Allianz-Vorstand Wimmer zerpflückt die Reformpläne der privaten Altersvorsorge: „Es sollte nicht nur um Aktien gehen“

Andreas Wimmer, Vorstandsvorsitzender Allianz Leben. Quelle: Allianz

Die Bundesregierung will laut Koalitionsvertrag die gesetzliche Rente weiter ausbauen. Doch welche Rolle spielt dabei die private Altersvorsorge? Andreas Wimmer, Vorstand der Allianz SE, kommentiert das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates des Bundesfinanzministeriums. „Für Deutschland springt das schwedische Modell zu kurz“, schreibt er in einem Zeitungsbeitrag.

In der Essenz scheinen die Autoren des Gutachtens für Wimmer ein verpflichtendes Zusatzsystem aus
einem staatlichen und privaten „Standardangebot“ zu bevorzugen, ohne sich auf ein konkretes Modell festzulegen. „Einige Kommentatoren ziehen den Schluss, das sogenannte schwedische Modell oder
die Aktienrente wären die richtige Folgerung. Doch das könnte zu kurz springen“, führt Wimmer seinen Beitrag in der Börsen-Zeitung ein.

Seiner Meinung sollte eine breitere Anlagebasis haben und eben nicht nur den Fokus auf Aktien setzen, sondern auch alternative Anlagen berücksichtigen. „Endowment-Fonds der großen amerikanischen Universitäten haben sehr früh einen erheblichen Teil ihres Vermögens in alternative Anlageklassen investiert. Auch bei großen Pensionskassen im angelsächsischen Raum, aber auch in Nordeuropa und der Schweiz ist dies inzwischen Standard. Die Wertentwicklung alternativer Anlageklassen ist weit weniger abhängig von den Bewegungen an Aktienund Anleihemärkten und damit weniger volatil.“

Wimmer fordert auch die „Nutzung kollektiver Systeme und effizienter Glättungsmechanismen“. Konkret sagt er: „Das im Rahmen des sogenannten Betriebsrentenstärkungsgesetzes neu entwickelte Modell einer reinen Beitragszusage in der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) stellt hier einen interessanten Ansatz dar, bei dem basierend auf einer Steuerung der Tarifparteien kollektive Systeme geschaffen werden, in denen Sicherungspuffer aufgebaut und ein solcher Ausgleich auch für die Rentenphase genutzt werden kann.“ Zudem will er die Altersvorsorge auch mit dem Transformationsprozess des Landes verbinden und schlägt vor, dass das angelegte Geld in Infrastrukturprojekte fließen sollte.

Vor allem stört ihn aber die Idee mit verpflichtenden Standardprodukten, die angeblich die Aktienkultur fördern werden „und einen Beitrag zur Finanzbildung und zum Vermögensaufbau der Bevölkerung leisten. Aber: Über ein Zwangssystem Finanzbildung zu stärken, erscheint vorsichtig formuliert nicht besonders zielführend.“

Autor: VW-Redaktion

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