Talanx-Chef Leue: „Das aktuelle Umfeld spricht dafür, dass 2022 kein einfaches Jahr wird“

Torsten Leue, Vorstandschef der Talanx. Quelle: Philipp von Ditfurth

Erst Corona und nun der Krieg in der Ukraine: Die Folgen des Waffengangs sind für die Versicherer noch nicht wirklich absehbar. „Die aktuelle Situation in der Ukraine stellt die größte geopolitische Krise der vergangenen Jahrzehnte dar und führt natürlich zu Unsicherheiten und stärkeren Volatilitäten. Es werden negative Folgen für die Konjunktur eintreten, was von den Finanzmärkten in den vergangenen Tagen ja schon reflektiert wurde“, konstatiert Talanx-Chef Torsten Leue.

Welche Folgen der Konflikt auf die Versicherungsbranche hat, vermochte der Versicherungsmanager gegenüber der Börsen-Zeitung allerdings nicht zu deuten. „Die Entwicklung ist leider sehr dynamisch. Wir können dazu zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen. Generell sind Risiken durch kriegerische Handlungen in den allermeisten Policen ausgeschlossen“, betont Leue. Allerdings werde die Gefahrenlage „mittelfristig insbesondere bei Cyberrisiken zunehmen, sodass die Übernahme von Versicherungsrisiken in diesen Bereichen deutlich anspruchsvoller werden könnte“.

Gleichzeitig belasten die Folgen der Corona-Pandemie und der Naturkatastrophen im Sommer 2021 die Bilanz der Talanx. Demnach sei die „operative Entwicklung der Hannover Rück, vor allem aber in der Erstversicherung besser als erwartet“ gewesen. „Nennenswerte positive Sondereffekte sind in dem Milliardengewinn nicht enthalten. Im Gegenteil: Wir hatten erheblichen Gegenwind. Zum einen wurde unser Nettogroßschadenbudget von 1,5 Mrd. Euro im vergangenen Jahr um rund 200 Mio. Euro überschritten. Naturkatastrophen wie das Unwettertief ‚Bernd‘ mit seinen immensen Flutschäden im Westen Deutschlands haben erheblich dazu beigetragen. Zum anderen hat die Corona-Pandemie uns auch 2021 belastet – vor allem im Bereich der Personen-Rückversicherung, mit einem hohen zweistelligen Millionen-Euro-Effekt auf unser Konzernergebnis allein nach den ersten neun Monaten“.

So haben „sich die Großschäden infolge Naturkatastrophen 2021 verglichen mit dem Vorjahr verdoppelt. Größter Einzelschaden war das Unwettertief ‚Bernd‘, nach den ersten neun Monaten 2021 belief sich die Schadenlast auf netto rund 320 Mio. Euro. Insgesamt war die Großschadenbelastung ohne Corona im vergangenen Jahr so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr“, konstatiert Leue.

Strategisch behält sich der Versicherungsmanager derzeit aber noch manches Ass im Ärmel: „Wir bleiben auf die bisherigen Kernmärkte in Lateinamerika und Osteuropa fokussiert. In diesen fünf Märkten wollen wir im Nicht-Leben-Bereich zu den fünf führenden Anbietern gehören und sehen hier noch großes Wachstumspotenzial. Ob wir uns in Südostasien engagieren werden, prüfen wir. Eine Antwort werden wir auch hier im Laufe des Jahres geben. Der Ausgang ist offen“.

Auch für Zukäufe ist Leue zumindest offen: „Ein mittlerer einstelliger Milliardenbetrag stünde zur Verfügung. Wir würden aber nicht alles auf eine Karte setzen. Infrage kämen eher mehrere Arrondierungstransaktionen mit einem jeweiligen Volumen in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe“.

Die Talanx hat im letzten Jahr erstmals die Gewinnmarke von einer Milliarde Euro geknackt. Im Vergleich zum Vorjahr stieg das Konzernergebnis um 50 Prozent auf 1,01 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis stieg um 46 Prozent auf 2,45 Mrd. Euro. Die gebuchten Bruttoprämieneinnahmen legten um 10,7 Prozent auf 45,5 Mrd. Euro zu. Die endgültigen Finanzkennzahlen sowie den vollständigen Konzernabschluss will die Talanx am 14. März 2022 veröffentlichen.

Autor: VW-Redaktion

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