Uniqa hadert mit russischen Anleihen und macht trotz Krieg Umsätze in der Ukraine

Der Uniqa-Tower in Wien. Quelle: Uniqa

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine hat dem österreichischen Versicherer Uniqa im ersten Halbjahr 2022 ordentlich die Bilanz verhagelt. Unter dem Strich stand ein Gewinnrückgang um 22 Prozent auf 169 Mio. Euro. Wesentlicher Grund seien Abschreibungen von 127 Mio. Euro auf russische Anleihen. In der Ukraine selbst hat Uniqa nach wie vor über eine Million Kunden und macht weiterhin Neugeschäft.

„Wir haben an russischen Bonds alle jene Assets abgeschrieben, die wir außerhalb von Russland halten“, sagte CEO Andreas Brandstetter zur APA, „egal, ob das in Fremdwährungen ist wie Euro oder Dollar, oder in Rubel.“ Die Anschaffungskosten dieser Assets hätten 156 Mio. Euro betragen, man habe also über 80 Prozent davon abgeschrieben. In Russland ist Uniqa noch mit 75 Prozent an der Lebensversicherung Raiffeisen Life beteiligt. Das Geschäft sei laut Brandstetter sehr profitabel, aber aus Reputationsgründen erwäge man einen Verkauf. Für den Gesamtkonzern ist das verkraftbar, denn auf das Russland-Geschäft entfallen „unter zwei Prozent der Konzernprämien“.

Mit rund 1,2 Millionen Kunden ist Uniqa die Nummer Zwei am ukrainischen Versicherungsmarkt. Im Geschäftsjahr 2021 habe man dort ein Prämienvolumen von rund 100 Mio. Euro und ein EGT (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit) von rund zehn Mio. Euro erzielt. Der Versicherer schließt trotz Krieg Neuverträge ab und zahlt weiterhin Schäden aus. Ebenso wie der Konkurrent Vienna Insurance Group. In der Ukraine hat sich das VIG-Ergebnis vor Steuern auf 7,0 (3,1) Mio. Euro mehr als verdoppelt. Die Beiträge sind um 23 Prozent auf 59 Mio. Euro gestiegen – VWheute berichtete.

Alle Sparten tragen zur Prämiensteigerung bei

Die verrechneten Prämien der Uniqa Group inklusive der Sparanteile der fonds- und der indexgebundenen Lebensversicherung stiegen indes im ersten Halbjahr 2022 um 3,8 Prozent auf 3.436,0 Mio. Euro (HJ 2021: 3.310,0 Mio. Euro). Die verrechneten Prämien in der Schaden- und Unfallversicherung wuchsen in den ersten sechs Monaten des Jahres 2022 um 4,4 Prozent auf 1.960,0 Mio. Euro (HJ 2021: 1.877,4 Mio. Euro).

In der Krankenversicherung stiegen die verrechneten Prämien um 3,8 Prozent auf 638,3 Mio. Euro (HJ 2021: 615,2 Mio. Euro). In der Lebensversicherung erhöhten sich die verrechneten Prämien inklusive der Sparanteile der fonds- und der indexgebundenen Lebensversicherung in den ersten sechs Monaten des Jahres 2022 insgesamt um 2,5 Prozent auf 837,6 Mio. Euro (HJ 2021: 817,5 Mio. Euro). Das Einmalerlagsvolumen nahm im ersten Halbjahr 2022 um 22,4 Prozent auf 86,7 Mio. Euro zu (HJ 2021: 70,8 Mio. Euro). Die zuletzt gestiegenen Zinsen sind für den Versicherer gute Nachrichten. „Steigende Zinsen erhöhen natürlich die Attraktivität unserer Produkte, gerade im Bereich der Lebensversicherungen“, so Brandstetter.

Brandstetter sieht sein Unternehmen auf Kurs

„Angesichts der bereits im Juli kommunizierten Abschreibung von 127 Millionen Euro auf russische Anleihen und hoher Belastungen aus Großschäden und Naturkatastrophen ist das Ergebnis des ersten Halbjahres solide. Der Blick auf das komplexe erste Halbjahr 2022 zeigt, dass wir trotz starken Gegenwinds mit unserem Strategieprogramm ‚Uniqa 3.0 – Seeding the Future‘ weiterhin auf Kurs liegen. Primär deswegen, weil wir bereits im Jahr 2020 frühzeitig eine Reihe an strategischen Initiativen eingeleitet haben, von denen sich – angesichts der aktuellen Inflation – insbesondere die kostendämpfenden Maßnahmen bezahlt machen“, kommentiert Andreas Brandstetter. Eine Gewinnprognose für das laufende Jahr will der österreichische Versicherer weiterhin nicht abgeben. Es werden jedoch steigende Prämieneinnahmen und eine „solide Entwicklung des versicherungstechnischen Kerngeschäfts“ erwartet.

Autor: VW-Redaktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

10 − sechs =