Jahresbilanz Munich Re: Wenning und das Klima

Joachim Wenning. Quelle: Munich Re

Rückversicherer haben es nicht gerade leicht: Erst die Naturkatastrophen rund um den Globus, welche den großen Playern der Branche die Bilanz verhageln – jetzt das Coronavirus. Nach der Swiss Re legt die Konkurrenz aus München am Freitag die Bilanz für 2019 vor. Offen bleibt die Frage: Bleibt die Munich Re auf Kurs?

Bereits im November 2019 wurde klar, dass die Naturkatastrophen des letzten Jahres wieder ihre Spuren in der Bilanz der Munich Re hinterlassen werden. So leidet der Rückversicherer aus München vor allem unter den Folgen von Hurrikan „Dorian“ und Taifun „Hagibis“. Trotzdem hält der Konzern an seinem Gewinnziel von etwa 2,5 Mrd. Euro bei einem Beitragsvolumen von mehr als 49 Mrd. Euro und einer Combined Ratio von 98 Prozent für 2019 fest – auch dank hoher Gewinne aus Finanz- und Währungsgeschäften.

So verwundert es nicht, dass Konzernchef Joachim Wenning einen besonderen Fokus auf den Klimawandel legt. „Wir werden auf allen Kontinenten Folgen der Klimaveränderung erleben – etwa in Form von Stürmen, Überschwemmungen oder Dürren. Die Zahl der Naturkatastrophen wird zunehmen, gleichzeitig wird die Intensität bestimmter Katastrophen extremer. Da sind sich alle unsere Klimawissenschaftler einig“, betonte der CEO Ende 2019 in einem Interview mit dem Münchener Merkur.

Zudem dürften die Herausforderungen durch humanitäre Katastrophen „eine Dimension einnehmen, die schwer zu organisieren sein wird. Der Klimawandel wird ganze Völker betreffen, die in bestimmten Landstrichen nicht mehr leben und überleben können. Bis 2030 wird die Weltbevölkerung von heute 7,5 Milliarden Menschen auf 8,5 Milliarden anschwellen“, ergänzt er gegenüber dem Handelsblatt.

Es ist durchaus lobenswert, dass sich der Rückversicherer beim Thema Klimaschutz selbst in die Verantwortung nimmt. So ist die Munich Re der sogenannten „Net-Zero Asset Owner Alliance“ beigetreten. Das Gremium setzt sich aus Versicherern, Vermögensverwaltern und Pensionskassen zusammen und hat sich zum Ziel gesetzt, ihre Anlageportfolios bis 2050 klimaneutral zu halten.

Der Fokus auf mehr Nachhaltigkeit ist allerdings nicht der alleinige Schwerpunkt in der Ägide Wenning: „Es gibt neue Risiken wie Cyberkriminalität, Algorithmus-Versicherungen oder das Internet der Dinge“, betonte er unlängst. Das Ziel ist jedenfalls klar: Perspektivisch will der CEO der Munich Re die Gewinnmarke von drei Mrd. Euro knacken.

Wie das konkret aussehen soll, ist allerdings noch nicht bekannt. Entsprechende Überlegungen für den neuen Langfristplan befinden sich allerdings noch in einem frühen Stadium. Vorgestellt werden soll die Strategie etwa vier Wochen vor dem nächsten Investor-Day des Konzerns im Herbst 2020.

Dass er damit im Führungsgremium der Munich Re möglicherweise nicht immer den unbedingten Rückhalt findet, bleibt bei solch strategischen Fragen indes nicht aus. Dennoch gilt Wenning als besonders gradlinig und schwimmt nach eigenen Angaben auch mal gegen den Strom, wenn es notwendig wird. Reibungspunkte bleiben naturgemäß nicht aus.

Für Wenning sind zurzeit die Ziele Gewinnsteigerung, digitale Transformation und Komplexitätsreduktion vorrangig. Zu den Großeinkäufen anderer Rückversicherer, die dadurch anorganisch wachsen wollen, macht er keine Aussagen. Eigene Zukäufe seien durchaus im Bereich des Möglichen. Wenning sagt von sich selbst, nicht „Everybody`s Darling“ sein zu wollen. Er schwimme auch gegen den Strom, extern wie intern, wenn es denn nötig sei.

Falls er in bestimmten Situationen Entscheidungen treffe, die nicht allen gefallen, nehme er dabei auch ein Knirschen in Kauf. Das sei in Ordnung, solange man die Personen- von der Sachebene trenne. Ihm selbst sei es wichtig, auch unangenehme Wahrheiten zu hören. Deshalb nehme er auch umgekehrt kein Blatt vor den Mund. 

Und das zahlt sich aus: Wenning gewinnt in der Öffentlichkeit mittlerweile kräftig an Konturen. Keine leichte Aufgabe als Nachfolger des großen Nikolaus von Bomhard. Mittlerweile wird sein fest mit dem Münchener Rückversicherungskonzern verknüpft. Das hat sich der Manager klug erarbeitet. Er drängt sich nicht in den Mittelpunkt, hält sich mit großen strategischen Verlautbarungen zurück, tritt auf Events locker und freundlich auf, ohne die gesunde Distanz zu verlieren. Das kommt gut an. Der Ausstieg aus der Kohle hat ihm und der Munich Re viele Pluspunkte eingebracht.

Ob er allerdings bei der Vorlage der Geschäftsbilanz 2019 allerdings weitere „Credit Points“ auf seinem Konto verbuchen kann, wird sich im Laufe des Freitag erweisen.

Autor: VW-Redaktion

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