Continentale-Vorstand Hofmeier: „Vorsorge muss sich künftig noch flexibler an wandelnde Lebensläufe anpassen“

Helmut Hofmeier, Vorstand Leben der Continentale. Quelle: Continentale

Die Lebensversicherung schwächelt, die betriebliche Altersvorsorge kommt nicht vom Fleck und die CDU macht sich für eine „Deutschlandrente“ stark. VWheute hat Helmut Hofmeier, Vorstand Leben der Continentale, um eine exklusive Bestandsaufnahme gebeten.

VWheute: Tue ich der Continentale in der Lebensversicherung unrecht, wenn ich die Strategie der letzten Jahre mit „einfach und fondsaffin“ beschreibe?

Helmut Hofmeier: Mit „einfach“ tun sie uns auf keinen Fall unrecht. Im Gegenteil: Das ist ein großes Lob. Wenn bei Ihnen und den Vermittlern angekommen ist, dass wir leicht verständliche Produkte anbieten, dann machen wir unseren Job genau richtig. Denn wir wollen unseren Kunden Produkte zur Verfügung stellen, mit denen sie effizient und passgenau vorsorgen können und die einfach verständlich sind.

Die Beschreibung „fondsaffin“ ist nicht falsch, aber zu einseitig. Die Continentale zählt zu den wenigen Lebensversicherern, die eine umfassende Produktpalette anbieten und feste Garantien zusagen. Dazu gehören fondsgebundene und moderne klassische Produkte für die Altersvorsorge in allen Schichten, wie wir sie erst vor zwei Jahren auf den Markt gebracht haben. Wir setzen außerdem auf leistungsstarke Tarife für die biometrischen Risiken Berufs- und Erwerbsunfähigkeit. Das haben wir jetzt mit der Continentale PremiumBU für Zukunftsberufe erneut bewiesen. Wir geben Kunden und Vermittlern den Schutz, den sie wollen und für eine bedarfsgerechte Absicherung brauchen.

VWheute: Wie wichtig sind Aktien- und Fondsanlagen in Zeiten der Nullzinsen, was sind die größten Risiken und Möglichkeiten?

Helmut Hofmeier: Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Direkte Investments in Fonds und Aktien sind nicht für jedermann die passende Anlageform. Das Ziel ist doch, dass sich ein Großteil der Menschen langfristig eine auskömmliche Altersvorsorge aufbaut. Dafür braucht es hohe Planungssicherheit und gute Renditechancen. Diese beiden wichtigen Aspekte verbindet die fondsgebundene Rentenversicherung – ob mit oder ohne Garantie – besonders effizient.

Zumal diese Form der Altersvorsorge gegenüber direkten Investments viele Vorteile bietet. Allen voran die lebenslang garantierte Rente. Der Kunde kann schon mit kleinen Summen seine Anlage breit streuen und hat Zugriff auf Fonds und Depots, zu denen er als Kleinanleger allein keinen Zugang hätte. Bei der Continentale ist zum Beispiel der Einstieg schon ab einem monatlichen Beitrag von zehn Euro möglich.

VWheute: Sie arbeiten in der Fondswelt mit Partnern wie Blackrock zusammen, in der bAV mit der Deutschen Unterstützungskasse (DUK). Wie wichtig sind Partner in der Welt der Altersvorsorge und was muss im Haus selbst geregelt werden?

Helmut Hofmeier: Bei der Continentale hat der Kunde die Auswahl aus einer sehr umfangreichen Fondspalette, bestehend aus mehr als 80 Fonds von über 40 Kapitalanlagegesellschaften. Dieses Expertenwissen bei uns im Unternehmen abzubilden wäre schon aus Kostengründen nicht sinnvoll. Unsere Fachleute wählen diese Fonds sorgfältig aus und passen die Auswahl zudem regelmäßig an. So bleiben wir und damit auch unsere Kunden in der Fondsauswahl unabhängig.

Im Bereich der bAV erleichtern wir es Maklern durch die Kooperation mit der DUK, bei der Rückdeckungsversicherung auf die leistungsstarken Produkte der Continentale zuzugreifen. Gleichzeitig profitieren sie von günstigen Konditionen für Kollektive. Zusätzlich können wir diesen Durchführungsweg aber auch über die Continentale Unterstützungskasse, die zu unserem Verbund gehört, anbieten.

Im Haus geregelt werden muss selbstverständlich die wichtigste Aufgabe eines Versicherers: Neue Produkte zu konzipieren und diese nachhaltig im Sinne aller Beteiligten zu kalkulieren.

VWheute: „Echte Alternativen zur LV gibt es nicht“, stimmen Sie zu und was ist der Vorteil einer Kapital-LV gegenüber einer guten Risiko-LV und einem ETF?

Helmut Hofmeier: Wenn es um die Altersvorsorge geht, gibt es schlicht keine Alternative. Eine Risiko-LV ist ein sinnvoller Schutz, wenn der Kunde Angehörige für den Fall seines Todes absichern will. Aber für die eigene Rente hat er damit noch nichts getan. Mit ETFs kann er vielleicht gute Rendite und ein ordentliches Sümmchen erwirtschaften. Aber für seine Altersvorsorge hat er damit nicht genug getan. Denn das angesparte Kapital reicht vielleicht nicht bis zum Lebensende. Nur eine Rentenversicherung ermöglicht dem Kunden eine lebenslang garantierte Rente und damit ein lebenslanges Einkommen. Dabei ist es egal, ob er 72 oder 112 Jahre alt wird.

VWheute: Sie bieten, wie die meisten Anbieter, ein breites Produktangebot, von der Basis- zur Riester-Rente über verschiedene Formen der Lebens- und Rentenversicherung. Ist diese Breite notwendig und bietet sie nicht Fintechs Angriffsmöglichkeiten, die sich auf einen bestimmten Bereich konzentrieren?

Helmut Hofmeier: Im Gegenteil: Unsere breite Aufstellung ist ganz klar ein Wettbewerbsvorteil. Zumal wir daraus auch Synergien schöpfen können, denn bestimmte Features können wir für verschiedene Angebote und in verschiedenen Schichten nutzen. Als erfahrener Lebensversicherer bieten wir unseren Kunden und Vermittlern ausgezeichnete, nachhaltig kalkulierte Produkte, mit denen sie bedarfsgerecht vorsorgen können.

Gleichzeitig bieten wir bei diesen komplexen Themen eine qualifizierte Beratung sowie Services, die vor allem sicherheitsorientierte Kunden schätzen. Denn machen wir uns nichts vor – die Lebens- und Rentenversicherung ist und bleibt ein Angebots- und kein Nachfragemarkt. Und Fintechs sind ja nicht die einzigen, die Digitalisierung und moderne Formen der Kommunikation beherrschen. Diese Aspekte stehen für uns – sowohl für den Vermittler als auch für den Kunden – ganz klar oben auf der Agenda.

VWheute: Welcher Bereich in der AV ist branchenweit unterepräsentiert und das Wachstumsfeld der Zukunft. Wie wollen Sie da hineinstoßen?

Helmut Hofmeier: Das größte Potenzial gibt es in der betrieblichen Altersversorgung, die durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz positiv in den Fokus der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gerückt wurde.

Die Continentale hat diesen Trend früh erkannt und sich in dem Segment neu ausgerichtet. Auch hier setzen wir neben ausgezeichneten Produkten und einer hohen Kompetenz auf die besondere Stärke unseres Verbundes: die dezentrale Struktur. Durch unsere qualifizierten Fachleute vor Ort gewährleisten wir eine persönliche Betreuung der Vermittler.

Besonders freut uns daher, dass unser bAV-Service in der Beliebtheit der unabhängigen Vermittler deutlich nach vorne gerückt ist. In der aktuellen Studie „AssCompact Award – Maklerservice 2019“ gelang uns dieses Jahr mit Platz vier erstmals der Sprung unter die zehn Bestplatzierten. Nach dem Net-Promoter-Score, einer Kennzahl für die Weiterempfehlungsbereitschaft, rangiert die Continentale in dieser Studie sogar auf Platz zwei.

VWheute: Der LV-Experte Hermann Weinmann spricht von einer „verlorenen Dekade in der Lebensversicherung“. Ihre Meinung dazu?

Helmut Hofmeier: Für die Branche trifft das zu, für die Continentale – und das sage ich nicht ohne Stolz – glücklicherweise nicht. Wir sind in den vergangenen Jahren stets gewachsen und zwar vor allem durch Neugeschäft gegen laufenden Beitrag.

VWheute: „Warum die Bevölkerung nicht vorsorgt und was Vermittler daraus lernen können“ (2018) und “ Befragte wollen für das Alter vorsorgen, wissen aber häufig nicht wie“ (2019). Das sollte Ihnen bekannt vorkommen, es sind Aussagen ihrer Studie. Was haben Sie für Schlüsse gezogen, was verändert?

Mit unseren Studien zeigen wir den Vermittlern, wie ihre Kunden ticken. Damit bieten wir ihnen Beratungsansätze. Zudem helfen wir ihnen, zielgerichtet über die Themen aufzuklären, bei denen der Kunde tatsächlich Informationsbedarf hat. Gleichzeitig qualifizieren wir unsere Vertriebspartner in Webinaren und Workshops sowie mit unseren LV- und bAV-Roadshows.

VWheute: Ich kann es nicht mehr hören, aber ich muss fragen, kommt der Provisionsdeckel und wie?

Helmut Hofmeier: Vermittler müssen für ihre qualifizierte Beratung entsprechend honoriert werden. Davon bin ich überzeugt. Ansonsten halte ich es mit der Redewendung: „Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen.“

VWheute: Ihre Prognose im Bereich der Altersvorsorge, was wird an Bedeutung gewinnen, was verlieren?

Helmut Hofmeier: An Bedeutung gewinnen werden Produkte, die Garantien genau dann bieten, wenn sie notwendig sind – nämlich zu Rentenbeginn und in der Rentenphase. So können sie in der Ansparphase ihre Wirkung voll entfalten und damit für eine auskömmliche Altersrente sorgen. Policen, die umfassende Garantien schon in der Ansparphase vorsehen, werden nur noch für bestimmte Kundentypen und Vorsorgeszenarien in der bAV eine Rolle spielen.

Zudem muss sich die Vorsorge künftig noch flexibler an sich wandelnde Lebensläufe anpassen lassen. Und nicht zuletzt werden für Vermittler und Kunden schnelle und effiziente Prozesse, in der Beratung, bei Vertragsabschluss und in der Auszahlungsphase, wichtiger.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.

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