Insurtech Symposium Köln: „Versicherung wird zunehmend zur Tech-Surance“

Versicherungs- und Insurtech-Standort, Bildquelle: Gerd Rohs/Pixabay

Diskussionen, Praxisfälle und Demo-Partys wechseln sich ab. Schlag auf Schlag präsentiert sich das Insurtech Symposium heute in Köln. Auf 16 Veranstaltungen wird demonstriert und darüber diskutiert, wie die Welt der Versicherung von morgen aussieht. Das Meeting vereint Versicherungswirtschaft, Investoren, Business Angels, Venture Capitalists, CorporateVCs und Start-ups auf einer Bühne.

Wie konkret die Zukunftspläne sind, zeigen beispielsweise die R+V Versicherung und das Insurtech Moneypenny Technologies. Beide Partner setzen sich intensiv damit auseinander, wie die Versichertenkarte in mobile Wallet als digitaler Anker dienen kann und warum sich die Kundenkommunikation viel zu oft nur auf den Schadenfall beschränkt.

Mit der digitalen Versichertenkarte haben Axel Eppenstein, Transformationsmanager Digitalisierung und Innovationmanager der R+V und Anna Bojic, Gründerin der Miss Moneypenny, seit 2020 ein digitales und natives Kundeninterface entwickelt. „Und es ist auch smart“, betont Eppenstein. Die Karte stellt nämlich die gesamte Kfz-Versicherung auf dem Smartphone zur Verfügung. „Unsere Kunden müssen keine separate App herunterladen. Die digitale Versichertenkarte wird in den vorinstallierten Anwendungen Apple Wallet oder Google Pay wie ein Flugticket hinterlegt. Versicherte haben so stets aktuelle Daten zur Hand und können diese im Schadenfall unkompliziert und sicher mit Dritten austauschen“, erläutert Eppenstein.

Anwender bleiben aktiv

Eine hausinterne Befragung zeigt: Ganze 82 Prozent der Kunden nutzen diese Funktion im Bedarfsfall bereits oder haben es vor. Leistungen der Versicherung sind mit Zugängen zu Portalen und Online-Schadenmeldung jederzeit präsent und werden auf ökonomische, digitale Kanäle geleitet. Weitere Features, wie ortsspezifische Wetterwarnungen, persönliche Ansprache durch die R+V und die Auswahl von relevanten Inhalten durch Versicherte selbst, machen das Medium nachweislich dauerhaft attraktiv.

Eppenstein: „Auch nach über einem Jahr haben 97 Prozent der Nutzenden die digitale Versichertenkarte auf Ihrem Smartphone einsatzbereit.“ In dieser Zeit seien mehrere hunderttausend Push-Nachrichten empfangen worden. Pro Versichertenkarte ergebe das bis zu 15 Kontaktpunkte innerhalb eines Jahres. Und auch zu den Kosten gibt die Wiesbadener Assekuranz gerne Auskunft. „Nach einem Pilotfeld und ersten Rollout liegen die Kosten für uns unter einem Euro pro angesprochenem Kunden und Jahr“, so der Versicherungsmanager. Da keine App-Entwicklungskosten anfielen und zur Umsetzung die Software as a Service (SaaS)-Leistungen von Miss Moneypenny genutzt werden, werde im kommenden Rollout mit weiteren Skalierungseffekten gerechnet.

Schutz für neue Berufe per Plattform

Mit der Absicherung neuer, durch die Digitalisierung entstandener Berufsgruppen beschäftigt sich der Versicherer Hiscox. Gemeint sind beispielsweise Creator und Influencer, die als Freelancern und Digital Nomads den Wandel repräsentieren und ganz neue Lebensmodelle entwickeln. „Wir beobachten, dass ein großer Teil der „New Work“-Unternehmer beim Austausch zur Absicherung von Risiken seine Community-Plattform dem sonst üblichen Weg über Experten und Vermittler von Versicherungen vorzieht“, erläutert Hiscox Chief Executive Officer Markus Niederreiner.

Markus Niederreiner, Deutschlandchef von Hiscox

Damit könnten Absicherungen, die diese neue Berufsgruppe vor Urheberrechtsklagen, Abmahnungen, Unterlassungen, vor Cloud-Ausfällen oder Cyberangriffen schützen, schwer vermittelbar sein. Daher arbeitet Hiscox intensiv am Aufbau von Ökosystemen für Zielgruppenlösungen, die über den reinen Versicherungsbedarf hinausgehen. „Wir haben bereits die technischen und prozessualen Voraussetzungen geschaffen, um einfache Lösungen schnell und nahtlos auch in Plattformgeschäftsmodelle zu integrieren“, betont Niederreiner.

Digitalisierung ist Katalysator

Praktisch aktiv ist Nicolas Witte, Managing Director dem Dienstleister Controlexpert, das heute mehrheitlich zur Allianz gehört. Unter anderem hat das Unternehmen den Speed Check entwickelt. Daher dürfte es sehr interessant sein, wie die Zukunft der KI-gestützten Schadenabwicklung im Automobilbereich beschrieben wird.

Diskussionspartner auf dem Insurtech Symposium ist Dietmar Kottmann, Partner bei Oliver Wyman, der bisher „noch keine Disruption der Versicherungsbranche durch digitale Modelle“ nahen sieht. „Andererseits ist die Veränderung der Versicherungsbranche durch digitale Modelle nicht mehr wegzudenken“, so Kottmann. Die Spannweite reiche vom digitalen Vertrieb in der Autoversicherung über Check24 bis zur digitalen Betrugsbekämpfung. „Versicherung wird zunehmend zur Tech-Surance mit Insurtechs als Katalysator und treibende Kraft der digitalen Transformation“, glaubt der Berater.

Plattform für Finanzierungsangebote

Viele neue Modelle brauchen aber auch Startkapital – und das bieten auf dem Insurtech Symposium heute beispielsweise Venture Capital, wie Neoteq Ventures, das unter dem Leitspruch aufritt: Wir investieren in herausragende Teams mit außergewöhnlichen, techbasierten Unternehmungen. „Die digitale Transformation verändert die Welt in einer ungeahnten Schnelligkeit. Es gibt keine Branche mehr, die nicht von diesem Wandel betroffen ist“, stellt Simon Schneider, Founding Partner, neoteq ventures fest.

Neue digitale Technologien und digitale Geschäftsmodelle würden bestehende Versicherungsprodukte besser und händelbarer machen. Für Versicherungen sei es daher nach Meinung von Schneider sehr hilfreich, mit Start-ups zusammen zu arbeiten und sich auszutauschen. Dafür sei das InsurTech Symposium der ideale Ort. Das nutzt auch InsurLab Germany. Mit Complero, Gini, kern.ai, LiveEO und PlanA präsentiert die deutsche IT-Denkschmiede gleich fünf Start-ups. „Wir glauben fest daran, dass die Digitalisierung der Versicherungsbranche durch Kollaboration und Erfahrungsaustausch vorangetrieben werden kann“, sagt Kommunikationschef Thomas Kuckelkorn.

Autor: Uwe Schmidt-Kasparek

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