„Unverschämt“ günstige Kriegsversicherung für Emirates
Die Fluggesellschaft Emirates muss für ihre Kriegsdeckung weitaus weniger bezahlen als die internationale Konkurrenz. Bildquelle: Emirates
Die Fluggesellschaft Emirates zahlt für ihre Kriegsdeckung weitaus geringere Beträge als ihre internationale Konkurrenz. Das berichtet die Financial Times. Seit dem Ausbruch der militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA, Israel und dem Iran entrichtet die Linie demzufolge eine zusätzliche Prämie von lediglich etwa 100.000 US-Dollar pro Woche. Branchenexperten bezeichnen die Summe angesichts der massiven Bedrohungslage im Luftraum des Nahen Ostens als „unverschämt“ niedrig.
Die Diskrepanz zu anderen Marktteilnehmern ist frappierend: Während die Pauschalprämie von Emirates die gesamte Flotte abdeckt, müssen Fluggesellschaften mit Sitz außerhalb der Golfregion für jeden einzelnen Flug in die Krisenzone Zusatzgebühren zwischen 70.000 Dollar und 150.000 Dollar leisten, heißt es im Bericht. Betreiber von Privatjets werden teils mit bis zu 50.000 Dollar pro Einzelflug belastet.
Diese Vorzugskonditionen für Emirates stoßen im Markt auf Widerstand. Mindestens eine Versicherungsgruppe lehnte eine Beteiligung an dem Deal ab, da die vom Federführer Atrium festgesetzten Tarife als nicht risikogerecht eingestuft wurden. „Es ist eine sehr günstige Deckung, der wir und andere nicht zugestimmt haben“, konstatierte ein Manager gegenüber FT.
Ausgehandelt wurde die Police durch den Versicherungsmakler WTW. Sie sichert die ersten zwei Mrd. Dollar an Flottenverlusten ab. Die Summe liegt nahe an der Kapazitätsgrenze der globalen Spezialversicherungsmärkte.
Dass Emirates trotz wiederholter Betriebsunterbrechungen am Flughafen Dubai durch Raketen- und Drohnenaktivitäten derart milde Konditionen genießt, begründen Experten mit der spezifischen Marktstellung der Golf-Airlines. Diese verfügen über eine enorme operative Erfahrung in der Region und koordinieren sich engstens mit den lokalen Behörden. Zudem wird der Luftraum über den VAE massiv militärisch geschützt, unter anderem durch französische und britische Kampfjets. Ein Versicherer, der die Fluggesellschaft zu dem niedrigeren Tarif gezeichnet hatte, betont, dass man sich faktisch fügen müsse, sonst riskiere man, das Geschäft mit Emirates zu verlieren.
Obwohl die Passagierzahlen laut Branchenkennern noch immer deutlich unter dem Niveau vor dem Konflikt liegen, hat Emirates mehr als die Hälfte seiner Dienste wieder aufgenommen. Auch Etihad (Abu Dhabi), Air Arabia (Schardscha) und Qatar Airways (Doha, mit eingeschränktem Service) haben den Betrieb wieder aufgenommen. Emirates gilt als der größte Akteur und führt mehr Flüge durch als seine beiden Premium-Rivalen Etihad und Qatar zusammen. Die deutsche Lufthansa will bis mindestens 30. April mit keinem Flieger Ziele in der Krisenregion im Nahen Osten ansteuern.
Autor: VW-Redaktion
