Solvency II: Versicherer kritisieren unverhältnismäßigen Aufwand
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Ana Teresa Moutinho, Head of Eiopa Supervisory Processes Department. Quelle: mvb

Die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersvorsorge (Eiopa) wurde von der EU-Kommission mit der Überarbeitung von Solvency II bis zum Jahr 2020 beauftragt. Im Rahmen ihrer Konsultationen hat die Behörde jetzt in Frankfurt zum zweiten Mal nach dem Juli 2019 zu einer offenen Diskussionsrunde mit Interessensvertretern von Versicherern und Verbänden eingeladen.

Unter der Moderation von Ana Teresa Moutinho, Head of Eiopa Supervisory Processes Department, lag der Akzent diesmal auf der Bewertung bisheriger Konsultationsergebnisse durch die Versicherungsbranche. Es gab zu unterschiedlichen Bereichen eine Reihe von Rückfragen, Kritiken und Verbesserungsvorschlägen. Im Zentrum stand dabei der zum Teil unverhältnismäßig hohe Zeit- und Personalaufwand zur Erfüllung der Berichtspflichten im Vergleich zum konkreten Nutzen für die Aufsichtsbehörde.

Carolien Afslag, Policy Advisor, Insurance Europe, merkte an, dass die Vorgehensweise der Eiopa, Änderungen zu Solvencvy II in zwei „Wellen“ zu behandeln, es den Versicherungsunternehmen generell schwermache, die Auswirkungen der ersten Welle zu bewerten, da Änderungen im Rahmen der zweiten Welle die Sichtweise der Branche noch verändern könnten. Grundsätzlich problematisch sei, dass die Berichtsstandards bereits aktuell sehr ausgedehnt worden seien. Die nationalen Aufsichtsbehörden hätten schon jetzt ausreichende Mittel, um notwendige Daten und Informationen von den Versicherungen anzufordern.

Ein weiterer Punkt: Die Säulen eins uns zwei von Solvency II zielten auf einen noch größeren Schutz der Versicherten ab, obwohl Insolvenzen in der Branche bisher noch nie zu einem größeren Verlust bei den Kunden geführt hätten. In der jetzigen Form, so Afslag, bedeuteten die Vorschläge für die Versicherer eine deutliche Zunahme der Hürden. Einige neue Anforderungsvorlagen (QRTs), zum Beispiel im Bereich Cyber und Sachversicherung, seien zu „exzessiv“.

Weitere Kritiken und Verbesserungsvorschläge galten der Datenerhebung für den SFCR Report, der Offenlegung von Interna und dem Umfang der Risikoanalysen. Die Übertragung interner Analysemodelle in die Standardformulare der QRT wurde nicht als sinnvoll angesehen und Überschneidungen mit den nationalen Aufsichtsbehörden festgestellt.

Ein weiterer Kritikpunkt war das Überlappen von jährlichen und vierteljährlichen Berichtspflichten von RSR und SFCR. Silvia Herms, Head of Economic and Financial Affairs bei AMICE, empfahl, die bereits existierende Fristverlängerung für die Jahresberichte auch auf die Quartalsberichte auszudehnen. Ferner sollte es unterschiedliche Fristen für die unterschiedlichen Berichtsformen geben.

Der 4. Quartalsbericht könne ganz entfallen, da die Informationen sich bereits kurze Zeit später im Jahresbericht wiederfinden würden. Sie monierte zudem, dass sich die Anforderungen an die Berichte nahezu jährlich ändern würden, beispielsweise im Bereich der technischen Standards und Bewertungssysteme, so Herms. Sie sprach darüber hinaus auch die Themen „externe Audits“ sowie die beabsichtigten Veränderungen bei den produktbezogenen QRT kritisch an.

Bevor Ana Teresa Moutinho erste Informationen zu den Konsultationen zu Welle zwei gab, wurde ein virtuelles Prüfverfahren der Eiopa vorgestellt, bei dem alle berichtspflichtigen Unternehmen ab sofort die beabsichtigten Änderungen von Welle eine anhand entsprechender Formulare am Computer probeweise durchspielen können, ohne dass die eingetragenen Zahlen bereits offiziellen Charakter annehmen. Moutinho wies nochmals auf die Einreichungsfrist für Stellungnahmen zu Wave eins am 18. Oktober hin und forderte die Unternehmen auf, möglichst konkrete Verbesserungsvorschläge zu machen. Zu allgemein gehaltene Kritiken, dass manche QRTs zu viel Aufwand erforderten, seien weniger zielführend.

Autor: Mathias von Bredow

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