Munich Re befürchtet höhere Schadensummen durch Cyberkriminelle

Hacker

Nach der Hacker-Attacke, bei der auch personenbezogene Daten gestohlen wurden, hat die Haftpflichtkasse ihre Systeme wieder hochgefahren. (Quelle: Haftpflichtkasse)

Online-Betrüger werden für die Unternehmen immer mehr zum Problem: So beobachtet Martin Kreuzer, Fachmann für Cyberkriminalität bei der Munich Re, “eine zunehmende Professionalisierung cyberkrimineller Strukturen”. Dabei rechnet der Rückversicherer den Anstieg entsprechender Schadensummen.

“Unsere Schätzung der weltweiten Cyberversicherungsprämie im vergangenen Jahr lag bei knapp sechs Milliarden Dollar”, wird Jürgen Reinhart, Leiter des Geschäfts mit Cyberpolicen, in der Marbacher Zeitung zitiert. Allerdings sei nur ein Bruchteil davon versichert. Die Gesamtschadenssumme schätzen Cybersicherheitsfirmen derzeit auf weltweit 500 bis 600 Mrd. Dollar im Jahr.

Dabei nutzen Cyberkriminelle wohl verstärkt auch den Corona-Virus als Einfallstor für betrügerische E-Mails. So geht die Munich Re laut Bericht davon aus, dass viele Arbeitnehmer derzeit mit mobilen Zugang ins Firmennetz daheim arbeiten und somit eine Sicherheitslücke für die Unternehmen darstellen könnten. “Dies kann zu Kapazitätsproblemen und verringerter Leistung der Systeme führen sowie zu einer Reduzierung von IT-Security”, sagte Kreuzer.

“Es gibt eine zweifache Entwicklung: Einmal werden die Angriffe immer zielgerichteter, immer individualisierter, nämlich vor allem dann, wenn der mögliche Ertrag entsprechend hoch ist.” Daneben gebe es Breitenphänomene wie Phishing-E-Mails, “die immer noch perfekt funktionieren”, ergänzt der Cyberexperte.

Online-Händler sehen sich nicht ausreichend versichert

Gerade selbstständige und freiberufliche Online-Händler sehen sich angesichts der Bedrohungen aus dem World Wide Web noch immer nicht ausreichend versichert. Laut einer aktuellen Umfrage der Mailo Versicherung AG sind lediglich 34 Prozent der selbstständigen Online-Händler in Deutschland davon überzeugt, gegen die beruflichen Risiken ihrer selbstständigen Tätigkeit ausreichend versichert zu sein. Zum Vergleich: Unter den klassischen Einzelhändlern fühlen sich immerhin 63 Prozent gut abgesichert.

In anderen Branchen fühlen sich die Selbständigen in Deutschland laut Umfrage hingegen besser abgesichert. So geben zum Beispiel 70 Prozent der freien Unternehmensberater an, sie seien ausreichend gegen berufliche Risiken versichert. “Auch Restaurants und Bürobetriebe sichern sich laut unserer Studie besser ab. Dennoch muss auch hier noch ein größeres Bewusstsein geschaffen werden”, konstatiert Armin Molla, Vorstand der Mailo Versicherung AG.

Eine Analyse von PwC Deutschland kam jüngst zu dem Ergebnis, dass Betrugsdelikte durch Kunden und Cyberkriminalität die stärkste geschäftsschädigende Wirkung entfalten. 47 Prozent der Unternehmen berichten demnach, dass sie innerhalb der letzten zwei Jahre von Betrugsfällen betroffen waren – der zweithöchste Wert in 20 Jahren. Zudem hat Betrug durch den Kunden innerhalb der letzten zwei Jahre am stärksten zugenommen – nämlich von 29 Prozent auf 35 Prozent. Kunden, Hacker und Anbieter/Lieferanten sind für 39 Prozent aller Delikte innerhalb den letzten zwei Jahre verantwortlich.

“Der Kampf gegen Betrug und Wirtschaftskriminalität ist immer akut. Das Problem an der Wurzel zu packen ist der Schlüssel zur Prävention und zum Umgang mit künftigen Betrugsfällen. Ob durch Technologie, neue Prozesse, Fähigkeiten und Schulungen, oder eine Kombination aus all dem – das Ergebnis stärkt die Wirtschaft insgesamt gegen solche Delikte, was letztlich auch dem Verbraucher zugutekommt”, kommentiert Kristin Rivera, PwC Global Forensics Leader.

Autor: VW-Redaktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

4 × 3 =