Sidecar hilft Munich Re mit um 50 Mio. reduzierter Kapazität

Quelle: Bild von Csaba Nagy auf Pixabay

Vor vielleicht zwei Jahrzehnten pflegten sich professionelle Rückversicherer ihre Kapazität speziell für Naturkatastrophen im Retrozessionsmarkt innerhalb der eigenen Branche zu suchen. Mittlerweile aber gestatten neue Risikotransferkonstrukte auch nicht-Versicherern auf das fehlenden Eintreten von Naturkatastrophen in einem bestimmten Jahr zu setzen. Munich Re besorgt sich berits seit 2014 unter der biblisch inspirierten Bezeichnung Eden Re II in folgenderweise Kapazität:

  • Ein Teil des eigenen Obligos wird jeweils für ein Kalenderjahr an eine Rückversicherungszweckgesellschaft (SPV, special purpose vehicle) zediert
  • Die gibt wiederum je Kalenderjahr Bonds an risikowillige Investoren aus, unter denen ein hoher Zins bezahlt wird, andererseits aber im Schadenfall sowohl Zins als auch die Rückzahlung des Investorenkapitals gefährdet sind.

Die Bonds können entweder als Privatplatzierung oder aber via der Börse Bermuda Stock Exchange (BSX) emittiert werden. Das hat zur Folge, dass sie als Insurance Related Securities zum Börsenhandel zugelassen sind. Die Mindeststückelung beträgt 250.000 Dollar. Die Naturkatastrophenschäden benötigen eine gewisse Abwicklungsdauer, das hat zur  Folge, dass die ein bestimmtes Anfalljahr betreffenden Bonds erst drei Jahre später zurückgezahlt werden können.

Die der Munich Re zuzurechnende Eden Re II Ltd. übernimmt gemäß der Munich Re Website “various perils”  vermutlich Property Catastrophe Reinsurance and Retrocession Risks und besorgt sich bereits seit 2014 jedes Jahr aufs neue Risikokapital von externen Investoren. Eden Re gehört zum Rückversicherer aus München, ist aber dem Unternehmen mangels eines Kapitalanteils und Kontrolle nicht im Sinne der Konsolidierung zuzurechnen. Der Aktionär ist wohl die vom Rechtsdienstleistungsunternehmen Appleby verwaltete Eden Re Purpose Ltd Purpose Trust.

Das Geschäft

Die A-Tranche  des Angebots wird jeweils zum Ende des Vorjahres aufgelegt, die B-Tranche zu Beginn des Geschäftsjahres. Die Platzierung für 2021 ist bereits abgeschlossen. Es ist nicht klar, worin der Unterschied zwischen den Tranchen bestehen mag. Vermutlich wird die A-Tranche jedes Jahr börslich neu aufgelegt, die B-Tranche ist ein private Placement für institutionelle Investoren, denen von Jahr zu Jahr aufs Neue die B-Tranche angeboten wird, die also – ähnlich wie bei einem Lloyd’s Syndikat – Tenure geniessen.

Der Umstand, dass wenigstens die A-Tranche börsengehandelt wird sollte auch den unter der B-Tranche Beteiligten die periodische Bewertung ihrer Positionen erleichtern. Eden Re II ist als segregated accounts company unter dem Segregated Accounts Company Act 2000 geführt. Sie kann also unter einer Firma mehrere gegeneinander insolvenzrechtlich abgeschottete Profit-Center betreiben, was in etwa dem Status eines protected cell insurer entspricht.

Die Gesamtkapazität von Eden II war bereits zwischen 2019 und 2020 um 15,1 Mio. Dollar gesunken und schrumpft nun um weitere 50 Mio. Dollar. Dies kann den Grund haben, dass die Preise für Risikotransfer der Munich Re zu hoch erschienen oder dass man angesichts derzeit auskömmlicher Preise im übernommenen Geschäft bereit ist, mehr davon im ungeschützten Selbstbehalt laufen zu lassen. Parallel zu Eden Re II betreibt Munich Re noch eine ganze Reihe weiterer Retro-Vehikelunternehmen wie Atmos, Azzurro, Leo und Vitality, welche nicht eigene, sondern Kundenrisiken verbriefen und weiterreichen.

Der biblische Garten Eden soll sich irgendwo am Euphrat befunden haben. An ihn grenzte eine unwirtliche Steppe. Sollte etwa der Securitisation-Markt gerade austrocknen; das würde dann wohl endgültig eine hard-market Phase einläuten.

Mio. US$ 2018201920202021
 Class A       83,700       86,800       54,600       55,100
 Class B     216,340     213,300     230,400     179,900
 Total     300,040     300,100     285,000     235,000
 Veränderung           0,060–      15,100–      50,000

Autor: Philipp Thomas

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