Milliardenschaden bei Corona-bedingter Karnevalsabsage?

Quelle: Bild von M W auf Pixabay

Bis zum 11. November ist es zwar noch etwas hin: Doch bereits jetzt diskutiert die Politik vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie über eine Absage der kommenden Karnevalssession 2020/21. Während die Wirtschaft in einem solchen Fall mit einem Schaden in Milliardenhöhe rechnet, geben sich die betroffenen Versicherer bislang noch gelassen.

So profitieren Hotel- und Gastronomiebetriebe, aber auch die Transport-, Event- und Textilindustrie, vom Geschäft mit den Jecken und Narren, berichtet das Handelsblatt. Demnach hat Unternehmensberatung Boston Consulting Group mit der Rheinischen Fachhochschule Köln 2018 die Wirtschaftskraft des Karnevals in der Domstadt untersucht. Allein hier generiert der Karneval laut Bericht rund 600 Mio. Euro Umsatz. Einen großen Anteil daran haben Hotels und Gastronomie.

Manch Verein hat bereits reagiert: So hat der Kölner Karnevalsverein bereits seine Teilnahme am Rosenmontagszug 2012 ab. Die Karnevalisten begründen diesen Schritt damit, dass das „finanzielle Risiko nicht abzuschätzen sei“. Und bei der kompletten Absage eines Umzuges? Die Versicherer geben sich auf Anfrage von VWheute jedenfalls gelassen.

Die Provinzial Deutschland erklärt: Der Konzern versichere bereits „seit gut vierzig Jahren der Versicherer des Düsseldorfer Rosenmontagszugs. Zum Versicherungsschutz gehören: die Haftpflichtversicherung für den Rosenmontagszug, eine Unfallversicherung für die Teilnehmer und eine Kfz-Versicherung für die Bagagewagen. Würde der Rosenmontagszug abgesagt, wäre das natürlich sehr bedauerlich für alle, die dem Karneval verbunden sind. Leistungen aus dem Versicherungsschutz würden sich daraus nicht ergeben.

Eine Sprecherin der Ergo will sich auf Anfrage nicht zu einzelnen Kundenbeziehungen äußern: „Ganz allgemein gilt: Sofern in einer abgeschlossenen Veranstaltungsversicherung das Sonderrisiko Seuchen versichert wurde, übernehmen wir selbstverständlich den eingetretenen Schaden. Aufgrund der weiter akuten Corona-Pandemie ist derzeit die Absicherung neuer Veranstaltungen gegen seuchenbedingte Ausfälle nicht möglich. Unabhängig davon ist die Absicherung anderer Gefahren aber weiterhin möglich und tägliche Praxis“.

Und dir Arag? „Die Arag Sportversicherung der Arag Allgemeine Versicherungs-AG bietet auch Versicherungsschutz für Karnevalsvereine, da Sport- und Karnevalsvereine ähnlich organisiert sind und vergleichbaren Absicherungsbedarf haben. Die Vereine haben mit uns entsprechende Jahrespolicen vereinbart, über die der satzungsgemäße Vereinsbetrieb – in der Regel standardmäßig über Haftpflicht-, Unfall- und Rechtsschutzversicherung – abgesichert ist. Diese Grundabsicherung für den Verein bleibt auch weiterhin bestehen“, erläutert Christian Vogée, Vorstandsmitglied Arag Allgemeine Versicherungs-AG.

„Für die Durchführung von größeren Veranstaltungen – wie ­etwa der Kölner Rosenmontagszug – wird jährlich nach dem aktuellen Bedarf ein individueller Versicherungsschutz vereinbart. Entsprechend fiele dieses veranstaltungsbezogene Geschäft bei einer Absage weg. Das wäre für uns natürlich schmerzhaft. Im Gegensatz zum Sportversicherungsgeschäft mit über 20 Millionen versicherten Amateur- und Spitzensportlern macht es aber nicht unser Hauptgeschäft in diesem Versicherungszweig aus“, betont der Arag-Vorstand.

Ob Köln, Düsseldorf oder Mainz: Die Jecken werden wohl erst in den nächsten Wochen erfahren, in welchem Rahmen Corona entsprechende Narreteien zulassen werden.

Autor: VW-Redaktion

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