Weltgrößtes Fintech und Versicherungsarm von Alibaba geht an die Börse

Ideenschmiede in Hangzhou: Der Internetriese Alibaba will mit seiner Insurance-Tochter Ant Financial Service Group die Versicherungsindustrie ins digitale Zeitalter führen (Quelle: hy)

Chinas Fortschritte bei der digitalen Versicherungswelt sind untrennbar verbunden mit den Innovationen durch Fintechs. Aus dieser Szene ragt insbesondere die zum Internet-Giganten Alibaba gehörende Ant Financial Service Group heraus. Mit Alipay betreibt sie den dominierenden Bezahldienst in China und bietet über ihre Apps auch Kredite, Versicherungen und Vermögensmanagement-Dienste an. Nun wagt Ant den Sprung an die Börse.

Der Betreiber des Online-Bezahldienstes Alipay strebe eine Bewertung von mehr als 200 Mrd. Dollar an, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Bei einem Börsengang könnten fünf bis zehn Prozent der Anteile verkauft werden, die Emission damit also über 20 Mrd. Dollar schwer werden. Die Ant Financial Group hingegen dementiert alle Nachrichten zu einem möglichen Börsengang.

Ant erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von umgerechnet 17 Mrd. Dollar und einen Nettogewinn von etwa 2,4 Mrd. Dollar. Das geht aus Unterlagen hervor, die Reuters einsehen konnte. Auch diese Zahlen seien laut Ant inkorrekt. Feststeht jedoch, dass die Alibaba-Tochter das am höchsten bewertete Finanztech-Unternehmen der Welt. Ant war 2014 von Alibaba abgespalten worden, bevor der Online-Händler an die Börse ging. Der Amazon-Rivale hält 33 Prozent an Ant Financial. Die wörtliche Übersetzung, „Ameisen-Finanzen“, beschreibt das Geschäftsmodell, das darauf abzielt, die Stärke eines Kollektivs zu betonen. Auch wenn die Versicherungsprämien klein sind, zusammengerechnet in der Masse bringen sie viel Geld. Vor allem, wenn man alles über seine Kunden weiß.

Alles unter einem Dach

Das Fintech wusste früh, wie man aus Daten Geld macht. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz und immensen Datenbeständen kann Ant z.B. effizient Zielgruppen identifizieren. 2017 bot sie Versicherern an, Risikoprofile von Autofahrern zu erstellen. Damit konnte man Prämien und Risikozuschlag wesentlich genauer kalkulieren. 2018 gründete Alibaba über Ant Financial einen eigenen Online-Krankenversicherer (Xiang Hu Bao) auf den chinesischen Markt. 2019 hat Ant Financial eine neuartige Dread Disease Versicherung eingeführt. Diese verlangt keine Beitragsvorauszahlung, sondern legt alle zwei Wochen die gesamten Leistungskosten auf jeden Kunden um. Jeder, der unter 60 Jahre alt ist und bei Zhima Credit, einem Bonitätsprüfungsdienst ebenfalls von Alibaba, mindestens 650 Punkte erreicht, kann die Versicherung abschließen. Berichten zufolge haben innerhalb von neun Tagen nach der Einführung ca. 10 Mio. Personen Verträge abgeschlossen. Hinzukommt, dass über die Handelsplattform Alibaba weitere Versicherungen wie etwa gegen Warentransportschäden oder Warenrückgabe angeboten werden. Bezahlt wird mit Alipay, was zu Ant gehört. Alipay ist auch direkt mit der E-Commerce Plattform Taobau verbunden, die ebenfalls zu Alibaba gehört.

Doch auch andere chinesische Tech-Unternehmen gehen diesen Weg. Tencent, der Anbieter von Wechat, hat ebenfalls eine private Krankenversicherung auf den Markt gebracht. Jing­dong, einer der größten Internethändler, bietet auf seiner Plattform neben der Vermittlung von Policen auch eine Sachversicherung an.

Laut Reuters ist der Börsengang von Ant Financial noch in diesem Jahr geplant. Bereits erfolgreich mit ihren Papieren war die Konkurrenz aus den USA. Das Vergleichsportal Selectquote ging im Mai an die Börse. Nach dem Ausgabepreis von 20 US-Dollar schnellte der Kurs um 40 Prozent in die Höhe. Ähnlich verlief es bei Insurtech Lemonade. Nach einem Ausgabepreis von 29 Dollar, gingen die Papiere bei 69,41 Dollar aus dem Handel – ein Plus von 140 Prozent.

Autor: David Gorr und Heng Yan

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