Coface: Corona trifft Schwellenländer stärker als Industrienationen

Quelle: Bild von konferenzadhs auf Pixabay

Die Folgen der COVID19-Pandemie treffen die Schwellenländer noch stärker als die Industrienationen. Neben den Staatsschulden wirken sich vor allem der Lockdown, der sinkende Ölpreis und der ausbleibende Tourismus besonders stark aus, so eine aktuelle Analyse des Kreditversicherers Coface.

Demnach würden Kapitalabflüsse in einem noch nie dagewesenen Ausmaß die zunehmende Unsicherheit in den Schwellenländern belegen. Im März 2020 überstiegen die Verkäufe ausländischer Investoren von Anleihen und Aktien aus 24 Schwellenländern 80 Mrd. US-Dollar. Das ist eine Vervierfachung gegenüber dem letzten Quartal 2008, als die damalige Finanzkrise losbrach, so der Kreditversicherer.

Generell seien die Währungen von Schwellenländern mit offenen Finanzmärkten am heftigsten betroffen. „Die stärksten Abwertungen gegenüber dem US-Dollar verzeichneten in diesem Zeitraum Brasilien, Südafrika, Russland und Mexiko mit jeweils mehr als 25 Prozent, gefolgt von Kolumbien und Indonesien“, erklärt Julien Marcilly, Chefvolkswirt von Coface.

Desweiteren zählt der Anstieg der Verschuldung dazu, der sich aus dem Rückgang der Einnahmen ergibt. Hinzu kommt der Anstieg der Ausgaben im Gesundheitswesen und zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen für die Bevölkerung. Mitte April 2020 befanden sich 87 Länder in dieser Situation.

Von Tourismuseinnahmen abhängige Länder sind von Reisebeschränkungen betroffen. In 45 Ländern, darunter Marokko, Tunesien, Mexiko, Mexiko, Thailand, die Philippinen, Kroatien und Kambodscha, macht der Tourismussektor mindestens 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus. Auch Schwellenländer, die von den Einnahmen aus dem Export nichtlandwirtschaftlicher Rohstoffe abhängig sind, sind betroffen.

Zudem dürften die wichtigsten Exportländer ihre Haushalts- und Leistungsbilanz nicht ausgleichen können. „Die rohstoffexportierenden Länder sind diejenigen, deren Haushaltssaldo sich in diesem Jahr voraussichtlich am stärksten verschlechtern wird“, erwartet Marcilly.

Heute sind neun Länder von gleich drei dieser vier großen Risiken betroffen: Südafrika, Algerien, Angola, Ecuador, Libanon, Mauretanien, Oman, Tunesien und Venezuela. 31 Länder haben mit zwei und 71 Länder mit einem dieser Problemfelder zu tun. „Die von den internationalen Organisationen, insbesondere dem IWF, geplante zusätzliche Finanzierung und die von den Gläubigerländern angekündigten Schuldenberichtigungen werden vielen Ländern mit niedrigem Einkommen helfen, den großen Schwellenländern aber wahrscheinlich wenig“, ergänzt der Coface-Chefvolkswirt.

Autor: VW-Redaktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

4 − 4 =