IKEA-Markteintritt: Beleg für die „Übergangsphase hin zu einer Ökosystemwirtschaft“

Quelle: Bild von mastrminda auf Pixabay

Im Februar gab das schwedische Möbelhaus IKEA bekannt, mit der Hausratversicherung Hemsäker ins Versicherungsgeschäft einsteigen zu wollen. Auch wenn das Angebot zunächst nur in der Schweiz und Singapur gilt: „Was die Versicherungsbranche aktuell zusätzlich beunruhigen dürfte, ist der Zugang, den IKEA zu potenziellen Versicherungskunden hat, da die Kundenstruktur eher aus einer jüngeren Klientel besteht“, konstatiert René Schoenauer, Director Product Marketing EMEA bei Guidewire.

Im Unterschied zu klassischen Versicherungsanbietern im Bereich Haftpflicht und Hausrat bestehen auch regelmäßige Kontaktpunkte zu den Kunden. Einmal im Jahr landet der Katalog des Möbelhauses im Briefkasten, viele Kunden sind IKEA-Clubmitglieder oder haben den Newsletter abonniert. Hinzu kommen dann noch Besuche in den Niederlassungen, die quasi das Leben der Menschen sichtbar beeinflussen“, konstatiert Schoenauer in einer Markteinschätzung.

„Der neue Player im Markt hat damit genau das, was den klassischen Versicherern – die nur im Falle des Versicherungsabschlusses und dann wieder im Schadenfall sichtbar werden – fehlt: eine positive und kontinuierliche Kundenkommunikation und eine umfassende Datenbasis zu Kaufverhalten und -präferenzen. Damit ist IKEA viel näher dran an potenziellen Versicherungsnehmern – genau wie zum Beispiel Amazon, das im letzten Jahr sein Engagement im Bereich Versicherungen auf dem britischen Markt ankündigte“, ergänzt der Experte.

Zudem sei der Markteintritt des schwedischen Möbelgiganten „ein weiterer Beleg dafür, dass wir uns in einer Übergangsphase hin zu einer Ökosystemwirtschaft befinden, in der Dienstleistungen gebündelt und miteinander verschmolzen werden. Der Vorteil für den Verbraucher liegt auf der Hand: es ist bequem und einfach.

„Für klassische Versicherer stellt dieser Übergang eine echte Herausforderung dar. Die direkte Verbindung zwischen Versicherern und Versicherungsnehmern und somit die Existenz des klassischen Versicherungsmodells, wie wir es heute kennen, wird mit diesem Ansatz grundsätzlich infrage gestellt. Die relativ passive und begrenzte Art der Beziehung, die die Versicherer aktuell zu ihren Kunden haben, macht sie für Versicherungsnehmer quasi unsichtbar“.

Außerdem würden viele Menschen mit Versicherungen negative Ereignisse beziehungsweise komplizierte Verfahren assoziieren. „Um den Fortbestand ihrer Position in der Branche zu sichern, werden Versicherer gezwungen sein, proaktiver auf die Versicherungsnehmer zuzugehen und Vorteile über den einen Versicherungsschutz hinaus anzubieten, indem sie die Beziehungen zu ihren Kunden anregen und ausbauen“, betont Schoenauer.

Autor: VW-Redaktion

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