Stagflation belastet Schaden- und Unfallversicherung

Der Schweizer Rückversicherer sorgt sich um die wirtschaftliche Zukunft. Quelle: Bild von Foto-Rabe auf Pixabay

Die Swiss Re scheint sich ernsthafte Sorge um die wirtschaftliche Zukunft in den kommenden beiden Jahren zu machen. So prognostiziert das Swiss Re Institute in einer aktuellen Sigma-Studie für 2022 und 2023 ein stagflationsähnliches wirtschaftliches Umfeld, das durch eine höhere Inflation und ein geringeres reales BIP-Wachstum gekennzeichnet ist.

Zu den Schlüsselfaktoren für ein stagflationsähnliches Szenario gehören angebotsseitige Schocks durch den Krieg in der Ukraine, die sich bereits in den weltweiten Rohstoffpreisen bemerkbar machen, heißt es in der Analyse. Dies geschehe mitten in einer hohen Inflation, die durch politische Anreize und die Wiedereröffnung nach COVID-19 angetrieben wird. Eine aggressivere Straffung der Geldpolitik als Reaktion auf die höhere Inflation werde das Wachstum weiter belasten, heißt es weiter.

Die Auswirkungen dieses Szenarios werden nach Berechnungen der Swiss Re auch in der Schaden- und Unfallversicherung zu spüren sein, die inflationären Einflüssen ausgesetzt ist. Die Sachversicherung ist den höheren Baupreisen ausgesetzt, während die Kfz-Sparten von höheren Preisen für Autoteile und Lohnsteigerungen betroffen sind. Die Unfallversicherung sei jedoch weniger stark von der allgemeinen Inflation betroffen.

„Nach 50 Jahren Abwesenheit ist die Stagflation wieder voll auf dem Radar und wir müssen jetzt besonders diszipliniert sein. 2022 wird für die Versicherer ein herausforderndes Jahr, in dem beide Seiten der Bilanzen unter Druck stehen werden. Der Silberstreif am Horizont für die Versicherer ist, dass wir aus dem Umfeld der ‚lang anhaltenden‘ Niedrig- und Negativzinsen herauskommen, und dieser Regimewechsel wird den Versicherungsunternehmen mittel- und längerfristig zugutekommen. Die ‚risikofreien‘ Zinssätze sind schließlich nicht mehr renditefrei.“

Jérôme Haegeli, Chefvolkswirt der Swiss Re

Für die Kranken- und Lebensversicherung rechnet der Schweizer Rückversicherer hingegen mit vorwiegend positiven Auswirkungen, da sie von höheren Zinssätzen auf Kapitalerträge profitieren würden. Geringere verfügbare Einkommen und eine langsamere Konjunktur können jedoch letztendlich die Stornoraten erhöhen und die Nachfrage nach Lebensversicherungsprodukten dämpfen.

Dabei könnten die Versicherer die Abwärtsrisiken der Wirtschaftslage durch ein starkes Kapital- und Risikomanagement, eine Neufestsetzung der Versicherungsrisiken zur Berücksichtigung höherer Schadenskosten, Rückversicherungstransaktionen, Umschichtung von Vermögenswerten in Anlageportfolios und Absicherung gegen die Inflation abmildern.

„Glücklicherweise ist es unwahrscheinlich, dass sich die Geschichte wiederholt – die heutige wirtschaftliche Realität sieht ganz anders aus als in den 1970er-Jahren. Die Zentralbanken handeln sehr energisch, um das Abwärtsrisiko einer Stagflation wie in den 1970er-Jahren in Schach zu halten. Folglich und angesichts der bevorstehenden aggressiven Zinserhöhungen der Fed scheint eine sanfte Landung in den USA Wunschdenken zu sein“, zeigt sich Jérôme Haegeli, Chefvolkswirt der Swiss Re, verhalten optimistisch.

Die Folgen des Ukrainekrieges für die Versicherungswirtschaft halten die Chefvolkswirte von Allianz sowie Swiss und Munich Re für überschaubar. Ganz im Gegensatz zu den daraus resultierenden langfristigen wirtschaftlichen Folgen. Dabei sieht Haegeli vor allem mittel- und langfristige Auswirkungen auf die Versicherungswirtschaft. 2022 drohe ein „Inflations-Tsunami“, wie er es bezeichnete. Die Versicherungswirtschaft werde, so seine Prognose, stabilisierend auf die Volkswirtschaft wirken. Zudem hegt er die Hoffnung, dass man sich 2022 von dem negativen Zinsumfeld verabschieden werden.

Autor: VW-Redakion

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