Berufsunfähigkeitsversicherung – Status quo und Potenziale für die private Versicherungswirtschaft

Die BWL-Studentin Nicole Winkelmann hat an der Universität Leipzig eine bemerkenswerte Masterarbeit zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) und Big Data geschrieben. VWheute hat sie gebeten, ihre komplexe und informative Arbeit in einem kurzen Summary darzulegen. Sie erklärt darin unter anderem, wie und warum Versicherer Big Data Analytics für Entscheidungsprozesse und Automatisierungslösungen in der BU einsetzen sollten. Weiterhin regt Frau Winkelmann die Ausarbeitung eines Branchenkodex an.

Nicole Winkelmann hat an der Universität Leipzig eine bemerkenswerte Masterarbeit im Fach BWL zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) und Big Data geschrieben. VWheute hat sie gebeten, ihre komplexe und informative Arbeit in einem kurzen Summary darzulegen. Sie erklärt darin unter anderem, wie und warum Versicherer Big Data Analytics für Entscheidungsprozesse und Automatisierungslösungen in der BU einsetzen sollten. Weiterhin regt Frau Winkelmann die Ausarbeitung eines Branchenkodex an.

Das Jahr 2001 stellte ein Wendepunkt bei dem wirtschaftlichen Schutz der Arbeitskraft dar. Seither ist die Berufsunfähigkeit für nach 1960 Geborene nicht mehr über die gesetzliche Rentenversicherung abgesichert: Eine Chance für die private Versicherungswirtschaft, neue Kunden zu gewinnen. Durchaus stiegen die Vertragszahlen innerhalb von fünf Jahren um etwa 20 Prozent. Seither befindet sich der Vertragsbestand jedoch insgesamt auf einem stagnierenden, respektive leicht sinkenden Niveau, während die Anzahl an Erwerbspersonen steigt. Zum 31. Dezember 2019 war etwa jede dritte Erwerbsperson in Deutschland im Besitz einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU).

Wie Lebenszusatzversicherungen im Allgemeinen erfährt auch die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ) einen Rückgang, während die Zahl der Selbstständigen Berufsunfähigkeitspolicen (SBU) seit 2001 stetig steigt. Da das Wachstum des SBU-Neugeschäfts jedoch stagniert, kann es die Abnahme des BUZ-Bestands kaum kompensieren. Angesichts der eher geringen Verbreitung der BU lässt dies nicht auf einen gesättigten Markt, sondern vielmehr auf ungenutztes Potenzial schließen.

Die Wachstumshemmnisse finden sich zum einen nachweislich in der Ausgestaltung der Produkte und Prozesse, aus denen Unsicherheit und mangelndes Vertrauen aufseiten der Versicherten, Ineffizienzen sowie Zugangsbarrieren resultieren. Zum anderen führt auch die Unterschätzung des Berufsunfähigkeitsrisikos zu fehlenden Abschlüssen. Eine begleitende, erschwerende Entwicklung ist zudem der zunehmende Anteil psychisch bedingter Berufsunfähigkeitsfälle im Leistungsbestand, der die Versicherer vor eine weitere Herausforderung stellt und zusätzlichen Handlungsbedarf signalisiert.

Zur Lösung der Problematiken und zur Optimierung der BU stehen der Assekuranz verschiedenste Ansätze zur Verfügung. Zur Ausweitung der Versicherbarkeit kann neben Produktmodifizierungen auch der Einsatz von Big Data Analytics in Betracht gezogen werden. Die Voraussetzungen für den Einsatz derartiger Technologien müssen in den Versicherungsunternehmen jedoch überwiegend erst geschaffen werden. Auch rechtliche und gesellschaftliche Hürden gilt es noch zu überwinden.

Unter der Betrachtung der Chancen, die Big Data Analytics in sich birgt, scheint der Aufwand jedoch lohnenswert: Einerseits ist es möglich, Entscheidungsprozesse etwa durch regelbasierte Automatisierungslösungen schneller und transparenter zu gestalten. Andererseits können Risiken wie mögliche psychische Erkrankungen mittels Big Data Analytics präziser kalkuliert sowie durch Präventions- und Monitoring-Programme besser gemanagt werden. Dies ermöglicht nicht nur einen erleichterten Zugang zur BU, sondern auch eine Stärkung der Kundenbindung. Die Versicherten werden aktiv bei der Minderung ihres Berufsunfähigkeitsrisikos unterstützt.

Letztlich wäre es auch erwägenswert, gemeinsam und branchenweit an einem Strang zu ziehen, um das Neugeschäft der BU voranzubringen. Denkbar wären hierbei etwa die Ausarbeitung eines Branchenkodex nach dem Vorbild des GDV-Verhaltenskodex zur Erhöhung der Transparenz der Prozesse und Versicherungsbedingungen sowie die Initiierung einer Branchenkampagne zur Aufklärung potenzieller Kunden hinsichtlich des Berufsunfähigkeitsrisikos und dessen Absicherung.

Es bleibt abzuwarten, welchen Weg die private Versicherungswirtschaft geht, um das Potenzial der BU auszuschöpfen und wie die Absicherung von morgen gestaltet sein wird. Die Möglichkeiten sind vielfältig und chancenreich.

Autor: Nicole Winkelmann

Ein Kommentar

  • sehr viele Politiker, deren Namen ich schon die Öffentlichkeit getragen habe, versprachen Hilfe, wenn es um klare Vorgaben bei der Leistungsregulierung geht. Vor zwei Jahren war es eine Dame der SPD, die zeitgleich zu einem Bericht von Frontal21 eine solche Aussage tätigt. Kurz danach titulierte sie sich als Rentenexpertin und da ich mir Kritik an ihren Gesprächsteilnehmern äußerte und bemerkte, das man doch erst die Beiträge sichern sollte, bevor wir über Vorsorge befinden, brach man den Kontakt ab. Es ist alles archiviert. Ähnlich der Aussagen des Bundestages zu dem verpflichtenden Ausbildungszyklen der Verbraucherschützer (Nachzulesen unter Petion2017 auf meiner HP). „Was ist Verbraucherschutz – wir hatten kein Latein in der Schule:-)“

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