Aon kauft Willis Towers Watson und steigt zum größten Makler der Welt auf

Laurie Lee / flickr

Genau vor einem Jahr hat der britische Großmakler Aon die Übernahme des Konkurrenten Willis Towers Watson abgeblasen. Industriekunden sahen den Deal kritisch, weil sie kaum noch Optionen bei der Policenauswahl gehabt hätten. Nichtsdestotrotz lässt sich Aon für 30 Mrd. Dollar zum größten Versicherungsmakler küren, der Name Willis Towers Watson verschwindet.

Bislang war Marsh & McLennan der Marktführer unter den Versicherungs- und Rückversicherungsmaklern. Danach folgte Aon und Willis. Im April 2019 baute Marsh & McLennan seinen Vorsprung mit der Übernahme des britischen Wettbewerbers Jardine Lloyd Thompson für 5,7 Mrd. Dollar aus. Aon wollte mit der Übernahme von Willis Towers Watson zurückschlagen. Die Gespräche wurden im März 2019 ohne offizielle Gründe abgeblasen. Kritiker sahen aber zu große Überlappung bei den Makleraktivitäten.

Ein Jahr später überrascht Aon dennoch alle mit einem Deal. Es fließen 30 Mrd. Dollar, aber nicht in Form vom Bargeld. Die Willis-Towers-Watson-Aktionäre sollen für jede ihrer Aktien 1,08 Aon-Papiere bekommen, einen Aufschlag von 16 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag. Sie halten damit rund 37 Prozent an dem fusionierten Unternehmen.

In der Versicherungsbranche ist es einer der größten Übernahmen vor dem Hintergrund des Brexit, den Handelskonflikten zwischen USA und China, dem Klimawandel und der aktuellen Coronakrise. Eine Konsolidierung ist unausweichlich. Die Branche kämpft mit fallenden Gewinnmargen, weil die Prämien im harten Wettbewerb sinken, zugleich aber die Kosten für zu begleichende Schäden steigen.

Synergieeffekte von 800 Mio. Dollar im Jahr

Aon entstand 1982 aus der Fusion der US-amerikanischen Versicherungsunternehmen Ryan Insurance Group und Combined International Corporation. 2010 übernahm die Gruppe den damaligen Wettbewerber Hewitt Associates für 4,9 Mrd. Dollar. Heute ist Aon ein globales Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen, das sich den Themen Risiko, Altersversorgung, Mitarbeiterentwicklung und Gesundheit widmet, und beschäftigt 50.000 Angestellte in 120 Ländern. 

Willis Towers Watson zählt sich zu den weltweit führenden Unternehmen in den Bereichen Advisory, Broking und Solutions. 2015 übernahm der Versicherungsmakler Willis das Beratungsunternehmen Towers Watson für 18 Mrd. Dollar.Die Wurzeln des Konzerns reichen bis in das Jahr 1828 zurück – heute beschäftigt Willis Towers Watson mehr als 45.000 Mitarbeitern in über 140 Ländern.

Das neu fusionierte Unternehmen, das unter dem Namen Aon auftreten soll und von Aon-Chef Greg Case aus London geführt wird, kommt auf einen Börsenwert von rund 80 Mrd. Dollar. Es würde 20 Mrd. Dollar an Umsatz und einen operativen Mittelzufluss von 2,4 Mrd. Dollar im Jahr.  erwirtschaften. Die künftigen Partner hoffen auf Synergieeffekte von 800 Mio. Dollar im Jahr.

Autor: VW-Redaktion

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