Branche am Limit: 24 Lebensversicherer können Garantieverpflichtungen nicht erfüllen, 40 unter Druck

Free-Photos auf Pixabay

Die Garantieanforderungen der 82 deutschen Lebensversicherer sind um rund zwölf Prozent gestiegen. Bei 24 Unternehmen reichen die erwirtschafteten Erträge aus der Kapitalanlage aber nicht aus, um die Garantieverpflichtungen zu erfüllen und die gesetzlich vorgeschriebene Reserve zu bedienen, heißt es in einer aktuellen Analyse von Policen Direkt.

Zum Vergleich: 2018 betraf dies noch 30 Lebensversicherer. “Auf den ersten Blick ist das eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr und damit eine gute Nachricht. Die Spielräume sind allerdings unverändert eng geblieben”, konstatiert Henning Kühl, Chefaktuar von Policen Direkt und Versicherungsmathematiker (DAV).

Zudem ergebe sich aus der Einzelbetrachtung, dass es sich nicht immer um die gleichen Unternehmen handele, bei denen die Finanzstärke unter 100 Prozent liegt. Diese müssen dann dafür Erträge aus Risiko und Verwaltung in die Rechnung einbeziehen müssen, heißt es weiter.

“Beim Blick auf die einzelnen Unternehmen zeigt sich, dass fast die Hälfte der Unternehmen auf Sicht fährt. Sie erfüllen die Anforderungen nur äußerst knapp.”

Henning Kühl, Chefaktuar von Policen Direkt und Versicherungsmathematiker (DAV)

Ein weiteres Ergebnis der Analyse: Wie auch im Vorjahr schafft es ein Versicherer auch mit Verwaltungs- und Risikogewinnen nicht, die Anforderungen zu erfüllen. Die Gesamt-Ertragsstärke liegt in diesem Fall unter 100 Prozent als Indiz dafür, dass das betroffene Unternehmen noch deutlicher als andere von der Substanz zehrt.

Zudem würden weitere Indizien dafür sprechen, dass stabilisierende Maßnahmen in der Branche weiterhin auf der Tagesordnung stehen. So beobachtet Kühl vor allem eine Konsolidierung auf Produktebene sowie auch einzelne Unternehmenszusammenschlüsse. Traditionelle Garantien kaum mehr eine Rolle spielen – die klassische Brutto-Beitragsgarantie fällt auf breiter Front.

Erst vor wenigen Tagen hatte Guido Bader, Vorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), betont, dass bei Neuverträgen die klassischen Policen mit jährlicher Garantie bis Ende nächsten Jahres zum Nischenprodukt werden. “Wer sie trotzdem mit einem Garantiezins von 0,9 Prozent anbietet, muss der Bafin dafür wahrscheinlich eine ziemlich gute Begründung vorlegen”, sagte der Aktuar gegenüber dem Handelsblatt.

Zudem rechnet Bader damit, dass weitere Anbieter dem Beispiel der Allianz folgen werden und künftig auf hundertprozentige Garantien verzichten werden.

Autor: VW-Redaktion

Ein Kommentar

  • Natürlich macht es Sinn, Garantien zu Gunsten künftiger Ertragschancen zu reduzieren, aber Leistungsfähigkeit in klassischer Kapitalanlage wird immer wichtig bleiben auch bei Teilgarantien! Diese recht beliebig steuerbare HGB-Deckung von Rechnungszins und ZZR ist als Maßstab ziemlich ungeeignet solange üppige Bewertungs-Reserven bestehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

4 × 1 =