Bastian Kunkel: „Versicherungsdeutsch ist einfach sehr kompliziert“

Bastian Kunkel. Quelle: Jan-Philipp Behr //andsafe

Die Versicherungsbranche hat seit Langem nicht gerade den besten Ruf. Ein wesentlicher Grund dafür liegt nicht nur in der Budapest-Reise der Ergo-Tochter Hamburg Mannheimer oder dem Skandal um den gefallenen Star-Vermittler Mehmet Göker. „Und die Medien haben gesehen, dass sich negative Versicherungsschlagzeilen verkaufen“, glaubt Bastian Kunkel.

„In der Bild-Zeitung werden Sie niemals lesen, dass Frau Müller weiterhin finanziell existieren kann, weil sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hatte und die Versicherung auch gezahlt hat. Obwohl das die Regel ist. Stattdessen erfährt man immer nur von Fällen, in denen die Versicherung die Zahlung verweigert. Es entsteht ein verzerrtes Bild und die Leute denken: ‚Ja klar, am Ende des Tages werden die eh nicht zahlen, warum soll ich dann was abschließen“, konstatiert der Versicherungskaufmann im Gespräch mit dem Nachrichtensender ntv.

Dabei sei die Gefahr, „dass man aufgrund einer bestimmten Meinung Entscheidungen für oder gegen Versicherungen trifft. Oft sagen Eltern ihren Kindern ‚Mach das bloß nicht, das sind alles Gauner, Halsabschneider, Provisionsgeier“. Und die Kinder übernehmen diese Meinung dann.

Hinzu komme, dass Versicherungsdeutsch für viele Verbraucher schlichtweg „einfach sehr kompliziert“ sei. „Für das Vertrauen spielt Sprache eine entscheidende Rolle. Wenn man einen Versicherungsvertrag vor sich hat, aber nur Bahnhof versteht, fördert das kein Vertrauen. Wenn ich nicht kapiere, was da drin steht, bin ich mir auch im Leistungsfall unsicher“, erläutert Kunkel.

„Dabei müsste das Gegenteil der Fall sein, statt verunsichert sollte man sich sicher fühlen. In der Regel hat man 50 oder mehr Seiten Versicherungs-AGB vor sich. Wenn Sie keinen Abschluss in Jura haben, wird’s schwierig, das alles zu kapieren. Versicherungsbedingungen und Versicherungstexte müssen viel einfacher und verständlicher werden, sodass Menschen dieses Vertrauen wieder aufbauen können“, ergänzt der Versicherungsexperte.

Seit 2016 übersetze er daher „die komplizierten Versicherungsbedingungen in verständliches Deutsch und versuche dadurch, die Angst vor Versicherungen zu nehmen. Ich erfülle dort nicht die negative Erwartungshaltung der Menschen. Die Leute erwarten einen Typen im Anzug, der sie mit irgendwelchen Versicherungen zuredet, die sie nicht haben wollen. Ich erkläre einfach erstmal nur. So verstehen die Leute, welche Versicherung sie möglicherweise brauchen“.

Dabei gehe es vor allem „um Aufklärung, natürlich aber auch um Marketing für unsere Dienstleistung. Wer will, kann seine oder ihre Berufsunfähigkeitversicherung, private Krankenversicherung oder auch Altersvorsorge über uns abschließen oder bestehende Verträge prüfen lassen. Das läuft dann alles digital, von der Online-Beratung bis hin zum Vertrag, der mit digitaler Unterschrift geschlossen wird. Ich erreiche so vor allem junge Menschen, obwohl die sich angeblich nicht für Finanzen oder Versicherungen interessieren sollen. Das stimmt nicht. Einer der häufigsten Kommentare unter meinen Videos bei TikTok lautet: ‚Warum habe ich das nicht in der Schule gelernt?'“

Zudem hätten die Deutschen viele „Versicherungen, die sie eigentlich nicht brauchen, und davon haben sie sehr viele. Gleichzeitig fehlen ihnen die wichtigsten Basis-Versicherungen. Sehr viele haben eine Vollkaskoversicherung fürs Auto, aber keine Vollkaskoversicherung für ihre eigene Arbeitskraft. Sehr viele haben eine Handyversicherung, aber noch nichts für die eigene Altersvorsorge getan. Das Bewusstsein dafür, welche Versicherung man wirklich braucht, ist noch ausbaufähig“, betont Kunkel.

Autor: VW-Redaktion

2 Kommentare

  • „ In der Bild-Zeitung werden Sie niemals lesen, dass Frau Müller weiterhin finanziell existieren kann, weil sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hatte und die Versicherung auch gezahlt hat.…“

    Vielleicht gibt es solche Fälle auch nicht, denn mit 70% des früheren Nettoeinkommens kann man nicht so leben wie vor dem Leistungsfall.

    „Hinzu komme, dass Versicherungsdeutsch für viele Verbraucher schlichtweg „einfach sehr kompliziert“ sei.“

    Versicherungsbedingungen sind so auszulegen, wie sie ein „durchschnittlicher“ Versicherungsnehmer versteht. Das ist ständige Rechtsprechung.

  • Ich finde, der letzte Absatz trifft voll zu. Wenn nicht wirklich mal etwas passiert, werden die wenigsten Leute die Zeit investieren, die für die Recherche für das Thema notwendig ist. Aber heutzutage muss man beim Thema Versicherungen einfach einige Abstriche machen. Wenn man jede Versicherung abschließen würde, die von irgendwelchen Experten empfohlen wird, hätte man am Ende des Monats gar nichts mehr übrig.

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