KI zwischen Chancen und Grenzen: Insurance & Innovation 2025 beleuchtet Zukunft der Versicherungs-IT

Wie können Versicherer die Herausforderungen gewachsener IT-Landschaften mit den Möglichkeiten moderner KI-Technologien verbinden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der diesjährigen Insurance & Innovation, die am 21. Oktober 2025 bei der Alte Leipziger Hallesche in Stuttgart stattfand. Fach- und Führungskräfte aus der Branche diskutierten praxisnah, wie künstliche Intelligenz (KI) helfen kann, Altsysteme zu modernisieren und regulatorische Anforderungen effizienter umzusetzen.

Die Eröffnungsrede wurde von Udo Wilcsek, Vorstandsmitglied der ALH-Gruppe, gehalten, der die herausragende Bedeutung der aktuellen Entwicklungen der KI für die Versicherungsbranche betonte.

„Alle paar Jahre wiederkehrend wird davon gesprochen, dass in diesem Jahr ein Wendepunkt der Versicherungsbranche sei – die Entwicklung der künstlichen Intelligenz scheint aber tatsächlich so eine Wegmarke zu sein.“

Udo Wilcsek, Vorstandsmitglied der ALH-Gruppe

Im Fokus der Veranstaltung stand die Frage, wie den Herausforderungen von Legacy-Systemen mit modernen KI-Ansätzen begegnet werden kann – und wo aktuell noch Grenzen liegen.

Max Schröfelbauer von der Alexander Thamm GmbH zeigte, wie sich komplexe KI-Aufgaben in der Wertschöpfungskette von Versicherungsunternehmen durch den Einsatz spezialisierter Agenten strukturieren lassen.

Johann Dedler von Tata Consultancy Services erläuterte, wie bestehende Altsysteme in moderne Programmiersprachen überführt werden können. Seine These: Mit GenAI als Gamechanger könnte Standardsoftware zum Auslaufmodell werden.  

Gregory Tjepkema präsentierte mit dem von vtmw entwickelten Tool Policy Scan AI ein Beispiel, wie Anomalien in Versicherungsbeständen mittels KI automatisch erkannt und visualisiert werden können.

Nach der Pause zeigten Dr. Arno Rasch (vtmw AG) und Bartlomiej Maciaga (HDI Lebensversicherung AG), wie mithilfe von Sprachmodellen (LLM) ein bestehender Excel-Rechner erfolgreich in andere Programmiersprachen übertragen werden kann – ein Beispiel für die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten generativer KI-Modelle in der aktuariellen Praxis.

Dr. Peter Patlevic von der Nürnberger Versicherung zeigte anschließend sehr anschaulich, wie KI in der Betrugserkennung eingesetzt wird, um verdächtige Schadensbilder anhand anonymisierter Bildvektoren zu identifizieren.

Den Abschluss bildeten Maria-Helena Hansen und Stefanie Terjung von der ALH-Gruppe, die auf unterhaltsame Weise demonstrierten, wie KI-Projekte trotz hoher Komplexität und Regulatorik erfolgreich gemanagt werden können, und zeigten relevante Stationen auf dem Weg zum datengetriebenen Versicherungsunternehmen auf.

Nach den Vorträgen wurde bei Getränken und schwäbischen Spezialitäten regionaler Herkunft noch lange und intensiv über Chancen, Grenzen und Verantwortlichkeiten rund um KI-Einsatzszenarien diskutiert. Ein zentrales Fazit: KI kann die Versicherungswirtschaft nachhaltig verändern. Was gestern aufgrund des technischen Aufwandes noch unrealistisch erschien, stellt sich heute weniger fern dar – vorausgesetzt, die Technologie bleibt für die Verantwortlichen nachvollziehbar und steuerbar.

„Künstliche Intelligenz nimmt in Versicherungsunternehmen zweifellos eine Schlüsselrolle ein – sie wirkt jedoch nie im luftleeren Raum. Ihr Erfolg hängt davon ab, wie gut sie in eine von Legacy-Systemen und Regulatorik geprägte Umgebung eingebettet wird. Es ist interessant, zu sehen, wie KI auch bei der Modernisierung von Altsystemen und der Umsetzung regulatorischer Anforderungen wertvolle Unterstützung leisten kann.“

Dr. Arno Rasch, Vorstand der vtmw AG

Das Feedback der Teilnehmer war ausgesprochen positiv. Besonders hervorgehoben wurde, dass es den Referenten gelungen ist, gleichermaßen inhaltlich tiefe Einblicke zu vermitteln und dennoch verständlich zu bleiben.

„KI eröffnet uns neue Wege, Wissen aus Daten zu generieren und unsere Welt intelligenter zu gestalten – verantwortungsvoll, transparent und mit echtem Mehrwert. Ihre volle Kraft entfaltet sie jedoch nur dort, wo der Mensch im Mittelpunkt steht und eine lebendige Data Culture, Vertrauen, Neugier und Mut zum Wandel fördert.“

–  Christian Pape, Mitglied der Vorstände ALH-Gruppe

Die Insurance & Innovation hat sich damit weiter als zentraler Branchentreffpunkt für den Austausch über Zukunftstechnologien etabliert. Die Veranstalter der vtmw AG kündigten bereits an, die erfolgreiche Reihe im kommenden Jahr fortzusetzen.

Wir freuen uns schon auf die nächste Insurance & Innovation-Veranstaltung und auf die nächste Ausgabe der gleichnamigen Buchreihe. Kennen Sie schon die aktuelle Ausgabe? Hier geht es zum Werk.

(Fotos von Isabelle Planck)