Lebensversicherer passen Risikomodelle wegen Corona an

Die Lebensversicherer reagieren auf die Folgen der Corona-Pandemie. Quelle: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Die zunehmenden Schadenfälle durch Corona zwingen die Lebensversicherer nun, ihre Risikomodelle anzupassen. Zudem könnten mehr Todesfälle oder Langzeitkrankheiten die Versicherer dazu zwingen, mehr Rücklagen zu bilden, um Ansprüche zu begleichen. Auch höhere Prämien seien durchaus möglich.

Die Risikomodellierungsfirma Air berücksichtigt beispielsweise periodische Abriegelungen in der ganzen Welt und erwägt auch, die Unsicherheit darüber einzubeziehen, ob die Regierungen weiterhin Beschränkungen auferlegen werden, um die Übertragungsraten niedrig zu halten, und ob der Einzelne bereit ist, diese zu befolgen. „Wir berücksichtigen die Möglichkeiten von mehr übertragbaren und weniger übertragbaren (Varianten)“, sagte Narges Dorratoltaj, Wissenschaftlerin bei Air, gegenüber Reuters.

RMS erklärte, sein aktualisiertes COVID-19-Projektionsmodell berücksichtige Varianten wie Omikron, die Elemente der Impfstoffflucht aufweisen, sowie Varianten, die sich Impfstoffen entziehen könnten. Die Swiss Re berücksichtigt in ihrem Pandemiemodell mehr als 20.000 verschiedene Szenarien. Der Rückversicherer aktualisiere sein Risikomodell regelmäßig mit den neuesten Daten zu Tests, Impfungen, Infektionen, Krankenhausaufenthalten und Todesfällen.

Experten für Versicherungsrisiken gehen zudem davon aus, dass die Möglichkeiten der Übertragung zwischen Mensch und Tier, die hohe Zahl der weltweiten Reisen, die zunehmende Verstädterung und die Auswirkungen des Klimawandels wie Abholzung und krankheitsübertragende Moskitos bedeuten, dass Pandemien häufiger werden könnten.

Allein dem Versicherungsmakler Howden wurden der weltweiten Lebensversicherungsbranche in den ersten neun Monaten des Jahres 2021 COVID-19-Schäden in Höhe von 5,5 Mrd. US-Dollar gemeldet, gegenüber 3,5 Mrd. US-Dollar für das gesamte Jahr 2020.

Der niederländische Versicherer Aegon , der zwei Drittel seines Geschäfts in den Vereinigten Staaten betreibt, gab an, dass sich seine Schadensfälle in Nord- und Südamerika im dritten Quartal auf 111 Mio. Dollar beliefen, gegenüber 31 Mio. Dollar im Vorjahr.

Die US-amerikanischen Versicherer MetLife (MET.N) und Prudential Financial (PRU.N) meldeten ebenfalls einen Anstieg der Lebensversicherungsansprüche. Der südafrikanische Versicherer Old Mutual (OMUJ.J) verbrauchte einen größeren Teil seiner Pandemierückstellungen, um Schäden zu begleichen, und der Rückversicherer Munich Re erhöhte seine Schätzung für COVID-19-Lebens- und Krankenversicherungsschäden für 2021 von 400 Mio. Euro auf 600 Mio. Euro.

Autor: VW-Redaktion

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