Aktuare: Wintereinbruch trifft die Versicherer kaum

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Der Wintereinbruch in Deutschland hat in den letzten Tagen für ein erhebliches Verkehrschaos gesorgt. Während auf einigen Autobahnen in Hessen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen teils nichts mehr ging, kam es im Bahnverkehr  in weiten Teilen des Landes zu Verspätungen und Ausfällen. Die Versicherer sind laut Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) bislang aber kaum davon betroffen.

“Vereinzelt wird es Sturmschäden geben, die in der Wohn- und Hausratversicherung nahezu flächendeckend versichert sind. Die erreichten Windgeschwindigkeiten sind aber bei weitem zu gering, um zu einem nennenswerten Schadenereignis zu führen. Hochwasser- und Schneedruckschäden sind in der erweiterten Elementarversicherung gedeckt. Diese Deckung haben deutschlandweit aber nur 45 Prozent der Gebäude, im Norden sogar weniger als 30 Prozent”, sagt Onnen Siems, Geschäftsführer der aktuariellen Beratungsgesellschaft in Köln.

Zudem ist das Ereignis für regionale Schneedruckschäden zu kurz – und die hochwassererfahrenen Rheinländer sind solche Pegelstände gewöhnt, betonen die Aktuare. “Das erhöhte Unfallaufkommen auf den Straßen verursacht einen zusätzlichen Schadenbeitrag von vielleicht zehn Mio. Euro”, schätzt Siems. Auch wenn das meteorologische Füllhorn am vergangenen Wochenende einige Besonderheiten bereithielt, bleiben die Auswirkungen auf die deutschen Versicherer überschaubar, heißt es bei MSK weiter.

Quelle: Statista

Zum Vergleich: Im “Jahrhundertwinter” von 1978/79 fiel der versicherte Schaden ebenfalls niedrig aus, denn der geschätzte gesamtwirtschaftliche Schaden, der zwischen 28. Dezember 1978 und 4. Januar 1979 in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg entstand, lag bei nur 150 Mio. D-Mark. Daher taucht dieses Ereignis in den Statistiken der Versicherer nicht auf. “Ein Grund liegt auch darin, dass damals kein Versicherungsschutz für Elementargefahren angeboten wurde”, erläutert Siems.

“Die Katastrophe traf die DDR damals härter als Westdeutschland, da beispielsweise alle Braunkohlekraftwerke ausfielen und nur das Kernkraftwerk in Greifswald die Stromversorgung der DDR sicherstellen konnte. Viele sagen daher, der Winter von 1978/79 sei der Anfang vom Ende der DDR gewesen.”

Onnen Siems, Geschäftsführer der aktuariellen Beratungsgesellschaft Meyerthole Siems Kohlruss

Auch in der DDR verursachte das Wettergeschehen von 1978/79 einen volkswirtschaftlichen Schaden, der knapp acht Mrd. DDR-Mark für die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen betrug. Die historischen Auswirkungen, die der damalige Winter dort anrichtete, liegen jedoch abseits der Frage, wie hoch der versicherte Anteil der Kosten ausfiel.

Autor: VW-Redaktion

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