Euler Hermes warnt vor größter Pleitewelle seit Kriegsende

Das Coronavirus legt die Wirtschaft lahm, wer kommt für die Schäden auf? Bild von Benedikt Geyer auf Pixabay

Die Corona-Pandemie könnte nach Berechnungen des Kreditversicherers Euler Hermes viele Unternehmen in die Insolvenz treiben. So rechnet die Allianz-Tochter für die Weltwirtschaft für 2020 mit der bislang größten Rezession (minus 3,3 Prozent) seit dem Zweiten Weltkrieg.

Dies entspreche Verlusten beim globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) von neun Billionen US-Dollar. So rechnet Euler Hermes mit einem Anstieg der weltweiten Insolvenzen um 20 Prozent, in den USA um 25 Prozent, Europa um 19 Prozent sowie in China mit einem Plus von 19 Prozent.

Für Deutschland rechnet der Kreditversicherer in diesem Jahr mit einem Anstieg der Firmenpleiten um mindestens zehn Prozent, ohne staatliche Maßnahmen noch wesentlich höher. Allein bei der Deutschen Bahn droht wegen der Corona-Krise ein milliardenschweres Defizit von bis zu zehn Mrd. Euro. Daher verhandelt der Vorstand derzeit mit dem Bund über Finanzhilfen.

Beim Welthandel drohen laut Kreditversicherer Verluste von 3,5 Billionen US-Dollar. Das bedeutet ein Minus beim Volumen der gehandelten Waren und Dienstleistungen von 15 Prozent, beim Wert der Waren ist der Rückschlag mit einem Minus von 20 Prozent sogar noch schwerer.

Ein schwarzer Schwan wie aus dem Lehrbuch

Zu Wochenbeginn gab die kolumbianische Fluggesellschaft Avianca die Insolvenz bekannt. Wegen der Reisebeschränkungen in der grassierenden Corona-Pandemie musste Avianca Mitte März seinen regulären Betrieb weitgehend einstellen. Die Einnahmen seien daraufhin um mehr als 80 Prozent gesunken, hieß es in der Mitteilung der Fluglinie. „Die Auswirkungen der Pandemie stellen uns vor die größte Herausforderung in der 100-jährigen Geschichte unseres Unternehmens“, sagte der Vorstandsvorsitzende Anko van der Werff.

„2020 versprach ursprünglich eigentlich ein eher ruhiges Jahr zu werden. Zwar mit einigen geopolitischen Unsicherheiten, einem weiterhin schwelenden Handelskonflikt – aber auch mit einem zarten Wachstum bei Welthandel und Weltwirtschaft. Ein Jahr des ‚Durchmogelns‘. Eigentlich“, konstatiert Ludovic Subran, Chefvolkswirt von Allianz und Euler Hermes.

„Doch dann kam Corona. Ein schwarzer Schwan wie aus dem Lehrbuch – und plötzlich war alles anders: Eine Hiobsbotschaft jagt die nächste, von Exportkrise, über ein Beben an den Finanzmärkten, Ölpreisschock bis hin zu einem praktisch weltweiten Konsumschock. 2020 bricht die Weltwirtschaft nach unseren aktuellen Prognosen voraussichtlich doppelt so stark ein wie in der Finanzkrise. Die Verluste sind so hoch wie die Wirtschaftskraft (BIP) von Deutschland und Japan zusammen. Das hinterlässt Spuren wie bei einem Meteoriteneinschlag, die nicht von heute auf morgen wieder verschwinden“, ergänzt der Ökonom.

Bereits im Januar rechnete Euler Hermes durch die Konjunkturschwäche allein in Deutschland mit einem Anstieg der Firmenpleiten um drei Prozent auf knapp 20.000 (2019 erwartet: 19.370) Insolvenzen. Besonders beunruhigt zeigen sich die Ökonomen der Allianz-Tochter auch die Entwicklung bei den Großinsolvenzen bei Unternehmen mit einem Umsatz oberhalb der 50-Millionen-Euro-Grenze.

Dominoeffekt sehr groß

In den ersten neun Monaten 2019 sind diese nach Angaben des Kreditversicherers weltweit zwar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (248) nur um einen Fall auf 249 gestiegen. Allerdings seien die Umsätze der insolventen Großunternehmen auf über 145 Mrd. Euro geklettert (VJ: 106 Mrd. Euro). Damit liegen diese mehr als 39 Mrd. Euro und rund 38 Prozent höher als noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

„Der Dominoeffekt bei Großinsolvenzen auf die Lieferkette ist meist sehr groß. Je höher die Umsätze der Pleitekandidaten, desto größer die Schäden bei den einzelnen Lieferanten. Deshalb sollte man sich von großen Namen nicht täuschen lassen“, konstatierte Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes macht sich Corona bislang noch nicht bei den Unternehmensinsolvenzen in Deutschland bemerkbar. So nahm die Zahl der eröffneten Regelinsolvenzverfahren im März 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,6 Prozent zu.

Im April sei die Zahl der eröffneten Verfahren dagegen deutlich um 13,4 Prozent gesunken, teilte die Wiesbadener Behörde am Montag mit. „Die durch die Corona-Pandemie und die Maßnahmen zu deren Eindämmung verursachte wirtschaftliche Krise spiegelt sich im März und April somit nicht in einem Anstieg der eröffneten Insolvenzverfahren wider“, erklären die Statistiker.

Daten des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zufolge meldeten im März und April 1936 Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland Insolvenz an. „Zum einen verfügen viele Unternehmen über Reserven und melden nicht sofort bei Ausbruch einer Krise Insolvenz an. Zum anderen dürften staatliche Maßnahmen geholfen haben, eine Pleitewelle zumindest aufzuschieben“, hatte IWH-Experte Steffen Müller bereits in der vergangenen Woche mitgeteilt.

Autor: VW-Redaktion

Ein Kommentar

  • Wir hatten schon in den 80ziger und 90 ziger Jahren wesentlich höhrere Insolvenzzahlen!

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