Versicherungskäse 2024: Nachhilfe-Versicherung fällt gleich zweimal durch

Bildquelle: Juraj Varga auf Pixabay

Die Astra Versicherung ist der diesjährige „Gewinner“ des Negativpreises „Versicherungskäse 2024“. Die Jury des Bundes der Versicherten (BdV) beurteilte die Nachhilfe-Versicherung des Mannheimer Unternehmens als überflüssig. Unter den befragten Verbrauchern fiel das Produkt ebenfalls durch: Der Publikumspreis ging folglich in diesem Jahr auch an die Astra. Wie man dort mit der doppelten Schmähung umgeht? VWheute hat nachgefragt.

Sowohl Jury-Preis als auch Publikumspreis vergab der BdV am Freitag im Rahmen einer Online-Veranstaltung an die „Nachhilfe-Versicherung Plus“ der Astra Versicherung. Damit wurde das Produkt schlechter bewertet als die beiden ebenfalls nominierten Produkte „Akkuschutz für E-Bikes“ von der Wertgarantie SE Deutschland und „DFV-Kombischutz“ der DFV Deutsche Familienversicherung (VWheute berichtete).

Die „Nachhilfe-Versicherung Plus“ kostet 29,99 Euro im Jahr und zahlt die Aufwendungen für den Nachhilfeunterricht, wenn ein Kind aufgrund von längerer Krankheit oder eines Krankenhausaufenthalts mit dem Schulstoff nicht mehr hinterherkommt. Begrenzt sind die Aufwendungen auf 400 bzw. 600 Euro, wenn der Krankenhausaufenthalt mindestens 10 Tage dauert bzw. bei 14 Tagen Unterrichtsabwesenheit. Zusätzlich leistet die Police ein Rooming-In für Eltern, deren Kinder ins Krankenhaus müssen, sofern die Kinder unter 14 Jahre alt sind. Der Einzug der Eltern ins Krankenhaus wird von der Astra mit bis zu 50 Euro am Tag unterstützt.

BdV-Jurorin Sandra Klug ist selbst Mutter und macht in ihrer Laudatio deutlich, dass sie so gar keinen Nutzen in der Nachhilfe-Police erkennen vermag: „Was ist das für eine tolle Vorstellung: mein Kind liegt mit Fieber und Bronchitis seit 7 Schultagen im Bett und ich schicke ihm aus Rache für wache Nächte, unendlich viel Wäsche und Trotzanfälle einen Nachhilfelehrer auf den Hals“, spottet Klug, die für die Verbraucherzentrale Hamburg tätig ist. Wo sie den Nachhilfelehrer aber so spontan herbekommen solle, wisse sie gar nicht, schreibt Klug, denn Nachhilfekräfte seien ein seltenes Gut.

Schlechte Presse gibt es nicht? Die Astra sieht das offenbar anders

Klug führt aus, dass Kinder bei kurzen Erkrankungen vielleicht etwas Schule verpassten. „Na und?“, verschafft sich die Laudatorin Luft. „Haben die Kinder eine langwierigere Erkrankung, unterliegen sie weiterhin der Schulpflicht.“ Dieser Anspruch auf Beschulung werde in aller Regel über die Krankenhäuser erfüllt, heißt es. „Ein Bedarf für diese Art von Versicherung besteht also nicht“, resümiert Klug und appelliert an die Eltern: „Spart Euch das Geld und unternehmt davon lieber etwas Schönes mit Euren Kindern!“

Auch beim Publikum fiel das Produkt der Astra Versicherung durch: Laut BdV stimmten rund 65 Prozent der etwa 500 Online-Voting-Teilnehmer für die Nachhilfe-Versicherung – deutlich abgeschlagen folgten der Akku-Schutz für E-Bikes von Wertgarantie (19 Prozent) und der DFV-Kombischutz (16 Prozent).

Anders als im Falle der Wertgarantie („Wir schätzen es und freuen uns über Feedback zu unseren Produkten“) ist der Astra Versicherung aber offenbar nicht nach einer ironischen Kommentierung der BdV-Schelte zu Mute – den Grundsatz, wonach schlechte Presse immer auch eine Chance ist, lässt sie links liegen. Eine Reaktion auf die doppelte Auszeichnung blieb gegenüber VWheute jedenfalls aus.

Autor: VW-Redaktion

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