Nach Schelte bei der ARD: Scholz bringt “unmissverständlich zum Ausdruck, dass er Vermittler und ihre Arbeit nicht schätzt”

Quelle: ARD

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat – wohl wieder einmal – den Unmut der Vermittler auf sich gezogen. Stein des Anstoßes sind, dessen Äußerungen in der ARD-Talkshow Anne Will. AfW-Chef Norman Wirth übt nun scharfe Kritik.

So brachte Scholz in der Talksendung die Lobbyarbeit von Versicherern und Vertrieben in Sachen Provisionsdeckel in Zusammenhang mit der Masken-Affäre von Unionsabgeordneten: “Aber was mich schon sehr bedrückt, ist, dass es auch im Infight der Politik – wenn man das mal so sagen will – immer wieder sichtbar wird, dass es ganz harte Interessen gibt, mit denen man diskutieren muss”, so Scholz.

“Ob es nun um einen Provisionsdeckel für Versicherungen geht, also dass da nicht so viel gezahlt wird. Da sitzen harte Leute im Bundestag, die wissen, warum sie das bekämpfen. Nicht aus allgemeinen Erwägungen, sondern die haben viele – die schätzen die Leute, die die Provisionen kassieren, um es mal höflich zu sagen”, monierte der SPD-Minister.

Die Antwort vom Geschäftsführenden Vorstand des AfW, Wirth, fällt entsprechend hart aus: “Scholz zieht gegenüber Bundestagsabgeordneten, die sich gegen ein verfassungswidriges Gesetz positioniert haben, Parallelen zur Maskenaffäre. An sich schon ein Unding. Er bringt dann unmissverständlich zum Ausdruck, dass er VersicherungsvermittlerInnen und ihre Arbeit nicht schätzt”, lautet seine Kritik. “Damit diskreditiert er vor über drei Millionen FernsehzuschauerInnen einen ganzen Berufsstand, der gerade auch in der derzeitigen Wirtschaftskrise von hoher sozialpolitischer Bedeutung ist. Wir kritisieren diese polemischen und populistischen Äußerungen des Bundesfinanzministers auf das Schärfste”, moniert Wirth.

Kritik gab es übrigens auch vom FDP-Politiker Thomas Schäffler: “Wenn Scholz mit einem Finger auf andere zeigt, dann zeigen mindestens drei auf ihn zurück. Wenn die Bafin ihre Arbeit machen würde, dann hätte sie das Provisionstreiben bei den Restschuldversicherungen längst unterbunden. Paragraf 48 a VAG ermöglicht ihr das längst. Jedoch schläft die Bafin vor sich hin und hat bislang nie eingegriffen, obwohl teilweise Provisionen von über 70 Prozent bezahlt wurden. Es gibt hier kein Gesetzesdefizit, sondern ein Vollzugsdefizit”, lautet sein Vorwurf. Der öffentlichen Debatte um den Provisionsdeckel dürfte der Disput jedenfalls kaum guttun.

Quelle: Statista

Laut eines aktuellen Lobbyrankings von Transpareny International steht es schlecht um die politische Integrität der Bundesländer. Mit Thüringen hat nur eines von sechzehn Bundesländern über die Hälfte der erreichbaren Punkte erlangen können. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 46 Prozent. Am schlechtesten haben die Bundesländer Bremen (13 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (13 Prozent) und Berlin (14 Prozent) abgeschnitten.

Autor: VW-Redaktion

6 Kommentare

  • Aigner Dieter

    Hat jemand, der über “unbegrenzte Mittel” verfügt, das kleine Einmaleins der Wirtschaft verstanden?

  • Es ist schon spannend, dass sich ein Politiker traut, so pauschal über einen anderen Berufsstand so abfällig zu urteilen, obwohl er genügend Anlass hätte, vor der eigenen Haustür seines Berufsstands zu kehren.

  • Würden Politiker an der Verschwendung von Steuergeldern bemessen, dann wäre Herr Scholz seinen Job in der Politik längst los und hätte alle Pensionsansprüche verloren.

  • Swaton Hansjürgen

    Guten Tag. Im September ist Bundestagswahl. Vielleicht erinnern wir uns als Vermittler im September 2021 an die Aussage auf der Tonspur des Herrn Scholz und berücksichtigen dies bei der Stimmabgabe. Hansjürgen Swaton

  • Vermittler sind ein Relikt aus analogen Zeiten, wo es für Interessenten kaum Marktüberblick gab. Heute sind wir durch die Digitalisierung unterwegs in Richtung “vollkommende Markttransparenz”. Wenn ich eine Versicherung benötige, dann sehe ich nicht ein, warum diese teurer sein muss als nötig, weil da noch jemand eine (mitunter sehr hohe) Provision mitkassiert. Und nicht zuletzt auch, weil die Gefahr besteht, dass man das Produkt aufgeschwätzt bekommt, bei welchem die Provision am attraktivsten ist. Für Vermittelnde natürlich. Vergleichen Sie also lieber selbst und verzichten Sie auf diese Wegelagernden. Und vergessen Sie nicht, auch die Vergleichsportale kassieren mit und erhöhen somit Kosten und am Ende Preise.

  • Michael Beckert

    Ich finde auch, dass jeder Verbraucher ohne Sachverstand und Kenntnis seinen Versicherungskram selbst aussuchen und online abschließen sollte. Dann wären unsere Gerichte weniger belastet mit Haftungsklagen gegen Vermittler und die Verbraucher können Ihre Schadensangelegenheiten selbst in die Hand nehmen…

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