Gehaltsreport: Was der Sprung zwischen Versicherer und Makler finanziell wirklich bringt
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Die Gehaltsschere in der Versicherungswirtschaft öffnet sich weiter. Während interne Erhöhungen oft kaum die Inflation ausgleichen, winken bei gezielten Arbeitgeberwechseln Sprünge von bis zu 30 Prozent. Eine detaillierte Datenanalyse der Personalberatung Schuckart Consulting zeigt, wer im Spiel zwischen Versicherer, Rückversicherer und Industriemakler finanziell die Nase vorn hat.
Die 2016 in Berlin gegründete Schuckart Consulting GmbH vermittelt Fach- und Führungskräfte in der Versicherungswirtschaft – von Spezialisten bis zur Vorstandsebene. Zu den Auftraggebern zählen Erst- und Rückversicherer, Makler, Inhouse-Broker und Assekuradeure. Die Vermittlung erfolgt überwiegend exklusiv per Direktansprache. Zusätzlich veröffentlicht das Haus jährlich einen Report zu aktuellen Gehältern der Assekuranz. Der „Gehaltsreport Versicherungen 2025/2026“ wertet Gehaltsstrukturen von mehr als 35 Rollen aus, basierend auf mehreren hundert vertraulichen Interviews sowie Vertragsverhandlungen der vergangenen zwölf Monate.
Der Report steigt mit allgemeinen Daten für die gesamte Branche ein, die auf Verbandsstatistiken (GDV, AGV), amtlichen Erhebungen der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Bundesamtes sowie allgemeinen Gehaltsdatenbanken basieren. So arbeiten in Deutschland rund 215.600 Angestellte direkt bei Versicherungsunternehmen. Das gesamte Versicherungsgewerbe – inklusive Maklerbetrieben, Vermittlern und Assekuradeuren – zählt 306.820 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Rechnet man selbstständige Vermittler hinzu, umfasst der Gesamtmarkt etwa 485.000 Personen.
Mit einem Median-Bruttojahresverdienst von 76.594 Euro für Vollzeitkräfte in Finanz- und Versicherungsdienstleistungen gehört der Sektor zu den bestbezahlten Branchen in Deutschland (Gesamtwirtschaft: 54.066 Euro). Der allgemeine Hausdurchschnitt über alle Rollen hinweg liegt laut Kununu bei 62.636 Euro. Damit rangiert die Assekuranz knapp hinter den Banken (63.013 Euro), aber vor dem Energiesektor (61.817 Euro).
In der allgemeinen Sachbearbeitung liegen die Gehälter beim Einstieg zwischen 42.000 und 52.000 Euro, erreichen bei Professionals (3–8 Jahre Erfahrung) 52.000 bis 68.000 Euro und schließen auf Senior-Ebene bei 65.000 bis 75.000 Euro. Kaufmännische Versicherungsfachkräfte starten bei 47.000 bis 58.000 Euro, bewegen sich in der Mittelstufe zwischen 63.000 und 80.000 Euro und erreichen als Seniors 80.000 bis 90.000 Euro. Im gewerblichen Standard-Underwriting reichen die Spannen von 62.000 bis 82.000 Euro (Einstieg) über 85.000 bis 125.000 Euro (Professional) bis zu 125.000 bis 150.000 Euro (Senior).

Fokus auf die Industrieversicherung
Die Zahlen für die Industrieversicherung stammen exklusiv aus der eigenen Mandatspraxis von Schuckart Consulting (Verhandlungen, Briefings und Besetzungen). Sie beziehen sich auf den abgegrenzten Teilmarkt der Groß- und Industrieunternehmen bei Versicherern, Industriemaklern, Inhouse-Brokern und Assekuradeuren. Der engere Kernmarkt der erfahrenen Spezialisten umfasst in Deutschland nur etwa 2.000 bis 3.000 Köpfe.
Vergütung nach Spezialdisziplinen und Rollen:
- Fachbetreuung Industrie (Sach, Haftpflicht, Transport, Technische Versicherungen): Einstieg bei 55.000 bis 70.000 Euro, Professionals bei 70.000 bis 95.000 Euro, Senior-Ebene bei 95.000 bis 115.000 Euro.
- Underwriting Industrie (Sach/Haftpflicht): Einstieg bei 65.000 bis 85.000 Euro, Professionals bei 90.000 bis 135.000 Euro, Senior-Ebene bei 130.000 bis 170.000 Euro.
- Spezial-Underwriting (Cyber, D&O, Financial Lines): Einstieg bei 70.000 bis 90.000 Euro, Professionals bei 95.000 bis 140.000 Euro, Senior-Ebene bei 140.000 bis 180.000 Euro.
- Placement / Broking (Makler): Einstieg bei 65.000 bis 85.000 Euro, Professionals bei 90.000 bis 130.000 Euro, Senior-Ebene bei 130.000 bis 160.000 Euro.
- Großkundenbetreuung / Key Account Industrie: Einstieg bei 75.000 bis 95.000 Euro, Professionals bei 100.000 bis 150.000 Euro, Senior-Ebene bei 150.000 bis 200.000 Euro. In dieser Rolle sind variable Anteile von 20 bis 40 Prozent marktüblich.
- Inhouse-Broker (Konzern-Versicherungsmanagement): Einstieg bei 70.000 bis 90.000 Euro, Professionals bei 90.000 bis 130.000 Euro, Senior-Ebene bei 130.000 bis 180.000 Euro.
- Aktuariat: Einstieg bei 60.000 bis 75.000 Euro, Professionals bei 80.000 bis 120.000 Euro, Senior-Ebene bei 120.000 bis 150.000 Euro.
- Niederlassungsleitung Makler: Einstieg bei 120.000 bis 150.000 Euro, Professionals bei 150.000 bis 220.000 Euro, Top-Ebene bei 220.000 bis 280.000 Euro (jeweils zzgl. ergebnisbasierter Variabler).
- Geschäftsführung im Maklermarkt: Bei mittelgroßen Maklern (20–150 MA) liegt das Fixum bei 150.000 bis 250.000 Euro (zzgl. 15–30 % Bonus). Bei deutschen Großmaklern (150–1.500 MA) reicht das Fixum von 250.000 bis 450.000 Euro (zzgl. 25–40 % Bonus und LTI-Komponenten).

„Zwischen einer Fachbetreuung Industrie mit fünf Jahren Erfahrung (rund 80.000 Euro) und einer Großkundenbetreuung mit eigener Bestandsverantwortung (rund 125.000 Euro plus variabel) liegen keine zehn Jahre, sondern zwei bewusste Karriereentscheidungen: Spezialisierung auf eine Sparte und Übernahme von Kundenverantwortung. Genau dort entscheidet sich Gehalt in der Industrieversicherung.“
Johannes Nickisch, Senior Managing Consultant und Head of Insurance bei Schuckart Consulting
Der Einfluss des Arbeitgebertyps auf das Gehalt
Innerhalb der Industrieversicherung unterscheidet sich das Gehaltsniveau je nach Unternehmensform erheblich: Rückversicherer zahlen die höchsten Fixgehälter. Während ein Underwriter auf der Professional-Stufe beim Erstversicherer im Schnitt 81.500 Euro verdient (Spanne 68.000–95.000 Euro), erhält er beim Rückversicherer durchschnittlich 102.500 Euro (Spanne 85.000–120.000 Euro). Auf Senior-Ebene stehen 115.000 Euro beim Erstversicherer gegenüber 145.000 Euro beim Rückversicherer.
Internationale und mittelständische Industriemakler bieten Fixgehälter im oberen Drittel und höhere variable Anteile gekoppelt an Bestandsverantwortung. Ein Wechsel vom Versicherer zum Industriemakler bedeutet in der Regel keinen Gehaltsverzicht. Inhouse-Broker profitieren von den höheren Tarifen der Mutterkonzerne (z. B. Chemie, Metall). Erstversicherer bieten dagegen höhere Sicherheit, Tarifbindung, die 38-Stunden-Woche sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Wechselprämien und Gehaltshebel
Möchte eine Fachkraft ihr Gehalt entwickeln, bietet der Arbeitgeberwechsel den stärksten Hebel. Während interne Erhöhungen im branchenweiten Median 4 Prozent bringen, erzielt ein Wechsel im Median 8 Prozent. Ein Wechsel in eine industrielle Engpasssparte (Cyber, D&O, Construction, Risk Engineering) führt zu Steigerungen von 10 bis 20 Prozent. Ist der Schritt mit zusätzlicher Führungs- oder Bestandsverantwortung verbunden, liegt der Zuwachs bei 15 bis 30 Prozent.
Aufgrund sinkender Prämien im weichen Industriemarkt werden Unternehmen 2027 bei Einstellungen in der Breite selektiver vorgehen. In spezialisierten Nischen wie Cyber-Underwriting, Risk Engineering und Komplexschaden bleiben Fachkräfte jedoch knapp, sodass dort weitere Steigerungen von 5 bis 8 Prozent erwartet werden. Zudem verpflichtet die EU-Entgelttransparenzrichtlinie ab Mitte 2026 zur Offenlegung von Gehaltsbändern in Stellenanzeigen.
Autor: VW-Redaktion
