Digitales Geschäftsmodell kommt der DFV jetzt zugute

Stefan Knoll, CEO der DFV. Quelle: DFV

Trotz Corona-Krise will die vornehmlich in der Krankenzusatzversicherung tätige DFV Deutsche Familienversicherung AG 2020 ihren dynamischen Wachstumskurs fortsetzen und mit rund 100.000 Neuverträge den Bestand um 30 Prozent ausbauen. Beim Vertrieb spüre man bisher keine Eintrübung, denn man sei „die einzige Versicherungsgesellschaft, die technisch in der Lage ist, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mobil und damit von zu Hause arbeiten zu lassen“, sagte Stefan M. Knoll, Gründer und Vorstandschef, am Donnerstag in der Telefonkonferenz.

„Im Online-Vertrieb sind wir allen überlegen. Wir brauchen keine Hausbesuche. Wir stecken niemanden an. Wir machen Vertrieb über Home-Office. Und wir bieten Versicherungsprodukte an, die man einfach versteht“, so Knoll. Zwischen 70 und 80 Prozent des Vertriebes kommen seinen Ausführungen nach über Google, Bing, DRTV oder Direkt digital. Jeweils zwischen zehn und 15 Prozent des Neugeschäfts schreibt die DFV über Kooperationspartner und Makler. „Die DFV ist on track“, so Knoll. Bereits zum 17. März sei über 25 Prozent des für 2020 geplanten Neugeschäfts eingefahren worden.

Auswirkungen der Corona-Krise spürt die DFV aktuell vor allem bei der Kapitalanlage. Durch die Talfahrt der Märkte habe man circa zehn Millionen gegenüber dem Jahresultimo 2019 verloren. Das sei ein Minus von etwa zehn Prozent und im Hinblick auf das, was sich da aktuell geschehe, „noch ganz brauchbar“, so Knoll. Aufgrund der Erfahrungen der letzten Krise – der Finanzmarktkrise – habe man Cash-Positionen aufgebaut. Das heißt insbesondere spanische und italienische Staatsanleihen verkauft. Unternehmensanleihen wolle man mit Blick auf Zinszahlungen durchhalten. Auf der Schadenseite erwartet Knoll allenfalls bei den stationären Zusatztarifen mit einer leichten Erhöhung.

Den Umgang mit dem Virus kritisiert Knoll. Es wäre besser, die Risikogruppe vor Ansteckung zu bewahren, meint er. Mit dem jetzt durchgeführten Vorgehen riskiere man, „eine ganze Volkswirtschaft zu ruinieren“. Die DFV-Mitarbeiter arbeiteten alle von zu Hause aus mobil. Ein Absinken der Produktivität sei nicht zu erkennen, so Knoll. Mit diesen Erfahrungen könnte es nach der Krise unternehmensweit zu einem Umdenken bei der Organisation von Arbeit kommen.

Dank Digitalisierung kann die DFV einige Leistungsarten inzwischen zu rund 80 Prozent dunkel verarbeiten. Rund 98 Prozent der Neukunden nutzten aktiv das eigene Kundenportal. Knoll berichtete weiter, dass man im Rahmen der Digitalisierungsstrategie outsourcen und die Infrastruktur auf einer dedizierten Infrastruktur einer Telekomtochter betreiben lassen werde.

Das schnelle Wachstumstempo hat für die DFV allerdings auch ihren Preis. Zwar fiel der Verlust nach Steuern 2019 mit 2,1 (- 3,4) Mio. Euro kleiner aus als erwartet, aber auch das Ergebnis des aktuellen Geschäftsjahres wird voraussichtlich nicht positiv. Hohe Wachstumsinvestitionen für den weiteren Ausbau des Vertragsbestands um jeweils 100.000 Neukunden 2020 und 2021, Ausgaben für die zunehmende Digitalisierung und den Auf- und Ausbau neuer Vertriebswege und der Organisation ließen mit einem Verlust vor Steuern (EBIT) zwischen neun und elf Mio. Euro erwarten.

Quelle: DFV

Hier wirkten sich auch die Vorbereitungen für die tarifvertraglich geregelte Pflege-Branchenlösung ‚Careflex‘ auswirken, die ab Mitte 2021 umgesetzt werde. Bekanntlich wird die DFV zusammen mit der R+V und der Barmenia die erste bundesweit branchenweite, arbeitgeberfinanzierte tarifliche Pflegezusatzversicherung für die Tarifbeschäftigten der Chemie- und Pharmaindustrie anbieten.

Autorin: Monika Lier

Ein Kommentar

  • In der jetzigen Zeit sollte man mit Demut auftreten. Damit zu prahlen, man sei die einzige Versicherungsgesellschaft die von zu Hause aus agieren kann. Homeoffice ist in Corona-Zeiten ist Standard, und die DFV ist nicht der Vorreiter, auf dem die ganze Welt schaut.

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