Insurance & Innovation 2026 bringt Fachexperten und Entscheider zusammenAnzeige
Am 11. Juni 2026 war Insurance & Innovation zu Gast bei der R+V Akademie in Wiesbaden. Rund 50 Innovationsbegeisterte kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, neue Ideen zu diskutieren und Impulse für die Zukunft der Versicherungswirtschaft mitzunehmen. Den Rahmen bildete ein Fachprogramm mit sechs abwechslungsreichen Praxisvorträgen.
Die Eröffnungsrede hielt Susanne Demski von der R+V. Sie gab zu bedenken, dass bei aller Euphorie rund um das Thema Künstliche Intelligenz stets im Blick behalten werden müsse, was für Unternehmen und Menschen wirklich wichtig sei.
„Die Dynamik der KI erzeugt einen gewissen Druck, sie überall einzusetzen.
Wir sollten uns aber nicht von der Technologie steuern lassen, sondern stets im Blick behalten, was für uns wirklich wichtig ist.“
– Susanne Demski, Bereichsleitung Aktuariat und Regulatorik Personen, R+V Lebensversicherung AG

Johann Dedler von TCS zeigte in seinem Vortrag, welche Rolle KI-Agenten bei künftigen Run-off-Transaktionen von Lebensversicherungsbeständen spielen könnten. Seine provokante These lautete: „Beim nächsten Run-off-Deal wird nicht mehr migriert – es wird gepromptet.“
Danach stellten Dr. Frank Wittemann und Tobias Ulmrich von der R+V ein neues, KI-gestütztes Verfahren zur Erzeugung von Testfällen aus Fachkonzepten vor. Ihr Fazit: Es braucht deutlich mehr als einen einzelnen Prompt, um aus einem realen Fachkonzept eine korrekte und vollständige Testfallliste abzuleiten.
Nikolaus Haufler, Gründer und CEO von Wetterheld, präsentierte das Thema digitale parametrische Wetterversicherung. In seinem Vortrag mit Live-Vorführung zeigte er, wie sich dieses Produkt durch innovative Technologie und konsequente Kundennähe innerhalb kurzer Zeit erfolgreich am Markt etablieren konnte.
Petra Fischer und Jochen Fischer von der RheinLand Versicherungsgruppe zeigten in ihrem Vortrag über internes Ideenmanagement, wie durch klare Zielvorgaben und ein transparentes Bewertungsverfahren eine innovationsfördernde Struktur geschaffen wurde, in der das Wissen und die Kreativität der eigenen Mitarbeitenden systematisch für die Entwicklung neuer Produktideen genutzt werden.

Anschließend zeigte Sabrina Stawitzki von der ALH-Gruppe anhand eines Praxisbeispiels aus ihrem Unternehmen, wie Low-Code und No-Code als strategischer Hebel eingesetzt werden können, um Entwicklungsengpässe zu überwinden und Innovation schneller zu skalieren.
Den Abschluss des Fachprogramms bildete ein Vortrag von Bartlomiej Maciaga (BMP Aktuarielle Services) und Dr. Arno Rasch (vtmw AG) über agentische KI in der Entwicklung von Tarifrechnern. Ziel ihres Open-Source-Projekts ist der Aufbau einer offenen Werkstatt für die KI-gestützte Entwicklung aktuarieller Rechenkerne.
Bemerkenswert war die hohe Interaktion während der gesamten Veranstaltung: Jeder Vortrag führte unmittelbar zu intensiven Diskussionen, die sich in der Pause und bis weit in den Abend hinein fortsetzten.
Die Teilnehmer äußerten sich sehr positiv über die große Themenvielfalt und die inhaltliche Tiefe der Vorträge. „Ich nehme so viele spannende Ideen mit nach Hause – damit habe ich nicht gerechnet“, war einer der Sätze, die von den Teilnehmern häufig zu vernehmen war.

„KI kann Daten, Texte, Programmcode erzeugen und Prozesse steuern, aber keine Verantwortung übernehmen.
Je mehr KI eingesetzt wird, desto wichtiger werden Qualitätssicherung und fachliche Kontrolle.“
– Dr. Arno Rasch, Vorstand der vtmw AG
Die Vorträge der diesjährigen Insurance & Innovation zeigten, welche Themen die Versicherungswirtschaft derzeit besonders beschäftigen. Die künstliche Intelligenz als Innovationstreiber zog sich wie ein roter Faden durch das gesamte Programm. Gleichzeitig wurde deutlich, dass technologische Innovation allein nicht ausreicht. Erfolgreiche Umsetzung erfordert ein klares Zielbild, eine geeignete Organisationsstruktur und die aktive Einbindung von Mitarbeitenden.
Die Veranstalter der vtmw AG kündigten an, die erfolgreiche Reihe auch im kommenden Jahr fortzusetzen. Die aktuelle Ausgabe des Jahrbuches Insurance & Innovation ist hier erhältlich.
(Fotos von Olli Duerr)
