Studie: ESG-Kriterien und Risiko-Management gehen Hand in Hand

ESG-Kriterien werden für Versicherer wichtiger. Bild von anncapictures auf Pixabay.

Die europäischen Versicherer setzen auf ESG. Die Environment-, Social-, Governance-Kriterien nehmen zunehmend einen höheren Stellenwert bei den Unternehmen ein, wie eine Untersuchung zeigt. Der wesentliche Punkt für das Interesse ist das Risiko-Management, doch es gibt weitere Gründe.

Die Hauptmotivation für deutsche Versicherer zur Berücksichtigung von ESG-Faktoren ist derzeit vor allem das Risikomanagement – rund 60 Prozent der Befragten gaben dies an. Nur eine Minderheit der Versicherer (20 Prozent) sieht die Integration von ESG-Kriterien als eine Anlagechance oder ein Marketingthema.  

Grundsätzlich haben sich europaweit “viele Versicherer auf den Weg gemacht”, ESG-Kriterien in ihre Anlagepolitik stärker zu integrieren, wobei die größeren Versicherer tendenziell weiter sind als die kleineren Gesellschaften. Bisher spielen die ökologischen Aspekte die größte Rolle im Denken der Versicherer, was der besseren Messbarkeit dieses Faktors sowie der größeren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit geschuldet ist. Insbesondere liegt der größte Fokus der Versicherer – nicht zuletzt aufgrund der Regulierungsvorgaben – auf dem Thema Klimawandel, wo man sich auf den CO2-Fußabdruck und Netto-Null-Ziele konzentriert.

Hartmut Leser, CEO der Studienverantwortlichen Aberdeen Standard Investments Deutschland AG, zur Situation in Deutschland: “Wie in anderen europäischen Ländern sind es in Deutschland die größeren Versicherer, die das Thema ESG bisher mit Hochdruck vorangetrieben haben. Seit die europäische Offenlegungsverordnung in Kraft ist, sind aber auch die kleineren und mittelgroßen Gesellschaften zunehmend auf das Thema fokussiert. Die Offenlegungsverordnung ist momentan auch der wichtigste Faktor, der die Veränderungen in der Anlagepolitik der Versicherer in Richtung ESG-Kriterien treibt. Auf der anderen Seite spielt die veränderte Wahrnehmung von ESG- und insbesondere Klima-Themen in der Öffentlichkeit auch bei Versicherungsunternehmen eine wichtige Rolle”

 In dieser Hinsicht nehme in erster Linie die Lebensversicherungs-Branche eine Vorreiterrolle ein. ESG-Erwägungen sind bereits seit Jahren ein wesentlicher Bestandteil unserer Entscheidungsfindung, und als Vermögensverwalter könne man dazu beitragen, die in dieser Hinsicht “nächste Entwicklungsstufe bei deutschen Versicherungsunternehmen voranzutreiben”.

Viele Versicherer in Europa lagern die Umsetzung ihrer ESG-Ziele auf ihre externen Asset-Manager aus, die zunehmend gut positioniert sind, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Die Fähigkeiten und Ressourcen bezüglich ESG werden damit zunehmend zu einem wichtigen Kriterium bei der Managerauswahl. Aus der Umfrage geht überdies hervor, dass die meisten Versicherer immer höhere Erwartungen an Vermögensverwalter richten. Ein Großteil der Umfrageteilnehmer (81 Prozent der europäischen Versicherer) gab an, die nachhaltige Anlagepolitik auch auf ausgelagerte Anlagen anzuwenden, und ESG-Kriterien zunehmend zum Bestandteil von Ausschreibungen zu machen.

Zur Studie: Befragt wurden in der Studie “Sustainable investment in European insurance” die Chief Investment Officer (CIOs) von 60 europäischen Versicherungsgesellschaften durch Aberdeen Standard Investments  und dem Strategieberatungsunternehmen INDEFI. Die Umfrage fand in  Deutschland, Schweiz, Frankreich, Italien und Großbritannien statt.

Autor: VW-Redaktion

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