Fitch-Umfrage: Rückversicherer bevorzugen Leben und Kranken bei der Kapitalallokation
Im Bild: Marktanalyse an der Deutschen Börse. Quelle: Deutsche Börse
Rückversicherer und andere Marktteilnehmer bevorzugen bei der Allokation von Eigenkapital die Segmente Leben und Kranken sowie Spezialrisiken gegenüber dem klassischen Sachrückversicherungsgeschäft. Das geht aus einer aktuellen Umfrage von Fitch Ratings hervor, die im Rahmen des Branchentreffens Rendez-vous de Septembre in Monte Carlo unter 93 Marktteilnehmern – darunter Rückversicherer, Erstversicherer und Makler – durchgeführt wurde. Der Trend spiegelt eine strategische Reorganisation als Reaktion auf den anhaltenden Preisdruck im Sachbereich wider.
Mehr als 90 Prozent der Befragten gaben an, Kapital vorrangig in den Bereichen L&H, Financial Solutions oder Specialty einsetzen zu wollen. Im Einzelnen nannten 42 Prozent der Teilnehmer den L&H-Bereich als wichtigste Sparte, gefolgt von Financial Solutions mit 28 Prozent und Specialty mit 21 Prozent. Die Sach- und Katastrophenrückversicherung wurde lediglich von acht Prozent als Priorität eingeordnet, während das US-Haftpflichtgeschäft mit nur einem Prozent am Ende der Skala rangiert.
Nach Einschätzung von Fitch bieten L&H-Transaktionen im aktuellen Marktumfeld überlegene risikoadjustierte Renditen bei geringerer Kapitalintensität. Treiber der Nachfrage sind vor allem Langlebigkeitsrisiken, die von 41 Prozent der Befragten innerhalb des L&H-Sektors präferiert werden, sowie strukturierte Lösungen im Zusammenhang mit Pension Risk Transfers und Asset-Intensive Structures. Im Segment Specialty verzeichnen vor allem Bau- und Warenkreditversicherungen eine höhere Nachfrage als Cyber- oder Transportrisiken, da sie weniger stark an den allgemeinen P&C-Preiszyklus gekoppelt sind.
Das anhaltende Überangebot an Kapital im Sachrückversicherungsmarkt führt zugleich zu veränderten Rahmenbedingungen für die kommenden Vertragserneuerungen. Für die Erneuerungsrunde 2027 rechnen 60 Prozent der Befragten mit sinkenden Preisen, insbesondere bei Katastrophendeckungen. Die Mehrheit geht hier von moderaten Rückgängen von höchstens zehn Prozent aus. Parallel dazu erwarten 86 Prozent der Marktteilnehmer eine Lockerung der Vertragsbedingungen. Fitch geht davon aus, dass sich der Wettbewerb vermehrt auf strukturelle Zugeständnisse verlagert, etwa durch niedrigere Selbstbehalte oder erweiterte Ereignisdefinitionen.
Trotz der erwarteten Margenerosion im Sachgeschäft schätzt die Ratingagentur die Bilanzen der Rückversicherer als widerstandsfähig ein. 88 Prozent der von Fitch bewerteten globalen Rückversicherungsgruppen verfügen über einen stabilen Ausblick.
Autor: VW-Redaktion
