Bericht hinterfragt Eignung von Julia Wiens: „Macht man da nicht den Bock zum Gärtner?“

Bafin-Versicherungschefin Julia Wiens auf dem GDV-Insurance-Summit. Bildquelle: GDV

Wie ihr Vorgänger Frank Grund kommt auch die aktuelle Bafin-Versicherungsaufseherin Julia Wiens von der Baloise. Die dortige Lebensparte weist allerdings sehr hohe Kostenquoten auf, die die Behörde eigentlich versucht zu begrenzen. Wie passt diese Personalentscheidung zusammen, hinterfragt das Wirtschaftsmagazin Capital.

„Wir sehen in etlichen Fällen deutliche Übertreibungen zulasten der Kunden“, sagte Julia Wiens kürzlich auf dem GDV Insurance Summit. „Es ist klar, dass Beratung vergütet werden muss, aber genauso klar ist: ein ‚Weiter so‘ wird es nicht geben.“ Mit dem 2022 erschienenen „Merkblatt zu wohlverhaltensaufsichtlichen Aspekten bei kapitalbildenden Lebensversicherungsprodukten“ hat die Bafin klargemacht, dass sie vor allem die Versicherer näher prüfen wird, bei denen die Effektivkosten der kapitalbildenden Lebensversicherungsprodukte im Branchenvergleich deutlich erhöht sind. „Das sollen laut Entwurf die Unternehmen sein, deren Hauptverkaufsprodukte Effektivkosten im oberen Viertel (oberhalb des 75%-Quantils) der Branchenwerte aufweisen“, hieß es in der Mitteilung dazu. Inzwischen ist bekannt, dass die Bafin bereits zehn Gesellschaften identifiziert hat, die darunter fallen.

Die Generali als zweitgrößter Lebensversicherer hierzulande zählt auch dazu und kündigte an, einen Teil der Abschlusskosten an die Kunden zurückzuzahlen, VWheute berichtete. Dass die Baloise Lebensversicherung offiziell auch auf der Liste stehen könnte, ist bislang nicht bekannt. Allerdings verweist die Zeitschrift Capital auf den Finanzprofessor Hermann Weinmann vom Institut für Finanzwirtschaft in Ludwigshafen, der im Geschäftsjahr 2022 eine erweiterte Betriebskostenquote von 26,7 Prozent ermittelte. Die Abschlusskostenquote der Lebenssparte weist das Unternehmen in seinem Geschäftsbericht von 2022 gar nicht erst aus, für 2023 liegen noch keine Daten vor. Capital stellt deshalb die Frage auf: „Ist das also nur ein Versehen, oder darf man bei Unternehmen aufhorchen, die solche Daten nicht nennen?“

Dass ausgerechnet die kleine und kostenintensive Baloise zum bereits zweiten Mal den Branchen-Chefaufseher bei der Bafin stellt, scheint dem Magazin sehr ungewöhnlich zu sein. „Macht man da nicht den Bock zum Gärtner?“ Auch ein möglicher Interessenkonflikt scheint offensichtlich für Capital, denn: „Die oberste Versicherungsaufseherin wird schließlich auch darüber befinden müssen, wann die Kosten in der Branche als zu hoch einzuschätzen sind.“ Interessant wäre zu erfahren, wie die Bafin oder Frau Wiens zu den Vorwürfen Stellung beziehen. Aus dem Bericht geht jedoch nicht hervor, dass man um einen offiziellen Kommentar gebeten hat.

Autor: VW-Redaktion

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