Gedrückte Stimmung in der PKV-Vollversicherung

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Die privaten Krankenversicherer (PKV) schätzen einer Assekurata-Untersuchung zufolge 2020 die aktuelle Geschäftslage ebenso wie die Geschäftserwartungen in der Vollkostenversicherung „leicht negativ“ ein. Nur ein Anbieter von Vollkostentarifen bewerte seine aktuelle Geschäftslage positiv, sagte Gerhard Reichl, Fachkoordinator Krankenversicherung, bei der Vorstellung des „Marktausblicks zur PKV 2020“.

Für die künftige Entwicklung seien zwei Gesellschaften positiv gestimmt. Die Kölner Ratingagentur hatte elf Gesellschaften mit einem Marktanteil von 46,8 Prozent (bezogen auf Vollversicherte) befragt. Fast alle PKV-Unternehmen verzeichneten laut Assekurata 2019 trotz Niedrigzinsphase eine „sehr positive wirtschaftliche Entwicklung“, doch nun ist das Umfeld nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie schwieriger geworden. Konnten die PKV-Unternehmen den Nettobestandsverlust 2019 noch auf 0,1 (0,2) Prozent bzw. absolut auf rund 6.300 Vollversicherte begrenzen, drohen nun wieder höhere Abgänge infolge des absehbaren wirtschaftlichen Abschwungs.

„Die Vollversicherung muss viel aktiver verkauft werden als früher“, sagt Reichl. Dabei kämpften die Berater mit hoher Verunsicherung auf Seiten potenzieller Neukunden. „Der Beitragsschock 2012 sorgt immer noch für hohe Verunsicherung – auch bei den Beratern.“ Die Frage, ob die PKV im Alter bezahlbar sei, schrecke viele vom Neuabschluss ab.

Quelle: Assekurata

Als Zielgruppe rücke damit das Beihilfegeschäft in den Fokus der Vermittler. Schon seit langem werden die privaten Kassen immer mehr zur Beamtenversicherung. Seit 2014 machen die Beihilfeberechtigten 55 Prozent des jährlichen Neuzugangs aus der GKV aus. Der Anteil der Beihilfeberechtigen im Bestand betrug 2019 rund 51 (50,3) Prozent.

Die Kaufzurückhaltung in der Vollversicherung dürfte nach Einschätzung von Assekurata zudem den Blick auf die Zusatzversicherung lenken. Pflegezusatz, Zahn, stationären Tarifen und vor allem der betrieblichen Krankenversicherung liefen aktuell gut und würden mehr oder weniger auch bei den Erwartungen gut eingeschätzt. Dagegen gelte das Krankenhaustagegeld nach weiteren Nettobestandsverlusten 2019 inzwischen vielleicht sogar schon als Auslaufmodell.

Auch beim Pflege-Bahr sei die Branche angesichts eines Bestandes von unter einer Million Verträgen verhalten. Bei den Zusatztarifen beobachtet Assekurata einen Trend zum Verzicht auf Wartezeiten sowie der Tarifierung auf Risikobasis, also ohne Alterungsrückstellungen und Rechnungszins. Die Rater kritisieren, dass Beiträge nach Altersklassen die Vergleichbarkeit erschweren und halten Mischformen für zweckmäßig. Bei diesen werde jüngeren Altern auf Risikobasis kalkuliert und ab einem bestimmten Alter automatisch in einen Tarif mit Alterungsrückstellungen umgestellt. Nur bei Ambulant- und Zahntarifen sei die Kalkulation auf Risikobasis unkritisch.

Gewinnprognosen für 2020 seien wegen der Auswirkungen der Pandemie schwierig. Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will geht aber davon aus, dass geringere Kapitalanlageerträge das Rohergebnis 2020 „deutlich mindern“ werden. Dass die Leistungsausgaben infolge der geringeren Inanspruchnahme von Ärzten und Krankenhäusern unter dem Strich geringer ausfielen, dürfte diesen Rückgang nicht kompensieren.

Quelle: Assekurata

Beitragsanpassungen würden die Branche weiter beschäftigen. Der Niedrigzins sorge dabei weiter für Anpassungsdruck beim Rechnungszins. Dabei liegt der durchschnittliche Rechnungszins (duRz) laut Assekurata branchenweit schon unter drei Prozent. Der Analyse zufolge reichte 2019 bereits eine Nettoverzinsung von 2,6 Prozent, um die Alterungsrückstellung mit dem duRz von 2,9 Prozent zu verzinsen.

Für die Privaten von Vorteil ist dabei, dass auch die gesetzlichen Kassen ihre Beiträge anheben müssten. Damit verschlechtere sich zumindest die Wettbewerbssituation zwischen PKV und GKV nicht gravierend, so Will. In ihrem käuflich zu erwerbenden Marktausblick haben sich die Rater zudem einer Vielzahl von Einzelfragen wie der Bezahlbarkeit im Alter, der Entwicklung der Zusatztarife, der Kapitalanlage oder auch der Entwicklung von Nichtzahlern gestellt.

Autorin: Monika Lier

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