Cosmos Direkt-CEO Stachon: „Glaube nicht, dass ich mit der Kfz-Versicherung, wie wir sie heute kennen, in Rente gehen werde“

David Stachon. Quelle: Generali

Corona hat in den vergangenen Monaten auch das Mobilitätsverhalten der Menschen gründlich verändert. Einige Metropolen wie London oder Paris führen bereis Programme für CO2-arme Mobilität ein. Im Exklusiv-Interview mit der Versicherungswirtschaft spricht David Stachon, Chief Business Officer Digital und Unabhängige Vertriebe Generali Deutschland sowie Vorstandsvorsitzender Cosmos Direkt, über dynamische Bewegungen im Autogeschäft.

VWheute: Ziehen wir eine erste Zwischenbilanz für 2020: Wie ist das Geschäft der Cosmos Direkt in diesem Jahr bislang gelaufen? Stichwort: Erweiterung des Produktportfolios u.a. um Tierkrankenschutz mit Agila. Und was sehen Ihre Pläne für die Zukunft vor?

David Stachon: Das Jahr 2020 hat uns bisher alle Höhen und Tiefen geboten, die man sich vorstellen kann. Wir sind sehr gut ins Jahr gestartet – sowohl im Geschäftsfeld Makler mit der Dialog als auch im Direktversicherungsgeschäft bei Cosmos Direkt. Dann kam Corona, was einen Dip hervorgerufen hat, der teilweise sehr tief war und zu unterschiedlichen Auswirkungen in den einzelnen Geschäftsfeldern geführt hat.

So kam es beispielsweise in der Biometrie zu ganz anderen Veränderungen als in der Kfz-Sparte. Dabei ist die Kfz-Sparte in der Direktversicherung wahrscheinlich der Indikator, der am schnellsten auf Marktveränderungen reagiert. So haben wir in der Kfz-Versicherung durch die Schließung der Autohäuser, dem Aussetzen des Gebrauchtwagenhandels und damit auch der Zulassungsstellen einen ganz tiefen Abschwung gesehen. Mit dem Ende des Lockdown sprang der Motor im wahrsten Sinne des Wortes wieder an, sodass wir inzwischen wieder an das Vorjahresniveau heranreichen.

VWheute: Wie würden Sie diesen Dip genau bezeichnen?

David Stachon: Das hängt vom Geschäftsfeld ab: So gibt es Geschäftsfelder, die im Neugeschäft nur um einen geringen Prozentbereich zurückgegangen sind und es gibt Geschäftsfelder mit einem weitaus deutlicheren Rückgang. Für die Schäden verzeichnen wir dabei eine vergleichbare Kurve. Diese gingen ebenfalls sehr schnell nach unten und haben sich dann genauso schnell wieder angeglichen. Man braucht sich ja nur auf den Straßen umschauen: Es wird wieder Auto gefahren und dies ist gefühlt nicht weniger als vor der Krise.

Daher würde ich noch keinen Ausblick für das Gesamtjahr wagen. Dies hängt jetzt vor allem davon ab, wie schnell sich die Gesamtwirtschaft erholen kann. Denn die gesamtgefahrenen Kfz-Kilometer korrelieren sehr stark mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Wenn sich die Pandemie stabilisiert, sehe ich einer guten Entwicklung noch in diesem Jahr entgegen. Ein wichtiger Punkt ist dabei vor allem auch die Stärke der Generali in Deutschland, die wir mit unserem erfolgreichen Turnaround unter der Führung von Giovanni Liverani erreicht haben. Sie ist ein wesentlicher Faktor, eine schwierige Phase, wie wir sie gerade erleben, erfolgreich zu überwinden.

VWheute: Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung auf dem Kfz-Markt mit Blick auf neue Formen der Mobilität?

David Stachon: Zunächst, ich bleibe bei meiner Aussage, die ich bereits vor zwölf Jahren erstmals getätigt habe: Ich glaube nicht, dass ich mit der Kfz-Versicherung, wie wir sie heute kennen, in Rente gehen werde. Und es ist nicht ein einzelner Faktor, der dies treibt, sondern viele unterschiedliche Faktoren.

Das klassische Autofahren mit Verbrennungsmotor, der mir gehört und den ich klassisch individuell versichert habe, wird aus verschiedenen Ecken angegriffen: Da ist die Sharing Economy, mit Gruppen- oder Firmenangebote, da ist die E-Mobilität und da sind alternative Formen der Mobilität.

Fakt ist auch die perspektivische Nachfrage: Wenn ich meine Kinder frage, wie wichtig ihnen der Führerschein ist, steht dieser nicht mehr an Nummer eins und kommt wahrscheinlich kaum noch in die Top Ten. All diese Faktoren zusammen sorgen dafür, dass wir unterschiedliche Formen der Mobilität erwarten können.

VWheute: Was bedeutet Mobilität für den Generali-Konzern?

David Stachon: Mobility ist für uns als Konzern ein Kernelement, deshalb beschäftigen wir uns auf unterschiedliche Art und Weise damit, wie Mobilität zukünftig aussehen könnte. Dies tun wir, indem wir neue Kooperationspartner finden, die zeitgemäß und zukunftsorientiert über Mobilität nachdenken. Bei Telematik sehen wir derzeit zwei Perspektiven: Als Generali Group sind wir einer der führenden Telematik-Anbieter der Welt. In Deutschland ist Telematik noch ein schwieriges Feld. Das hat vor allem damit zu tun, wie die Deutschen auf Mobilität schauen. Es gibt noch immer keine signifikanten Marktanteile von Telematik-Tarifen.

VWheute: Wieso bleiben Sie trotzdem dran?

David Stachon: Weil ich glaube, dass sich der Telematik-Markt kontinuierlich weiter verändern wird. In Deutschland gibt es noch immer nicht das Volumen wie in Italien oder Großbritannien. Dennoch sehen wir auf dem deutschen Markt steigende Zahlen. Daher sind wir als Konzern auch proaktiv auf dem Feld Telematik sowie Assistance unterwegs.

„Ich bin jetzt seit 30 Jahren im Versicherungsgeschäft tätig und genau so lange reden wir schon über ‚den‘ berüchtigten Preiskampf. Und trotzdem haben wir auch in diesen 30 Jahren gelernt, dass 99 Prozent aller Deutschen nicht im preiswertesten Tarif versichert sind.“

David Stachon, Vorstandsvorsitzender der Cosmos Direkt

VWheute: Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen auf dem Gebiet der Assistance-Leistungen?

David Stachon: Die Deutschen sind Weltmeister im Datenschutz. In keinem anderen Land wird so viel darüber diskutiert, welche Daten ich freigebe und welche nicht. Das ist beispielsweise in Italien deutlich unkomplizierter, wo die gleichen Datenschutzregeln gelten. Hier herrscht die grundsätzliche Einstellung vor: Ich bekomme einen günstigeren Tarif, wenn ich meine Daten für Telematik zur Verfügung stelle, also mache ich das.

In Deutschland haben wir eine ganz andere Situation: Wir haben ein sehr dezidiertes System, um Kfz-Tarife zu berechnen. Der Mehrwert durch Telematik-Tarife ist in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern geringer. Hier haben wir ja derzeit mehr Tarifzellen als Autos; das heißt, wir berechnen sowieso schon „jeden“ Kundentarif individuell.

VWheute: Marktbeobachter sprechen immer wieder von einem Preiskampf in der Branche. Wie ist Ihre Einschätzung und inwieweit wollen Sie sich an solchen Entwicklungen beteiligen?

David Stachon: Ich bin jetzt seit 30 Jahren im Versicherungsgeschäft tätig und genau so lange reden wir schon über „den“ berüchtigten Preiskampf. Und trotzdem haben wir auch in diesen 30 Jahren gelernt, dass 99 Prozent aller Deutschen nicht im preiswertesten Tarif versichert sind.

„Nicht immer der billigste Anbieter zu sein, aber gut darin zu sein und das richtige Angebot für den richtigen Preis zu bieten.“

David Stachon, Vorstandsvorsitzender der Cosmos Direkt

VWheute: Wo setzt Cosmos Direkt an?

David Stachon: Wir setzen auf ein umfassendes Produktportfolio, deshalb verbreitern wir dieses zum Beispiel mit der Agila Tierkrankenversicherung oder der Absicherung des Smartphones als Lieblingsstück. Der zweite Pfeiler ist der Kundenservice und da bieten wir einen Topservice mit branchenweiten Bestwerten im Net-Promotor-Score. Das dritte Element, an das ich glaube, ist smartes Pricing: Nicht immer der billigste Anbieter zu sein, aber gut darin zu sein und das richtige Angebot für den richtigen Preis zu bieten.

Das war, ist und bleibt der Kernaspekt für Erfolg in der Versicherungsbranche. Wir werden der einzige Direktversicherer in Deutschland mit einer umfassenden Produktpalette sein. Wir werden das beste Service-Angebot und die smartesten Preise bieten. Und wenn uns das gelingt, haben wir einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bei unseren Kunden. Unsere Kunden wissen sehr wohl, dass der günstigste Preis nicht das beste Angebot ist.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen August-Ausgabe des Magazins Versicherungswirtschaft.

Quelle: VVW GmbH

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