Geschäftserwartungen der Versicherer sinken deutlich
Die Erwartungen der Versicherer für die kommenden Monate trüben sich ein. Bildquelle: David Schwarzenberg auf Pixabay
Das Geschäftsklima in der deutschen Versicherungswirtschaft hat sich im zweiten Quartal 2026 weitgehend stabil gezeigt, die Zukunftserwartungen der Branche geben jedoch nach. Wie aus Berechnungen des ifo-Instituts hervorgeht, liegt der Index für das Geschäftsklima mit 7,9 Punkten auf dem Niveau des Vorquartals. Der Indikator für die Geschäftserwartungen der kommenden Monate sank hingegen um 7,4 auf minus 7,0 Punkte.
Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) führt die zunehmende Vorsicht auf die hohe allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit, das schwache Potenzialwachstum sowie die zeitversetzte Auswirkung gesamtwirtschaftlicher Entwicklungen auf die Branche zurück.
Innerhalb der einzelnen Sparten verläuft die Entwicklung unterschiedlich. In der Lebensversicherung verschlechterte sich das Geschäftsklima deutlich um 13,7 auf 0,6 Punkte. Obwohl die Befragten ihre aktuelle Lage mit einem Plus von 1,7 auf 20,0 Punkte etwas besser bewerten als zuvor, brachen die Geschäftserwartungen um 27,5 auf minus 17,2 Punkte ein.
Differenziert stellt sich die Lage im Neugeschäft dar: Bei den laufenden Beiträgen stiegen die Erwartungen um 0,6 auf 26 Punkte, begünstigt durch das höhere Zinsniveau und den anstehenden Start der neuen geförderten Altersvorsorge. Im Geschäft mit Einmalbeiträgen fielen die Erwartungen um 8,8 auf minus 23,5 Punkte.
In der Schaden- und Unfallversicherung hellte sich die Stimmung vor allem dank einer positiver bewerteten Ist-Situation auf. Das Geschäftsklima stieg um 8,5 auf 11,0 Punkte, wobei die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage um 26,5 auf 36,6 Punkte zulegte.
Ein optimistischeres Bild zeigt sich auch in der Kraftfahrtversicherung, wo das Geschäftsklima 22,3 Punkte erreichte. Der GDV hob seine Prognose für das Beitragswachstum in dieser Sparte für das Gesamtjahr 2026 von zuvor 6,4 Prozent auf knapp sieben Prozent an.
Trotzdem verweist die Branche auf eine angespannte Lage mit einer erwarteten Combined Ratio von rund 99 Prozent sowie auf anhaltende Belastungen durch steigende Schadenkosten und Inflation.
Die Geschäftserwartungen für die Gesamtsparte Schaden und Unfall sanken um 7,1 auf minus 11,9 Punkte, was unter anderem auf die anziehende Inflation und die Erwartung einer Normalisierung der Naturgefahrenschäden zurückgeführt wird. Die Schadenlage selbst wurde zwar um 14,1 Punkte besser bewertet als im Vorquartal (minus 35,0 Punkte), die Schadenserwartungen bewegen sich mit minus 59,1 Punkten jedoch klar im negativen Bereich.
Autor: VW-Redaktion
