Donnet-Gegner erhöhen Aktienanteil an Generali und fordern Strategiewechsel

Der Machtkampf um die Strategie und den Spitzenposten von Generali-Chef Philippe Donnet spitzt sich zu (Quelle: Generali)

Der Machtkampf schien im Herbst entschieden. Philippe Donnet sollte eine Vertragsverlängerung bei Generali erhalten. Seine Gegner, die Milliardäre Francesco Gaetano Caltagirone und Leonardo Del Vecchio, geben sich noch nicht geschlagen und haben ihre Anteile von zusammen 10,95 Prozent auf über 15 Prozent an Generali übers Wochenende erhöht. Auf dem Investorentag am 15. Dezember könnte es zum Showdown kommen.

Im Jahr 2018 kehrte der italienische Milliardär Leonardo Del Vecchio in seine Geburtsstadt zurück und bot an, 500 Mio. Euro in das wichtigste Krebskrankenhaus des Landes zu investieren. Doch die Mailänder Istituto Europeo di Oncologia weigerte sich, das Geld anzunehmen und löste einen Machtkampf zwischen den wichtigsten Finanzinstituten Italiens aus: Mediobanca und Generali. Del Vecchio, Gründer und Vorsitzender des weltgrößten Brillenherstellers Luxottica, empfand die Ablehnung als persönliche Kränkung und beschuldigte den größten Geldgeber des Krankenhauses, die Investmentbank Mediobanca.

Persönliche Rivalitäten und die Verflechtungen im Aktienbesitz

Dies führte zu Spannungen zwischen Del Vecchio und dem Vorstandsvorsitzenden der Bank, Alberto Nagel. Del Vecchio, ein bedeutender Investor sowohl bei Generali als auch bei Mediobanca, hat die Abhängigkeit der Mediobanca von ihrer 13-prozentigen Beteiligung an Generali infrage gestellt. Gleichzeitig befinden er und andere Generali-Aktionäre sich in einem Tauziehen mit Mediobanca über die Zukunft der Gruppe und ihres Managements unter dem Vorstandsvorsitzenden Philippe Donnet. Ein wichtiger Verbündeter in Del Vecchios Kampagne gegen das Management von Generali ist Francesco Gaetano Caltagirone, der 78-jährige Bauunternehmer, der stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Generali und auch Investor bei Mediobanca ist.

Im September unterzeichneten Caltagirone und Del Vecchio, die hinter der Mediobanca die zweit- und drittgrößten Aktionäre des Versicherers sind, einen formellen Pakt mit einem anderen kleineren Investor, um sich vor der Generali-Jahresversammlung im April nächsten Jahres über Entscheidungen zu beraten. „Dies ist kein Kampf um Macht, sondern ein Kampf um Effizienz“, sagte ein Sprecher von Caltagirone, der seinen Anteil an Generali in den letzten zwölf Jahren von ein auf acht Prozent erhöht hat. Caltagirone besitzt inzwischen auch knapp 20 Prozent an der Mediobanca und ist damit größter Investor des Instituts. Er hat seine Position benutzt, um auf Reformen der Unternehmensführung zu drängen, und hat außerdem Druck auf Nagel ausgeübt, um die Abhängigkeit der Bank von den Dividenden zu verringern, die sie von Generali, wo er der größte Aktionär ist, und von Compass Banca, einem Verbraucherkreditunternehmen, erhält.

Aktionäre erhöhen Druck, um baldige Entscheidung zu treffen

Del Vecchio und Caltagirone könnten ebenso viel Druck auf Generali ausüben. Die Milliardäre haben zusammen mit der Bankenstiftung Fondazione CRT ihre Gesamtbeteiligung an der Assicurazioni Generali SpA auf über 15 Prozent erhöht, teilte der italienische Versicherer am Samstag mit. Die Caltagirone-Gruppe hält derzeit einen Anteil von 7,558 Prozent an Generali, während die von Del Vecchio geleitete Delfin Sarl einen Anteil von 6,139 Prozent hält. Die in Turin ansässige Fondazione CRT hält einen Anteil von 1,474 Prozent an dem Unternehmen. Italienischen Medien zufolge bereiten die Aktionäre einen neuen Strategieplan vor, der wahrscheinlich einen stärkeren Schwerpunkt auf die Vermögensverwaltung legen wird.

Ob es dabei noch Platz für Generali-CEO Donnet gibt, ist mehr als fraglich. Sein aktuelles Mandat soll im kommenden Jahr auslaufen. Der aktuelle Generali-Chef fährt einen Kurs aus Kostensenkungen, Fokus auf lukrativen Produkten und margenstarken Versicherungen sowie strikter Digitalisierung. Den Kritikern ist Donnets Kurs indes zu vorsichtig. Sie sollen von einem ganz großen Deal Generalis träumen, an dem sie kräftig mitverdienen wollen – einem Deal womöglich, wie ihn Del Vecchio einfädelte, als er seinen Luxottica-Konzern mit der französischen Essilor zusammenführte.

Im September 2021 hat Donnet seine Bereitschaft zu einer Vertragsverlängerung erklärt, teilte Generali nach einem Treffen des Verwaltungsrats mit. Die Mehrheit habe sich dafür ausgesprochen, ihn bei einem Umbau des Gremiums wieder als Konzernchef zu nominieren. Solange aber noch nichts unterschrieben ist, kursieren die Gerüchte über die Nachfolger weiter: Carlo Cimbri von der Versicherungsgruppe Unipol, der Ex-Monte-dei-Paschi-Chef Marco Morelli, der Post-CEO Matteo Del Fante, der Allianz-Manager mit Generali-Vergangenheit Sergio Balbinot und der Generali-Deutschland-Chef Giovanni Liverani. Auf dem Investorentag am 15. Dezember wird die Personaldebatte daher die neuen Ansätze in der Unternehmensstrategie überschatten.

Autor: VW-Redaktion

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