Versicherer senken CO₂-Ausstoß und kritisieren zögerliche Klimapolitik

Die deutschen Versicherer melden beim ökologischen Umbau ihrer Portfolios Fortschritte. Bildquelle: Dimitris Vetsikas auf Pixabay

Die deutschen Versicherer melden beim ökologischen Umbau ihrer Portfolios Fortschritte. Innerhalb von zwei Jahren ist der CO₂-Fußabdruck ihrer Kapitalanlagen um fast 28 Prozent gesunken. Wie aus dem Nachhaltigkeitsbericht 2026 des GDV hervorgeht, fielen die CO₂-Emissionen im Jahr 2025 auf 44 Tonnen pro investierter Million Euro. Im Jahr 2023 hatte der Wert noch bei 61 Tonnen gelegen. Dass die Branche in Sachen Nachhaltigkeit noch Luft nach oben hat, zeigt eine Analyse von Franke und Bornberg.

Der Rückgang zeigt nach Verbandsangaben eine nachhaltige Neuausrichtung der Investmentstrategien. Zugleich verstärken die Assekuranzen ihr Engagement in grüne Infrastrukturprojekte. Die Zahl der finanzierten Wind- und Solaranlagen stieg von 1.391 auf 1.691. Der dadurch anteilig erzeugte Ökostrom liegt bei rund 24,3 Milliarden Kilowattstunden – was etwa 18 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs der deutschen Privathaushalte entspricht. Mit einem Anlagevolumen von rund 1,9 Billionen Euro bleibt die Branche der größte institutionelle Investor in Deutschland.

Datengrundlage der CO₂-Erhebung sind Kapitalanlagen in Höhe von 363,3 Milliarden Euro. An der zugrunde liegenden Umfrage beteiligten sich Erstversicherer, die 72 Prozent der Bruttobeitragseinnahmen auf dem deutschen Markt repräsentieren.

Trotz der eigenen Fortschritte äußerte sich GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen besorgt über das politische Umfeld: „Insgesamt haben Nachhaltigkeit und Klimaschutz leider politisch an Bedeutung verloren, obwohl die Fakten eine klare Sprache sprechen. Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels wird vielerorts schneller zur dringenden Aufgabe, als lange angenommen wurde. Eine zögerliche Klimapolitik können wir uns nicht mehr leisten.“

Dass das Thema drängt, unterstreichen aktuelle Daten des EU-Erdbeobachtungssystems Copernicus. Im Jahr 2026 erlebten rund 900 Millionen Menschen in 33 Ländern den heißesten Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Extremwetter wie Dürre und historisches Niedrigwasser belasten auch die Konjunktur. Für Deutschland schätzen Institute wie EZB, KfW und IfW, dass Hitze und eingeschränkte Binnenschifffahrt das Wirtschaftswachstum 2026 um 0,1 bis 0,4 Prozentpunkte mindern.

Die Versicherer scheinen laut GDV mehrheitlich Kurs zu halten. Bei rund 80 Prozent der befragten Unternehmen bleiben die Nachhaltigkeitsambitionen und Prioritäten unverändert hoch.

Nach einer Analyse von Franke und Bornberg erreichen die 50 Versicherer in ihrem aktuellen Nachhaltigkeits-Score 2026 durchschnittlich 48 Prozent. Die Spanne reicht von 16 bis 87 Prozent. Nur drei Versicherer kommen auf mehr als 80 Prozent.

Den höchsten Marktdurchschnitt erreicht das Fokusthema Produkte mit 57 Prozent, knapp gefolgt von der Arbeitgeberverantwortung mit 56 Prozent. Beim Fokusthema Investment werden durchschnittlich 48 Prozent erreicht, zehn Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Beim Ressourcenmanagement liegt der Durchschnitt bei 46 Prozent, bei Wandel und Innovation bei 43 Prozent.

Am unteren Ende liegt das gesellschaftliche Engagement mit 40 Prozent. Hier zeigt sich in der Verteilung ein deutliches Gefälle: 21 von 50 Versicherern erreichen weniger als 30 Prozent, berichtet Frank und Bornberg. Unter 20 Prozent bleiben sogar 17 Versicherer. Sieben Versicherer erzielen null Prozent. Die Dokumentationslage ist in diesem Bereich vergleichsweise dünn. Niedrige Bewertungen sind deshalb nicht automatisch mit fehlenden Aktivitäten gleichzusetzen; sie können auch entstehen, wenn entsprechende Aktivitäten nach der Ratingmethodik nicht ausreichend dokumentiert oder belegt werden können.

Autor: VW-Redaktion