Willis-Towers-Watson-Manager Engels im Interview: „Grundsätzlich sind M&A-Versicherungsprodukte nicht neu“

Robert Engels. Quelle: Willis Towers Watson

Die Corona-Pandemie hat sich spürbar auf Transaktionsaktivitäten in Europa ausgesetzt. Laut „European M&A Outlook“ ist die Zahl der europäischen Deals im ersten Halbjahr 2020 um 31 Prozent auf 2.800 Transaktionen zurückgegangen. Was dies für die sogenannten „Distressed Deals“ bedeutet, erläutert Robert Engels, Leiter M&A im Bereich Corporate Risk and Broking bei Willis Towers Watson für Deutschland und Österreich, im Exklusiv-Interview mit VWheute.

VWheute: Ist die M&A Insurance für Distressed Deals hierzulande im Kommen, wie verbreitet ist sie in anderen Ländern?

Robert Engels: Distressed Deals sind ein viel diskutiertes und durch Marktteilnehmer intensiv propagiertes Thema. Positiv ist, dass der Versicherungsmarkt Lösungen (Warranty & Indemnity Versicherung, sogenannter Synthetischer Deckungen oder Contingent Risk Versicherung) für solche (Distressed) Situationen vorhält.

Tatsächlich kamen aber bislang nur sehr wenige Deals auf den Tisch, die wirklich als „distressed“ zu bezeichnen wären – nicht nur hierzulande, sondern auch in den USA, Europa, Asien bis hin nach Australien.

Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Anfragen ab Anfang kommenden Jahres deutlich steigen könnte, wenn staatliche Hilfspakete bezgl. Schutzmechanismen wie z.B. das Aussetzen der Insolvenzantragspflicht auslaufen.

In einigen Regionen sehen wir eine etwas erhöhte Nachfrage nach Steuerpolicen und sogenannten Contingent-Deckungen (M&A Versicherungslösungen für bekannte und identifizierte Risiken), um Rückstellung aus der Bilanz herauszulösen und so den Cashflow zu erhöhen.

VWheute: Wird sie Einfluss auf den M&A-Markt haben?

Robert Engels: M&A-Versicherungen haben den M&A-Markt schon verändert. Sie sind schon lange – nicht nur für Distressed Deals – ein Tool, mit dem Risiken aus einer Transaktion genommen und dadurch Mehrwert auf beiden Seiten der Transaktion (Verkäufer und Käufer) geschaffen werden kann. Gelegentlich sind sie sogar das Mittel, um einen Deal überhaupt über die Linie zu bringen.

Aber dass konkret die Versicherungen für Distressed Deals einen Einfluss auf den M&A-Markt haben werden, sehe ich eher nicht.

VWheute: Corona hat viele Unternehmen in Schieflage gebracht, ist die Distressed M&A-Absicherung eine Reaktion darauf?

Robert Engels: Grundsätzlich sind M&A-Versicherungsprodukte nicht neu. Auch vor Corona war es schon möglich, Distressed Transaktionen zu versichern. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie haben zu viel intensiveren Diskussionen darüber geführt, wie man Distressed Transaktionen (die künftig wohl häufiger vorkommen werden) versicherungstechnisch optimal bedienen kann. Denn um eine Versicherungslösung in einer solchen Situation zu platzieren zu können, müssen einige Anforderungen (an Due Diligence, Disclosure Prozess etc.) erfüllt sein, um die Deckung auf Versichererseite anbieten zu können.

Insofern waren die Lösungen nicht eine Reaktion auf Corona bzw. dadurch in Schieflage geratenen Unternehmen, sondern die intensive und beschleunigte thematische Auseinandersetzung mit den Besonderheiten solcher Situationen. Da die Stolperfallen und Schlüsselfaktoren nun thematisiert sind, sollten sie sich bei konkreten Transaktionen schneller adressieren lassen.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.

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