Munich Re wegen LNG in der Kritik: „Wir fordern den neuen Vorstandsvorsitzenden Christoph Jurecka auf, diese Doppelmoral endlich zu beenden“
Walking-Man vor dem Munich-Re-Hauptgebäude. Bildquelle: AK
Im Vorfeld seiner Hauptversammlung erntet der Rückversicherer Munich Re wie in den Vorjahren Kritik an seiner Klimastrategie. Die Umweltorganisation urgewald wirft dem Konzern vor, trotz eigener Warnungen vor den Folgen der Klimakrise weiterhin den Ausbau von Flüssigerdgas-Infrastruktur (LNG) durch Versicherungsschutz zu ermöglichen.
In einer aktuellen Mitteilung verweist Urgewald auf die Diskrepanz zwischen den Forschungsberichten der Munich Re und deren geschäftlichem Handeln. Während das Unternehmen die globalen Schäden durch Naturkatastrophen für das Jahr 2024 auf 320 Milliarden US-Dollar bezifferte, bleibe es ein aktiver Akteur bei der Absicherung fossiler Projekte.
Zwar legte Munich Re Ende 2025 die Strategie „Klimaambition 2030“ vor und passte im Januar 2026 seine Richtlinien an, doch laut urgewald greifen diese Maßnahmen zu kurz. Neue LNG-Terminals seien nur dann von der Versicherung ausgeschlossen, wenn sie direkt und exklusiv mit neuen Gasfeldern verbunden sind. Diese enge Definition lasse den Großteil der Projekte – insbesondere in Fracking-Gebieten oder bei bestehenden Gasfeldern – unberührt.
Regine Richter, Versicherungs-Campaignerin bei urgewald, kritisiert diese Haltung: „Vor den Bedrohungen der Klimakrise warnen und gleichzeitig Prämien für den Betrieb von LNG-Terminals kassieren, das passt nicht zusammen. Wir fordern den neuen Vorstandsvorsitzenden Christoph Jurecka auf, diese Doppelmoral endlich zu beenden.“
Aufmerksamkeit lenkt die Organisation auf die USA, wo unter der Trump-Regierung ein massiver Ausbau der Gasexporte forciert wird. An der US-Golfküste seien derzeit bis zu 20 neue LNG-Projekte geplant, die laut urgewald nicht nur das Klima belasten, sondern auch die lokale Luftqualität verschlechtern und gesundheitliche Risiken wie Asthma und Krebserkrankungen erhöhen. Zudem wird ein Rückgang der Fischbestände mit den Anlagen in Verbindung gebracht.
Neben dem Gassektor steht auch der Kohleausstieg in der Kritik. Munich Re plant den vollständigen Rückzug aus der Kohleversicherung „erst“ für das Jahr 2040. Das sei etwa zehn Jahre zu spät für gängige Transformationsszenarien. Für den Öl- und Gasbereich fehlt ein verbindliches Enddatum bislang komplett.
„Munich Re lässt zu viele Schlupflöcher für die fossile Industrie offen. Eine ernst zu nehmende Exit-Strategie aus fossilen Brennstoffen ist bisher nicht zu erkennen“, kritisiert Richter. „Vom zweitgrößten Rückversicherer der Welt erwarten wir viel mehr Führung beim Klimaschutz, kein Zaudern und Zögern. Der Vorstand unter dem neuen CEO Christoph Jurecka muss zur Hauptversammlung Farbe bekennen: Wann endet die Versicherung von Gasinfrastruktur endgültig?“
Autor: VW-Redaktion
