Generali-CEO Donnet macht sich für Pandemie-Fonds stark

Generali, Head Office in Triest. Quelle: Generali

Kommt bald ein privat-staatlichen Pandemieschutz auf europäischer Ebene? Für Generali-Chef Philippe Donnet scheint dies ein durchaus denkbares Szenario zu sein. Demnach sei ein solcher Fonds „ein starkes politisches Signal für den Willen der Europäischen Union, ihre Bürger in Krisenzeiten zu unterstützen“, betonte der Versicherungsmanager in einer Audiokonferenz mit Valdis Dombrovskis, Vizepräsident der EU-Kommission.

Dabei könnten die Versicherer laut Donnet eine wichtige Rolle spielen, da sie ihre Fähigkeiten im Bereich Prävention und Resilienz vermitteln und dazu bereit sind Investitionen in den wirtschaftlichen Aufschwung sowie in den Energie-, Technologie- und digitalen Wandel, der für die Union höchste Priorität habe.

Bereits im März 2020 hatte die Generali einen 100 Mio. Euro schweren Fonds aufgelegt. 30 Mio. Euro sollen Italien vorbehalten werden, der Rest ist für andere vom Virus betroffene Länder gerichtet. „Wir wollen ein globaler Leader sein, der sowohl die gesundheitliche als auch die ökonomische Krise anpackt“, sagte Donnet. Daraus sollen unter anderem Maßnahmen für Klein- und Mittelunternehmen sowie Familien finanziert werden.

Bereits vor einigen Wochen hatten Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte und Axa-CEO Thomas Buberl die Idee eines staatlich-privaten Versicherungssystems gegen Großgefahren wie Corona ins Spiel gebracht. Letzterer will ein staatlich-privates Versicherungssystem gegen Großgefahren aufbauen und ist dabei hierzulande auf gemischte Reaktionen gestoßen. Der Axa-Chef hat ein System von privater und staatlicher Hand gegen „’sanitäre Katastrophen‘ wie Corona im Kopf, an der Staat und Privatwirtschaft jeweils die Hälfte halten“.

Auch Allianz-Chef Bäte präferiert eine solche Lösung, „weil die Versicherungsbranche solche Systemausfälle nicht beherrschen kann„. Das entspricht im Wesentlichen die Aussage Buberls. „Wir sollten in Europa eine gemeinsame Lösung finden, weil wir eine Gefahrengemeinschaft sind. Ich wäre dafür, auf europäischer Ebene einen Fonds einzurichten, in den die Versicherungsbranche einzahlt und den man in Krisensituationen anzapfen kann – und zwar nicht nur für Pandemien, sondern auch für schwere Naturkatastrophen. Der Klimawandel wird so gravierende Folgen haben, dass es gut wäre, sich dafür ein Polster zuzulegen“, lautet sein Vorschlag.

„Corona hat gezeigt, dass vielen Unternehmen in einer Pandemie ohne schnelle finanzielle Unterstützung die Insolvenz droht. Rein privatwirtschaftlich sind derart flächendeckende finanzielle Schäden nicht versicherbar.“

Jörg Asmussen, Mitglied der GDV-Geschäftsführung

Der Branchenverband GDV plädiert ebenfalls für einen pri­vat-staat­li­chen Schutz­schirm. Dieser beziehe neben den Versicherern auch den Kapitalmarkt mit ein und würde in der letzten Eskalationsstufe zusätzlich auf staatliche Hilfen zurückgreifen, heißt es in einem Diskussionspapier.

Im Kern schlägt der GDV eine rechtlich eigenständige Einrichtung mit einem Kapitalstock in Milliardenhöhe vor. Die Beiträge werden durch Leistungen von Erst- und Rückversicherern sowie Kapitalmarktinstrumente wie beispielsweise Katastrophenanleihen ergänzt, die im Pandemiefall abrufbar wären. Damit könnten zumindest die in einer frühen Pandemiephase auftretenden Schäden gedeckt werden. „Erst wenn der Kapitalstock aufgebraucht ist, würden zusätzliche staatliche Mittel abgerufen“, betont Jörg Asmus­sen, Mit­glied der Geschäfts­füh­rung.

Dass Versicherer eine Pandemieversicherung alleine stemmen könnten, hält R+V-Vorstandschef Norbert Rollinger für unmöglich. „Klar ist nur: Wir reden von Hunderten Milliarden Euro, einem nennenswerten Teil unseres Bruttoinlandsproduktes. Zum Vergleich: Die gesamte Versicherungsbranche nimmt jedes Jahr mittels Prämien rund 200 Milliarden Euro ein – und zwar für alle Versicherungen, die sie anbietet. Die Schäden, mit denen wir rechnen müssen, stellen also ein Vielfaches dieser Summe dar. Das können die Versicherer nicht alleine lösen. Die Prämien für die Kunden wären sonst unbezahlbar hoch oder die Branche würde bei der nächsten Pandemie selbst untergehen“, betonte er gegenüber T-Online vor einigen Wochen.

Autor: VW-Redaktion

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