BMW-Experte über Transformation: „Vielen fällt es sehr schwer, aus den alten Mustern auszusteigen“

Wosilat Fotografie

Der digitale Wandel wirkt sich massiv auf die Versicherer und die deutschen Unternehmen aus. Viele Unternehmen tun sich hingegen schwer. Die Versicherungswirtschaft hat exklusiv mit Reza Razavi, Experte Kultur and Transformation bei der BMW Gruppe, über die Kunst der Transformation gesprochen.

Sie bezeichnen sich als Change- und Transformationsberater, das entstammt wohl keinem klassischen Ausbildungsberuf. Was steckt dahinter?

Die Aufgabenstellung ist wohl auf meine intrinsische Motivation zurückzuführen. Ich könnte mich auch als Culture Revolutionary Officer oder als Culture Transformation Ambassador bezeichnen – mir geht es nicht um einen bestimmten Titel, sondern darum, Musterbrüche zu erzeugen. Letztendlich will ich vor allem auch kein Besserwisser sein, sondern ein Botschafter.

Dabei herrschen in den hiesigen Unternehmen noch alte preußische Strukturen und viele Firmenchefs verhalten sich wie im Liegestuhl auf der Titanic?

Vielen fällt es sehr schwer, aus den alten Mustern, die bisher für Erfolg gesorgt haben, auszusteigen. Speziell in Europa neigen wir zu der Strategie „never change a running system“. Dabei könnten wird doch auf unterschiedliche Weise erfolgreich sein – und endlich einmal darüber nachdenken, wie uns das auf menschliche, zukunftsfähige und nachhaltige Art gelingen kann.

Inmitten der digitalen Revolution arbeiten viele Unternehmen noch mit den bewährten Tools. Sie versuchen also, heutige Probleme mit alten Denkweisen zu lösen – doch gerade diese Methoden und Verfahren sind oft Teil des Problems. Wie betrachten Sie den Status Quo?

Während wir den Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft maßgeblich mitgestaltet haben, stehen Europa und erst recht Deutschland jetzt in der Digitalen Transformation nicht so gut da. Die Entwicklung wird maßgeblich von China und den USA bestimmt. Auch wenn hierzulande Top Ingenieurswissen existiert: In Sachen digitales Verständnis sind die Unternehmen nicht gut vorbereitet und die Politik macht wenig.

Es fehlen Zukunftsbilder und Visionen. Bisher haben wir in einer Welt des Standards gelebt. Doch jetzt plötzlich werden aus Menschen individuelle Personen mit Vorlieben und Bedürfnissen, wir bewegen uns raus aus dem Durchschnitt und werden sichtbar. Und wir stehen gerade erst am Anfang – das alles hat Auswirkungen auf unsere Identifikation, Kommunikation und Stimmungslage.

Gibt es in den Unternehmen zu viel Blockade? Ist die Macht der Nein-Sager zu groß, die die Transformation verhindern, verschlafen oder verdrängen?

Viele machen sich noch immer keine Vorstellung davon, dass die Dinge massiv anders werden. Und stecken in ihrem konservativen und traditionsverhafteten Rahmen fest. Grund dafür könnte die deutsche Geschichte sein: Kriege, Katastrophen, Leid und Verlust sind die Grundpfeiler. Dass alles so funktioniert, musste man sich erst hart erkämpfen.

Dass sich Deutschland nicht von heute auf morgen und ganz spontan und allumfänglich neu erfinden will, ist das Resultat. Ich nehme es keinem Manager übel, dass die Bereitschaft nicht so offenherzig gegeben ist. Schließlich gründet das heutige Ergebnis auf einer Erfolgsstory.

Was also können wir tun, damit die Transformation beginnt und gelingt?

Erst einmal geht es um das Wollen. Dann ist es gut, Beobachter zweiter Ordnung zu sein – raus aus dem eigenen System zu treten und sich von außen zu betrachten. Reflexion ist eine fantastische menschliche Eigenschaft. Mache ich die Dinge noch richtig? Wie ist meine Einstellung? Wie sehen meine inneren Bilder aus – auf Kunden, auf Frauen, auf Menschen? Das kann jeder verändern!

Die Fragen stellte Simone Richter.

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Dezember-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

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