Allianz-Chef Bäte vergleicht Corona-Virus „mit der Explosion eines Atomkraftwerks“

Oliver Bäte. Quelle: Allianz

Die Folgen der Corona-Pandemie dürften auch am Geschäftsmodell der Versicherer nicht spurlos vorübergehen. „Wir haben es mit einer gewaltigen Pandemie zu tun und, bedingt dadurch, mit einem Systemausfall. Das ist vergleichbar mit Katastrophen wie Erdbeben oder der Explosion eines Atomkraftwerks“, konstatiert Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte und hat klare Forderungen an die Politik.

„Für solche Situationen gibt es in vielen Ländern eine Kooperation zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft, weil die Versicherungsbranche solche Systemausfälle nicht beherrschen kann“, betont der Versicherungsmanager gegenüber dem Spiegel. So habe die Branche „nicht genug Eigenkapital, um die Verluste, die entstehen, tragen zu können. Wenn statt sieben bis acht Prozent der Autos 90 Prozent im Jahr einen Unfall hätten, dann wären die Versicherungsprämien in der Autoversicherung unbezahlbar. Wir versichern Zufälle in einem begrenzten Rahmen.“

Zudem sei die Betriebsschließung „kein Zufallsereignis, das hat die Politik beschlossen. So etwas kann kein Unternehmen versichern, weil man das Risiko nicht berechnen kann. Wir dürfen das Baby nicht mit dem Bad auszuschütten. Wenn ein Unternehmen wie die Allianz in Schieflage gerät, weil sie alle Schäden bezahlt, die gar nicht versichert sind, dann ist niemandem geholfen“, erläutert Bäte.

Dennoch werde die Allianz die Forderungen aus den vorhandenen Pandemiepolicen übernehmen: „Wenn wir Pandemiedeckung angeboten haben, werden wir die bezahlen. Pacta sunt servanda. Und wenn es unklar ist, ein neutraler Dritter aber sagt, es ist versichert, dann werden wir natürlich zahlen“. Die Forderung einiger US-Bundesstaaten, Versicherer infolge von Corona zu zwingen, Schäden aus Betriebsunterbrechungen auszuzahlen, lehnt er jedoch ab.

„Wir würden uns mit allen Mitteln dagegen wehren. Es ist nicht in Ordnung, wenn Versicherungskunden im Kollektiv für Schäden von Firmen aufkommen sollen, die keinen Versicherungsschutz bezahlt haben. Wenn ein solches Vorgehen nicht verhindert wird, werden einige Versicherer pleitegehen, und dann wird es in Zukunft erst recht keine Kapazitäten für die Deckung solcher Risiken geben, weil kein privates Kapital mehr da reinfließt“, erläutert Bäte.

Gleichzeitig fordert der Allianz-CEO eine europäische Lösung zum Schutz gegen Pandemien. „Wir sollten in Europa eine gemeinsame Lösung finden, weil wir eine Gefahrengemeinschaft sind. Ich wäre dafür, auf europäischer Ebene einen Fonds einzurichten, in den die Versicherungsbranche einzahlt und den man in Krisensituationen anzapfen kann – und zwar nicht nur für Pandemien, sondern auch für schwere Naturkatastrophen. Der Klimawandel wird so gravierende Folgen haben, dass es gut wäre, sich dafür ein Polster zuzulegen“, lautet sein Vorschlag.

Darin sollten seiner Ansicht nach auch öffentliche Mittel fließen: „In einem Extremszenario wie einer Pandemie wird das private Kapital nie ausreichen, da brauchen wir immer eine Partnerschaft zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft“. Die Forderung nach Corona-Bonds lehnt Bäte indes ab: „Wenn dahinter eine Vergemeinschaftung der Schulden steckt, ohne dass die jemals zurückgezahlt werden, dann ist das keine gute Idee. Aber wir brauchen sie auch nicht. Die Eurokrise hat gezeigt, dass gut strukturierte Hilfsprogramme wie in Portugal, Irland und anderswo hervorragend funktionieren.“

Autor: VW-Redaktion

Ein Kommentar

  • Wilms Torsten Christian

    Guten Morgen, sehr geehrter Herr Bäte!

    Mit grossem Interesse habe ich heute ihre Berichterstattung gelesen! Als Mitarbeiter des Konzerns seit fast 40 Jahren, habe ich natürlich so einiges an Entwicklungen mitbekommen.
    Entscheidend für uns Alle ist doch ein zuverlässiger Partner zu sein u. so einen auch an seiner Seite zu wissen!
    Als GS-Sprecher der VVA Hamburg hoffe ich für meine geschätzten Kolleginnen u. Kollegen, dass sich uns Allen gegenüber nun auch die „Mutter Allianz“ unter Beweis stellt.

    In diesem Sinne wünsche ich uns gemeinsamen Erfolg u. vor Allem Bleiben Sie gesund!

    Ihr Torsten Wilms

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