Allianz-Vorständin Laura Gersch: „Diverse Teams sind grundsätzlich erfolgreicher als homogene Teams“

Laura Gersch. Quelle: Allianz SE

Seit Jahresbeginn verantwortet Laura Gersch bei der Allianz Leben das Ressort „Firmenkunden“. Zuvor arbeitete sie eng mit dem Vorstandsvorsitzenden Oliver Bäte zusammen und – wie könnte es anders sein – war zuvor bei McKinsey. Im Exklusiv-Interview mit der Versicherungswirtschaft sprach Gersch über ihre Ziele und Pläne in Zeiten von Corona – und warum diverse Teams erfolgreicher sind.

VWheute: Sie sind seit Januar 2020 „in Amt und Würden“: Wie sind Sie gestartet und wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen?

Laura Gersch: Ich hatte einen hervorragenden Start, der schon vorab im letzten Jahr durch eine enge Zusammenarbeit mit den künftigen Kolleginnen und Kollegen geprägt war. Und ich habe durch meine bisherigen Funktionen schon einen sehr klaren Blick auf die Allianz Leben mitgebracht. Natürlich waren die ersten Monate sehr stark durch die Corona-Pandemie geprägt, die uns alle betroffen hat.

Die Pandemie beschäftigt uns auch in der Allianz intensiv. So haben wir bereits im März mit Blick auf unsere Kapitalanlagen und die Lage an den Märkten eine klare Botschaft an unsere Kunden gesendet: Sie können sich bei der Vorsorge auf die Allianz verlassen. Was sich in dieser Situation wieder gezeigt hat: Unser Sicherungsvermögen ist das Herzstück in der Lebensversicherung. Mit diesem stabilisierenden Element können wir die Schwankungen am Kapitalmarkt entsprechend ausgleichen.

Eine weitere Erfahrung: Ich hätte nicht gedacht, dass 80 bis 90 Prozent der Kollegen sowohl im Innendienst wie im Außendienst so schnell und so effektiv im Homeoffice arbeiten können. Wir mussten neue Wege finden, wie wir im Team zusammenarbeiten, und wir werden diese prägende Erfahrung künftig nutzen. In den Monaten vor Corona war es mir zudem wichtig, die ersten Kontakte zu unseren Kunden zu knüpfen.

VWheute: Wie sehen Ihre perspektivischen Ziele als Firmenvorstand der Allianz aus?

Laura Gersch: Die Grundlage für meine Arbeit und für die Zielsetzungen darin bildet unser Purpose „We secure your future“, der für die Allianz so etwas wie eine Daseinsberechtigung darstellt. Dieser Leitsatz ist es, der mich persönlich antreibt. Das ist auch der Grund, warum ich in die Versicherungsbranche gegangen bin: Wir arbeiten auf der Basis eines langfristigen Geschäftsmodells. Zum Ersten geht es mir als Firmenvorständin um die betriebliche Altersversorgung in der Breite. Hier hat sich die Allianz eine starke Position sowie ein hohes Vertrauen bei den Kunden erarbeitet.

Dies gilt es aber jeden Tag aufs Neue zu gewinnen und die Position noch weiter auszubauen. Zweitens ist mir wichtig, dass wir den Weg zur Altersversorgung noch planbarer machen. Damit meine ich den Aspekt der Einkommensvorsorge und wie wir den Weg zur Rente noch besser absichern können. Hier haben wir das Angebot schon ausgebaut, zum Beispiel mit der Körperschutzpolice in der bAV. Ein dritter Punkt ist für mich, die Altersvorsorge noch digitaler zu machen.

Mit der Plattform „FirmenOnline“ haben wir ein Tool entwickelt, das sowohl für den Arbeitnehmer als auch den Arbeitgeber echte Vorteile bringt und daher schon intensiv genutzt wird. Hier arbeiten wir daran, diese Plattform noch weiter auszubauen. Und ich bin mir sicher, dass die aktuellen Erfahrungen nochmals zusätzlichen Schwung bringen.

VWheute: Wie hat sich die Corona-Krise bislang auf das Alltagsgeschäft der Allianz ausgewirkt und welche Folgen sehen Sie auf das Firmengeschäft?

Laura Gersch: Alle Unternehmen sind in irgendeiner Form von Corona betroffen, also auch unsere Firmenkunden, wobei die Auswirkungen je nach Industrie und Branche stark variieren. Uns ist es wichtig, dass wir den Kunden auch in dieser Zeit zur Seite stehen, gerade wenn sie vorübergehend Beiträge nicht zahlen können. Deswegen haben wir schon im März unsere Kulanzregeln ausgeweitet.

So bieten wir Stundungen seitdem ohne Grund und formlos bis zu sechs Monaten – anstatt bislang drei Monaten. Dies gilt im Privatkunden- wie im Firmengeschäft. Auch bei der Biometrie gibt es entsprechende Kulanzregelungen. Diese Regelung war ursprünglich bis zum 30. Juni befristet und wurde nun noch mal bis Ende September ausgeweitet. Insofern sind wir auch für die Kunden da, die von der Krise betroffen sind, und finden gemeinsam eine Lösung.

„Für mich zentral ist der Punkt, dass diverse Teams erfolgreicher sind; das Verständnis dafür muss geschärft werden, damit sich noch mehr ändert.“

Laura Gersch, Firmenvorständin der Allianz Leben

VWheute: Marktbeobachter sehen die Krise als „digitalen Brandbeschleuniger“: Wie ist Ihre Einschätzung?

Laura Gersch: Dies würde ich definitiv so sehen. Wir arbeiten bereits seit Jahren sehr ernsthaft an diesem Thema. Die Krise hat uns allen vor Augen geführt, wie wertvoll es ist, dass einige Bereiche bereits durchweg digital arbeiten. Im Firmenkundengeschäft finden Beratungsgespräche nun teilweise digital statt. Natürlich fehlt hier und da sicherlich das persönliche Gespräch, das auch weiterhin wichtig sein wird. Allerdings wurden die digitalen Kanäle durch die Krise stärker genutzt, und das wird aufgrund der klaren Vorteile anhalten.

Laura Gersch: Wir haben schon in Vergangenheit konsequent an der Digitalisierung von Produkten und Prozessen gearbeitet – die Plattform FirmenOnline ist nur ein Beispiel von vielen. Und ich bin überzeugt, dass diese Entwicklung durch die aktuelle Situation noch mal mehr Schwung bekommt.

VWheute: Allianz-Chef Oliver Bäte hat die Digitalisierung als neuen Benchmark für das Unternehmen nutzen wollen. Gibt es denn konkrete Vorhaben, wie Sie diesen Trend nun stärker nutzen wollen?

VWheute: Mit 36 Jahren sind Sie derzeit eine der jüngsten Versicherungsmanagerinnen Deutschlands. Dennoch ist die Frauenquote in den Führungsetagen noch immer recht niedrig. Worin sehen Sie die Gründe für diese Entwicklung und was müsste sich – insbesondere in der Versicherungsbranche – ändern?

Laura Gersch: Wir sollten zuerst wertschätzen, was wir bislang schon erreicht haben. Wir haben schon mehr Frauen in Führungspositionen als je zuvor und das Thema wird in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert. Aber es liegt natürlich noch ein weiter Weg vor uns mit Blick auf Chancengerechtigkeit. Aber warum ist es wichtig, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen?

Weil diverse Teams grundsätzlich erfolgreicher sind als homogene Teams, das sollten wir uns immer vergegenwärtigen. Zudem sind 50 Prozent unserer Bevölkerung Frauen. Daher macht es allen Sinn der Welt, dass Frauen auch auf allen Ebenen mitentscheiden, wie wir Produkte passend und marktfähig gestalten und wie wir mit den Kundinnen und Kunden interagieren.

Hinzu kommt, dass die Hälfte der Absolventen in vielen Studiengängen Frauen sind. Wenn wir immer davon reden, dass wir in Führungspositionen ein Nachwuchsproblem haben, sollten wir auch auf diese 50 Prozent des Pools setzen, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen geht.

VWheute: Vielfalt macht erfolgreicher?

Laura Gersch: Für mich zentral ist in der Tat der Punkt, dass diverse Teams erfolgreicher sind; das Verständnis dafür muss geschärft werden, damit sich noch mehr ändert. Für die Allianz kann ich sagen, dass sich dieses Verständnis immer stärker durchsetzt und der Anteil an Frauen in Führungspositionen deutlich zunimmt.

Insgesamt ist es aus meiner Sicht in Deutschland wichtig, für Unternehmen entsprechende Ziele vorzugeben, weil uns diese Ziele alle ein Stück dazu bringen, uns immer wieder und immer mehr mit diesem Thema zu beschäftigen. Zudem müssen aber auch die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass Frauen auch wirklich in Führung kommen können und auch motiviert in Führung gehen.

Und dafür brauchen wir entsprechende Vorbilder, um auch junge Frauen zu ermutigen, sich nicht selbst Grenzen zu setzen. Meinem Sohn sage ich dazu immer gerne, dass wir in Deutschland immerhin schon eine Chefin haben. Für ihn ist das glücklicherweise selbstverständlich.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen August-Ausgabe des Magazins Versicherungswirtschaft.

Quelle: VVW GmbH

Ein Kommentar

  • Diverse Teams hochhalten ist vernünftig, aber wenn das aus einer McKinsey Monokultur kommt doch eher fragwürdig glaubhaft…

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