet, die zur Plattform hinzustoßen. Ein Blick hinter die Fassade von onpier, die Technik dahinter und welche Services besonders gefragt sind.

Auf onpier werden bewusst keine Versicherungsprodukte verkauft, damit die Plattform neutral bleibt. Sie bietet ausschließlich nur Zusatz- bzw. Mehrwertservices als Whitelabel-Lösung an. 2021 gestartet, war onpier am Anfang eine hundertprozentige Tochter der Huk-Coburg, 2022 erwarb auch die LVM Versicherung Anteile davon. Die HDI war an der Entwicklung beteiligt, ist aber kein Anteilseigner. „Uns war und ist bewusst, dass eine Plattform von der Anzahl ihrer Nutzer lebt. Eine reine Huk-Coburg-Plattform hätte den Namen „Plattform“ nicht verdient. Deshalb haben wir direkt von Anfang an mit unseren Wettbewerbern HDI Versicherung und LVM Versicherung kooperiert“, erklärt Daniel Thomas, Vorstand für die Bereiche Betriebsorganisation, IT und Digitale Services bei der Huk-Coburg.

Nach eigenen Angaben verfolgt die Plattform den Ansatz der „Co-opetition“ (Mix aus Cooperation und Competition). Das bedeutet, dass es einen starken Wettbewerb im Kerngeschäft Versicherung gibt, dafür kooperiert man im Bereich versicherungsfremdes Geschäft. Für das versicherungsfremde Geschäft werden von onpier „Use Cases“ bereitgestellt. Dazu zählen aktuell die Services wie u. a. Kfz-Zulassungsservice, digitale Kfz-Zulassung, THG-Prämie oder Autoankauf. Diese sind Eigenentwicklungen von onpier. Ansonsten nutzt onpier die SDA (Service Dominierte Architektur) als Bauplan und verwendet Lösungen des Plattform- und Ökosystementwicklers SDA SE. „Mithilfe dieses vorhanden Technologie-Stacks konnten wir die onpier-Plattform mit den onpier-spezifischen Funktionen als MVP in einem beeindruckenden Tempo von nur neun Monaten gemeinsam auf die Beine stellen“, betont Alexander Hund, Geschäftsführer der onpier GmbH.

Würde man auf der Plattform Versicherungsprodukte verkaufen, wär der „Co-opetition“-Gedanke nicht mehr sichergestellt. Laut onpier mussten die Versicherer erst den Ansatz der „Co-opetition“ verstehen und dass eine neue/weitere „Bedrohung“ nicht von anderen Versicherern ausgeht, sondern eher von anderen Plattformen à la Google, Amazon. Der Vorteil der Plattform sei eben der, dass man Kosten und Aufwand für das versicherungsfremde Geschäft teilt, aber trotzdem diese Use Cases unter der eigenen Marke weiterhin führen und labeln kann. Dadurch erziele man entsprechende Skaleneffekte.

Die Customer Journey aus Sicht des Kunden

Die Endkunden nehmen die onpier-Plattform in der Form nicht wahr, da sie (lediglich) im Rahmen der Customer Journey (unter der Marke) des Versicherers im richtigen Moment auf den Mehrwertservice hinweist bzw. den Endkunden zum Leistungserbringer weiterroutet. „Der Versicherer agiert mit seinen Kundenkontakten als Distributor für die Leistungen, die im Hintergrund durch die Leistungserbringer bereitgestellt werden“, erklärt Daniel Thomas von der Huk-Coburg. „Generell beginnt jede Customer Journey bei dem jeweiligen Versicherer. Dieser legt fest, wie und auf welche Weise die Reise startet“, führt er weiter aus. „Nehmen wir an, ein Kunde kommt auf den Versicherer zu und möchte ein Kfz-Versicherungsangebot für ein Elektroauto. Zunächst erhält der Kunde ganz klassisch ein Kfz-Versicherungsangebot. Nachdem ich als Versicherer aber weiß, dass es sich um ein Elektroauto handelt, kann ich dem Kunden auch anbieten, mich für ihn um die Beantragung der THG-Prämie zu kümmern. Diese wiederum können wir direkt mit der Versicherungsprämie verrechnen. In einem weiteren Schritt, bzw. Use Case, wie wir es nennen, können wir dann auch bei der Beschaffung einer Wallbox helfen.“

Als weiteres Beispiel erläutert Marcus Loskant, Vorstand LVM für die Bereiche IT, Datenschutz, Risikoüberwachung und Compliance, Allgemeine Verwaltung und Konzernkrisenstabsleiter die Customer Journey beim Zulassungsservice: Bei Ausgabe eVB kann der Versicherer den Kunden als Zusatzservice auf die onpier-Klickstrecke Zulassung führen. Diese ist im Look-and-Feel des entsprechenden Versicherers gestaltet. Die Daten, welche der Kunde bereits dem Versicherer im Rahmen seiner Kfz-Versicherung gegeben hatte, werden nach seiner Zustimmung automatisch an den Dienstleister übertragen.

Wer was nutzt und wie viel es kostet

Jeder Versicherer entscheidet selbst, welche Use Cases er nutzen möchte und welche er womöglich abbestellen möchte. Vergangenes und dieses Jahr war laut onpier der Use Case „THG-Prämie“ sehr relevant. Diesen haben mehrere angebundene Versicherer genutzt. Für diesen Use Case sind auch mehrere Servicepartner angedockt, sodass jeder Versicherer selbst entscheiden kann, wen er als Dienstleister (DL) für diesen Use Case nutzen möchte. Die Buchungsstrecke sei bei allen Anbietern gleich. Im Moment sei der Großteil, der bereits angebundenen und auch potenziellen Partner an der digitalen Zulassung interessiert und aktuell deren Treiber, um bei onpier mitzumachen.

Für das Andocken an die Plattform entstehen für die Versicherer fixe Kosten. Auch wird ein fester Betrag für jeden Use Case fällig. Hauptsächlich verdient onpier aber durch eine entsprechende Leadgebühr (Zusammenbringen von Versicherungskunden und Servicepartnern). „onpier als Plattform nimmt neben einer Grundgebühr für die Infrastrukturkostendeckung nur eine Transaktionsgebühr. Je mehr Volumen, desto mehr Umsatz für onpier. Der Leistungserbringer jedoch vergibt ebenfalls eine Provision an den Versicherer für jeden vermittelten Kundenkontakt. Der Versicherer entscheidet dann selbst, wie er diese Provision verwendet und damit ggf. den Preis Richtung Endkunde beeinflusst“, führt onpier-Geschäftsführer Alexander Hund aus.

Weitere Use Cases und neue Partner

Im Kfz-Bereich wird es noch weitere Use Cases geben, etwa die Buchung von Auslands-Mietwagen, e-Services (Ladetarife, Wallbox, Wallbox-Beratung, E-Fahrzeugvergleich etc.), Finanzierung und Fahrzugbewertung. Man betont indes, dass onpier keine reine Kfz-Plattform sein soll. Man habe im Autogeschäft nur das größte Potenzial für den Einstieg gesehen. In den nächsten 6 bis 9 Monaten werde ein Kfz-fremder Use Case umgesetzt.

onpier ist ein eigenständiges Unternehmen, aber an der Plattform teilnehmende Versicherer können sich auch an onpier beteiligen. 2023 sind zur Plattform WGV Versicherung, Signal Iduna und die Bayerische hinzugestoßen. Man rechnet fest damit, dass weitere Versicherer hinzukommen. Laut onpier sollen in den beiden ersten Quartalen 2024 weitere Namen verkündet werden. Das Interesse der Branche nehme zu, heißt es vom Unternehmen. Man rechne mit „stetigem Wachstum“, aber genaue Umsatzzahlen will die Plattform nicht nennen. Eine Expansion außerhalb des deutschen Marktes ist nicht geplant. Onpier-Geschäftsführer Hund erklärt dazu: Die Internationalisierung, selbst innerhalb Europas, stellt eine komplexe Herausforderung dar. „Unser vorrangiges Ziel ist es, das Geschäftsmodell im Kern zunächst zu etablieren und weitere Unternehmen davon zu überzeugen, Partner von onpier zu werden – das gilt sowohl für Versicherer als auch für Leistungserbringer.“

Autor: Philipp Schäuble, Associate Partner, Co-Lead Insurance, bei der Alaika Advisory Germany GmbH

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